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Weltmeister, Europameister und Olympiasieger bei Rehlinger Pfingstsportfest

Pfingstsportfest in Rehlingen : Ein Hauch von Diamond League

Weltmeister, Europameister und Olympiasieger starten beim 55. Leichtathletik-Pfingstsportfest in Rehlingen an diesem Sonntag.

Das Internationale Leichtathletik-Pfingstsportfest im Rehlinger Bungertstadion ist ein absoluter Höhepunkt im saarländischen Sport-Kalender. Eben weil es dem ausrichtenden LC Rehlingen Jahr für Jahr gelingt, absolute Weltklasse-Athleten ins Saarland zu holen. Auch an diesem Sonntag (Beginn 13.30 Uhr, Hauptprogramm ab 16 Uhr) wird das so sein, wie eine Übersicht über die Top-Disziplinen beweist.

Speerwurf Männer: Im vergangenen Jahr war der Speerwurf der Männer der Wettbewerb schlechthin in Rehlingen. Große Würfe waren angekündigt worden von Weltmeister Johannes Vetter, dem Schützling von Bundestrainer Boris Ober­gföll, und dem Mannheimer Andreas Hofmann. Während Vetter nicht sonderlich gut klarkam, riss Hofmann die Zuschauer im Bungertstadion von den Sitzen und brach mit 91,44 Metern den Uralt-Stadionrekord von Obergföll, den der „Bär aus dem Warndt“ unter seinem früheren Namen Henry vor 21 Jahren mit 89,21 Metern aufgestellt hatte. Kein Wunder, dass Hofmann sich 2019 wieder die Ehre gibt. Seine Form: top, er ist der Weltjahresbeste mit 89,40 Metern. Seine Konkurrenz diesmal: auch top. Vor allem Bernhard Seifert dürfte ihm das Leben schwermachen. Der Potsdamer verbesserte sich in dieser Saison auf starke 89,06 Meter. Von den internationalen Startern ist vor allem Petr Frydrych (Tschechische Republik) zu nennen. Die Bestleistung des WM-Dritten von London 2017 steht bei 88,32 Metern. Insgesamt sind acht Werfer mit Bestleistungen von über 84 Metern am Start.

Stabhochsprung Frauen: Liza Ryzih (ABC Ludwigshafen, früher Zweibrücken) sollte in Rehlingen für Lokalkolorit und hohe Sprünge sorgen, musste aber kurzfristig zurückziehen. Angeführt wird das Feld von Nicole Büchler. Die Schweizerin übersprang in der Halle bereits 4.80 Meter und wurde 2016 Sechste bei Olympia in Rio. Nach einer Babypause greift Büchler nun wieder an und will sich für die WM in Doha qualifizieren. Das will auch Katharina Bauer (Bayer Leverkusen). Die 28-Jährige ist eine Ausnahmeerscheinung im Leichtathletik-Zirkus – sie hat einen Defibrillator implantiert, weil sie seit ihrer Kindheit unter Extra-Herzschlägen leidet. 2014 und 2015 gewann Bauer in Rehlingen – damals noch ohne Defibrillator. Siegchancen haben auch die Weißrussin Iryna Zhuk (Bestleistung 4,67 Meter) und die U23-Vizeeuropameisterin Maryna Kylypko (Ukraine, Bestleistung 4,65 Meter). Der Stadionrekord von 4,65 Metern könnte fallen.

Stabhochsprung Männer: Höher hinausgehen als bei den Frauen wird es bei den Männern. Rehlingen-Stammgast Raphael Holzdeppe (LAZ Zweibrücken), zum achten Mal dabei, trifft im Bungertstadion auf nahezu alle deutschen Spitzenspringer wie Bo Kanda Lita Baehre, Karsten Dilla (beide Bayer Leverkusen), Malte Mohr (TV Wattenscheid) und Vereinskollege Daniel Clemens. Der internationale Tupfer des Feldes dürfte auch der Favorit sein: Der Pole Piotr Lisek siegte 2017 vor Holzdeppe und ist 2019 in der Halle bereits 5,93 Meter gesprungen. Der Vizeweltmeister hat schon sieben Medaillen bei Welt- und Europameisterschaften gewonnen.

400 Meter Frauen: Dass Lokalmatadorin Laura Müller vom LC Rehlingen die Stadionrunde nicht in Angriff nimmt, tut der Qualität des Wettbewerbs keinen Abbruch. Dafür sorgt insbesondere Aminatou Seyni aus dem Niger, die 2018 eine Bestleistung von 50,69 Sekunden aufweisen kann. Ihre stärkste Konkurrentin dürfte die Polin Patrycja Wyciszkiewicz sein, die mit der polnischen 4x400-Meter-Staffel Medaillen am Fließband gewinnt. Die amtierende Europameisterin und Hallen-Vizeweltmeisterin gehörte zur Goldstaffel bei den World Relays auf den Bahamas vor wenigen Wochen und wurde dort in 50,60 Sekunden als Schnellste aller Läuferinnen gelistet. Emily Diamond aus Großbritannien hat eine olympische Bronzemedaille mit der Staffel aus 2016 und eine Bestzeit von 51,23 Sekunden in ihren Meriten stehen. Ebenfalls zu beachten ist die achtmalige niederländische Meisterin Madiea Ghafoor (Bestleistung 51,12 Sekunden).

