Weltmeister löst Ansturm und Kritik aus

Weltmeister löst Ansturm und Kritik aus

Drei Tage nach seinem Sieg bei der Schach-WM in Chennai wurde Magnus Carlsen offiziell geehrt. Während der Norweger dort tumultartige Szenen auslöste, gab es aus Deutschland Kritik am neuen „seelenlosen“ Titelträger.

Die Schattenseite seines neuen Ruhms bekam Schach-Weltmeister Magnus Carlsen gestern am eigenen Leib zu spüren. Bei der offiziellen Siegerehrung löste der 22-jährige Norweger im indischen Chennai gleich zweimal tumultartige Szenen aus und musste sogar vor aufdringlichen Pressevertretern in Sicherheit gebracht werden. Zudem gab es aus Deutschland erste Kritik am neuen Star: Schach-Ehrenpräsident Robert von Weizsäcker erklärte, Carlsen spiele zwar technisch fehlerfrei, aber "irgendwie uninspiriert, blutlos und fast seelenlos die Partien runter".

Zwar nahmen die norwegischen Medien diese Meldung sofort auf, Carlsen selbst hatte gestern aber erst einmal andere Probleme. "Wir mussten die eifrigsten Journalisten vertreiben", sagte sein Vater Henrik, nachdem er zusammen mit dem Betreuerteam seinen Sohn vor dem Ansturm geschützt hatte. Selbst die norwegischen Pressevertreter, die eine Art Mauer um den 22-Jährigen gebildet hatten, konnten dem Druck ihrer Kollegen nicht standhalten.

Schon am Freitag nach dem entscheidenden Remis zum 6,5:3,5 gegen Titelverteidiger Viswanathan Anand wäre die Situation fast eskaliert. Er habe "Todesangst" gehabt, zitierte das norwegische Boulevardblatt "VG" den zweitjüngsten Weltmeister der Geschichte. Einen großen Bahnhof darf der mit einem Siegerscheck in Höhe von etwa 1,16 Millionen Euro ausgezeichnete Carlsen auch morgen erwarten. Dann kehrt er nach Norwegen zurück.

In Deutschland regte sich dagegen erstmals auch Kritik. Im Deutschlandfunk sagte Robert von Weizsäcker (59), dass Carlsen gewonnen habe, "weil er der bessere Sportler ist". Schachspieler, meinte der älteste Sohn von Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker, gebe es bessere. "Carlsen spielt und spielt und spielt und zwingt den anderen, der über 20 Jahre älter ist, in die vierte und fünfte Stunde. Die Stellung ist im Grunde remis. Aber er spielt weiter und sitzt Anand aus", ergänzte er. Dies nötige ihm nicht den Respekt ab zu sagen, er sei der beste Schachspieler der Welt vom reinen Schachverständnis her. Carlsen dürfte dies ziemlich egal sein.