Wende oder Ende?

Im Duell beim ebenfalls abstiegsgefährdeten SC Freiburg geht es für Tabellen-Schlusslicht Borussia Dortmund mehr als nur um Punkte. Der Druck auf den Verein und Trainer Jürgen Klopp wird immer größer.

Die Fans gehen auf die Barrikaden, die Stars wirken nur noch gehemmt, und der Trainer ist entgegen aller Durchhalteparolen angezählt. Aber trotz der Alarmstimmung beim Bundesliga-Schlusslicht Borussia Dortmund hält Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke bedingungslos an Jürgen Klopp fest. "Natürlich. Das steht außer Frage", antwortete der BVB-Chef auf die Frage, ob Klopp auch bei einer Fortsetzung der Negativserie Trainer des abgestürzten Clubs bleibt.

Watzke sagte weiter, dass er nicht bereit sei, "jetzt jede Woche diese Frage aufs Neue zu beantworten" und beendete damit für sich dieses Thema. Sollte jedoch der BVB, der sich unter der Woche beim 0:1 gegen den FC Augsburg einmal mehr in der Liga blamiert und sich erstmals in dieser Katastrophensaison den Unmut der eigenen Anhänger zugezogen hatte, auch an diesem Samstag im Kellerduell beim SC Freiburg scheitern, wird die Frage nach dem Coach erneut gestellt - ob BVB-Boss Watzke will oder nicht.

Dass die "Bild-Zeitung" am Freitag in dicken Lettern konstatierte, dass Klopp in Folge der Dauerkrise (selbst im Falle einer Rettung) gehen muss, und schon mögliche Nachfolger wie Thomas Tuchel oder Armin Veh ins Spiel bringt, spricht für die prekäre Situation beim BVB. Klar ist: Für Klopp, der mit Dortmund zweimal Meister und einmal Pokalsieger wurde, tickt die Uhr.

In Freiburg, das in seinem ersten Heimspiel des Jahres Eintracht Frankfurt mit 4:1 aus dem Stadion schoss, steht Klopp denn auch eine erneute Nagelprobe bevor. Die Frage lautet: Wende oder Ende? Klopp, der trotz seiner hohen Eloquenz und seines zur Schau getragenen dicken Fells in den vergangenen Wochen zunehmend gereizter und dünnhäutiger wirkt, will nichts von einer vorzeitigen Trennung und erst recht nichts von Aufgabe wissen: "Ich bin vom Erfolg unserer Mission absolut überzeugt - dementsprechend ist das für mich absolut kein Thema."

Der 47-Jährige weiß aber selbst um die verfahrene Situation und den Druck, der auf ihm und seinem Team lastet. "Wir müssen nun in Freiburg punkten", lautet entsprechend Klopps Forderung. Dass er dabei die Unterstützung der Mannschaft benötigt, in der Stars wie Marco Reus zunehmend gehemmt wirkten, ist dem einstigen Sonnyboy Klopp bewusst: "Ich muss die Spieler wieder in die Spur bringen."

Falls das nicht gelingt, kann auf Dauer wohl selbst Watzke nicht mehr lange seine schützende Hand über Klopp halten: Beim Sportwettenanbieter "bwin" ist der BVB-Trainer nach der Ablösung von Jos Luhukay bei Hertha BSC der Top-Kandidat auf die nächste Trainerentlassung in der 1. Liga.

Nach Freiburg warten der FSV Mainz und der ebenfalls abstiegsgefährdete VfB Stuttgart auf die Borussia. "In den kommenden drei Wochen wird sich entscheiden, welchen Weg sie wirklich gehen", sagte der frühere BVB-Torjäger Robert Lewandowski , der sich seinen Ex-Club in der 2. Liga aber "nicht vorstellen" kann. Doch Ratlosigkeit, Verunsicherung, fehlendes Selbstvertrauen sind überall spürbar - und in dieser Verfassung ist Borussia Dortmund zweifelsfrei auf dem Weg eine Etage tiefer. Der BVB tritt derzeit wie ein Absteiger auf. So bitter das für viele auch ist.