„Weltmeisterlich“ starten

„Weltmeisterlich“ starten

Der Alltag hat die Weltmeister wieder. Zum Auftakt der EM-Qualifikation ist in Dortmund gegen Schottland harte Maloche angesagt. Dazu passt auch der Quartierwechsel. Boateng soll die Abwehr stabilisieren.

Jetzt wird es wieder ernst für die Weltmeister. Der 2:4-Warnschuss gegen Argentinien war sportlich verschmerzbar, im Kampf um die ersten drei Punkte in der EM-Qualifikation wird von den gefeierten Champions um Mario Götze und Thomas Müller gegen die kampfstarken Schotten wieder eine andere Gangart erwartet.

"Die WM ist abgehakt, jetzt hat uns der Alltag wieder, der hat uns schon gegen Argentinien eingeholt", verkündete Torwartcoach Andreas Köpke stellvertretend für seinen Chef Joachim Löw am Freitag in Kamen . Auch Marco Reus formulierte die Ansprüche vor den 90 Minuten am Sonntag (20.45 Uhr/RTL) in seinem Dortmunder Heimstadion deutlich: "Ich denke, dass wir eine andere deutsche Mannschaft erleben werden. Wir müssen spielerisch eine Schippe drauflegen."

Löw setzt klar auf Sieg in Dortmund . "Natürlich heißt das Ziel für uns, diese EM-Qualifikation wieder weltmeisterlich anzugehen und zu bestreiten und uns zu qualifizieren", sagte der 54-Jährige. Dass nach dem Weltmeister-Rausch von Brasilien wieder Arbeit und Demut angesagt sind, verdeutlichte auch die Wahl des neuen Quartiers. Nach vier Nächten in einem Luxushotel am Rhein in Düsseldorf bezogen die Nationalspieler am Freitag ihre etwas bescheideneren Zimmer in der Sportschule Kaiserau in Kamen .

Der Ausfall zahlreicher Topkräfte von Kapitän Bastian Schweinsteiger über Mesut Özil und Sami Khedira bis hin zu Lokalmatador Mats Hummels ändert nichts an der Erwartungshaltung für das erste Gruppenspiel. "Es hilft kein Jammern", mahnte Köpke. "Wir wissen, auch wenn der eine oder andere fehlen wird, dass wir die Stärke und die Qualität haben, Schottland zu schlagen", betonte auch Löw. Der Weltmeister-Coach hat das EM-Finale am 10. Juli 2016 als das "nächste große Ziel" ausgerufen: "Die Reise beginnt schon mit dem Spiel gegen Schottland ."

Gegen die seit sechs Spielen ungeschlagenen Schotten wird Löw eine andere Elf stellen als gegen die starken Argentinier. Vor allem der Münchner Jérôme Boateng soll nach einer leichten Knieentzündung der Abwehr nach vier Gegentoren am vergangenen Mittwoch wieder mehr Halt verleihen. "Jérôme wird zurückkehren. Er ist absolut schmerzfrei", berichtete Köpke. Löw hatte wegen der positiven Entwicklung bei Boateng auch auf die Nachnominierung eines Abwehrspielers wie Holger Badstuber verzichtet und nur den Schalker Offensivmann Sydney Sam dazugeholt. Eine Chance als rechter Verteidiger anstelle von BVB-Profi Kevin Großkreutz könnte dabei der junge Stuttgarter Antonio Rüdiger erhalten. "Er hat Schnelligkeit, er hat gute Lösungen im Eins gegen Eins und im Defensivverhalten", lobte Löw den 21-Jährigen, der nach seinem beherzten Kurzauftritt gegen Argentinien angemerkt hatte: "Ich hoffe, ich konnte dem Trainer in den wenigen Minuten zeigen, was ich kann. Es ist eine große Ehre, an der Seite von Weltmeistern wie Mario Götze oder Thomas Müller zu spielen."