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Weniger Altlasten für einen sauberen Radsport

Berlin. Die Tour de France dürfte in diesem Jahr ohne die früheren Doping-Sünder und umstrittenen Team-Chefs Alexander Winokurow und Bjarne Riis stattfinden. Auf dem Weg zu einem besseren Image tut der Radsport etwas für die „Hygiene“ im Starterfeld. Agentur

Team-Manager Bjarne Riis ist entlassen. Alexander Winokurow droht mit seinem Astana-Rennstall das Aus in der "World Tour": Es scheint, dass sich der Radsport seiner Altlasten entledigt. "Respekt - ich habe mich in Brian Cookson wohl geirrt", sagte der einstige Doping-Kronzeuge Jörg Jaksche in Bezug auf den UCI-Präsidenten. Cookson war im Herbst 2013 an der Spitze des Weltverbandes UCI angetreten, um im Anti-Doping-Kampf nach den dunklen Zeiten seiner Vorgänger Hein Verbruggen und Pat McQuaid ernstzumachen.

Die wohl bevorstehende Demission des von vielen Doping-Fällen gezeichneten Astana-Rennstalls um den 2007 selbst überführten Winokurow ist konsequent. Die niederländische Zeitung "De Telegraaf" meldete gestern, was kaum noch überraschte: Die UCI-Lizenzkommission wird Astana mit Tour-de-France-Sieger Vincenzo Nibali an der Spitze die erteilte Fahrerlaubnis für den Elitebereich "World Tour" wieder entziehen. Am Donnerstag soll es soweit sein. Nibali droht damit die Aussperrung vom Saisonhöhepunkt im kommenden Juli. Auch die Hoffnung auf eine Freikarte ("Wildcard") für die Tour de France dürfte zerstört sein, weil laut "Telegraaf" eine Rückstufung in den drittklassigen "Continental"-Bereich droht.

Die UCI-Kommission hatte nach der vorläufigen Vergabe der Lizenz an den Astana-Rennstall, der 2014 mit fünf Doping-Fällen in seinen Reihen in die Schlagzeilen geriet, die Fahrerlaubnis zur Disposition gestellt. Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft Padua über eine illegale Kooperation zwischen dem auf Lebenszeit gesperrten Mediziner Michele Ferrari und Team-Chef Winokurow waren untersucht worden.

Die Frankreich-Rundfahrt ohne die früheren Doping-Sünder Riis und Winokurow - auch als Team-Manager nicht gerade aufrechte Anti-Doping-Kämpfer - dürfte dem Starterfeld gut tun. Auch wenn Jaksche nur von einer "Art Kosmetik" spricht. Denn über Riis' Arbeitgeber Oleg Tinkow hatte schon Tyler Hamilton , Kronzeuge im Doping-Fall Lance Armstrong , nichts Schmeichelhaftes in seinem Buch "Radsport-Mafia" geschrieben. Die Maxime des auf unbedingten Erfolg ausgerichteten Russen sei: Solange keiner erwischt wird, ist alles legal.