Weltmeister im Schönreden?

Weltmeister im Schönreden?

Saarbrücken/Shanghai. Um die Weisheit des irischen Dramatikers George Bernhard Shaw (1856 bis 1950) - "Es ist ungeheures Glück, wenn man fähig ist, sich zu freuen" - auszuleben, fehlen Michael Schumacher derzeit Welten. Der siebenmalige Weltmeister hat vor dem vierten Saisonlauf der Formel 1 am Sonntag in Shanghai (9 Uhr live/RTL und Sky) keinen Grund zur Freude

Saarbrücken/Shanghai. Um die Weisheit des irischen Dramatikers George Bernhard Shaw (1856 bis 1950) - "Es ist ungeheures Glück, wenn man fähig ist, sich zu freuen" - auszuleben, fehlen Michael Schumacher derzeit Welten. Der siebenmalige Weltmeister hat vor dem vierten Saisonlauf der Formel 1 am Sonntag in Shanghai (9 Uhr live/RTL und Sky) keinen Grund zur Freude.

Zu dürftig ist seine bisher eingefahrene Ernte. Nach seinem sechsten Platz (acht Punkte) zum Auftakt in Bahrain wurde er als "Schleich-Schumi" verspottet. Nach Rang zehn und einem Pünktchen in Australien wurde er verhöhnt mit dem Titel "Weltmeister im Schönreden". Zuletzt dann der Ausfall in Malaysia - mit diesen Ergebnissen hat der ehemalige Überflieger nach drei Grand Prix in seiner zweiten Karriere nicht gerechnet.

Und kaum einer hat damit gerechnet, dass Schumachers 17 Jahre jüngerer Stallgefährte Nico Rosberg den 91-maligen Grand-Prix-Sieger so fest im Griff hat. 8:1 steht es in den freien Trainingssitzungen, 3:0 in den Qualifikationen für den Wiesbadener vor dem Shanghai-GP. 26 Punkte Rückstand hat Schumacher auf den WM-Fünften Rosberg. Selbst der in Deutschland noch wenig bekannte Adrian Sutil nimmt im Force-India-Boliden mit Mercedes-Motor mit zehn Zählern in der Fahrerwertung einen Rang vor dem Altmeister ein.

Lässt die Statistik den Rückkehrer nach außen noch relativ kalt, so wurmt der neue Status doch gewaltig: Schumacher ist in seinen 17 Formel-1-Jahren erstmals die Nummer zwei im Team. Für Shanghai bleiben seine Wünsche entsprechend bescheiden: "Ein bisschen besser dastehen als zuletzt."

Seine Instinkte, sagt Schumacher, scheinen noch zu funktionieren. Aber er sei kein Magier. Schumacher aber braucht dringend ein vielleicht magisches Erfolgserlebnis. Auch, um den Spott zu erdrücken. Denn es könnten sehr bald echte Zweifel an der Ernsthaftigkeit seiner Rückkehr laut werden. "Diese lebt bisher mehr von den Schatten der Erinnerungen als von den Leistungen der Gegenwart", schrieb in Italien die "Gazzetta dello sport".

Das Denkmal bröckelt. Schonfristen sind in der Formel 1 eben nur von kurzer Dauer. Auch für einen Rekordweltmeister. Und einen Weltkonzern wie Mercedes. Sportchef Norbert Haug verkündet allerdings gebetsmühlenartig: "Wir werden mit Michael noch jede Menge Spaß haben."

Mercedes ist derzeit hinter Red Bull, Ferrari und McLaren nur die Nummer vier - Renault ist fast auf Augenhöhe. Bis zum Europa-Auftakt in Barcelona (7. Mai) will Teamchef Ross Brawn das bemängelte Untersteuern mit einem Rundum-Paket austreiben. Die Rede ist von einer neuen Aerodynamik.

Im aerodynamisch besten Auto sitzt derzeit Sebastian Vettel. Der Kurs in Shanghai soll für den Bullen-Boliden wie maßgeschneidert sein. Kriegen deren Techniker mit Motorenpartner Renault auch die Zuverlässigkeit in den Griff, so dürfte Vettel, der Pechvogel der ersten beiden Rennen, wie zuletzt in Malaysia den Siegerpokal entgegennehmen. Zum Leidwesen von Schumacher.

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