Diskuswurf Männer: Zu einer echten Olympiarevanche kommt es am Sonntag, wenn die drei Medaillengewinner der Spiele von Rio 2016 in den Diskusring steigen. Olympiasieger Christoph Harting gefiel schon 2018 mit lockerem Auftreten und ordentlichen Würfen. Er trifft auf den Rio-Zweiten Piotr Malachowski, mit 71,48 Metern der fünftbeste Werfer aller Zeiten, und auf Daniel Jasinski (TV Wattenscheid), der in Rio sensationell Dritter wurde und nach längerer Verletzungspause 2018 wieder zu alter Stärke zurückkehrte. Martin Wierig (SC Magdeburg, WM-Vierter von 2013) und David Wrobel (SC Magdeburg) wollen in Rehlingen die deutsche WM-Norm von 65,00 Metern abhaken. Der Österreicher Lukas Weißhaidinger kommt mit guten Erinnerungen an 2018 nach Rehlingen – dort stellte er den Stadionrekord mit 68,98 Metern auf. Der Pole Robert Urbanek, WM-Dritter von 2015, komplettiert das hochkarätige Feld, das durchaus Diamond-League-Niveau hat.

3000 Meter Hindernis Frauen: Gesa Felicitas Krause gehört zu den beliebtesten deutschen Leichtathletinnen, war zwei Mal Europameisterin und gewann 2015 sogar WM-Bronze. In Rehlingen geht die deutsche Rekordhalterin über 3000 Meter Hindernis (9:11,85 Minuten) nicht über ihre Paradestrecke an den Start, sondern über 1500 Meter. Angesichts der bärenstarken Läuferinnen, die Hindernis-Bundestrainer Werner Klein vom LC Rehlingen verpflichtet hat, vielleicht sogar besser so. Mit der Kenianerin Norah Jeruto kommt sogar eine Läuferin, die im vergangenen Jahr mit 8:59,62 Minuten die magische Neun-Minuten-Marke unterbieten konnte. Ihre Landsfrau Daisy Jepkemei, ehemals U20-Weltmeisterin, ist nur unwesentlich schwächer. Dritte im Bunde der Kenianerinnen ist Caroline Tuigong, auch eine frühere U20-Weltmeisterin, die beim Weltrekord von Beatrice Chepkoech in Monaco 2018 (8:44,32 Minuten) die Tempomacherin war. Das Tempo dürfte also schnell werden – was Elena Burkard zugute kommen könnte. Die EM-Sechste von der LG Nordschwarzwald wird versuchen, einen Haken an die Qualifikationsnorm für die WM in Doha zu machen, die bei 9:40,00 Minuten liegt. Mit Jana Sussmann (Lauf Team Haspa Marathon Hamburg) startet eine zweite potenzielle deutsche WM-Kandidatin.

 Christoph Harting, der streitbare Diskuswerfer, ist nach 2018 in diesem Jahr erneut im Bungertstadion zu Gast.
Christoph Harting, der streitbare Diskuswerfer, ist nach 2018 in diesem Jahr erneut im Bungertstadion zu Gast. Foto: dpa/Jesper Zerman
 Speerwerfer Andreas Hofmann durfte 2018 in Rehlingen einen neuen Stadionrekord mit 91,44 Meter bejubeln.
Speerwerfer Andreas Hofmann durfte 2018 in Rehlingen einen neuen Stadionrekord mit 91,44 Meter bejubeln. Foto: Ruppenthal

Hochsprung Männer: Die vielen Zuschauer, die die Hochsprung-Kurve im Bungertstadion bevölkern, dürfen sich auf einen der prägendsten deutschen Leichtathleten der letzten Jahre in dieser Disziplin freuen. Mit Mateusz Przybylko (Bayer Leverkusen) kommt der Europameister. Der 27-Jährige sorgte bei der EM 2018 in Berlin für eine Riesenshow, als er alle aufgelegten Höhen im ersten Versuch übersprang und mit 2,35 Metern Gold holte. Seine Fußprobleme aus der Wintersaison hat Przybylko überwunden – das bewies er eindrucksvoll am Sonntag, als er beim Meeting in Garbsen mit 2,30 Metern die WM-Norm abhaken konnte. Sein härtester Gegner am Sonntag kommt aus der Ukraine. Andriy Prozenko hat seit 2011 in jeder Saison mindestens eine Höhe von 2,30 Metern übersprungen. Mit seiner Bestleistung von 2,40 Metern aus 2014 ist der Olympia-Vierte von Rio 2016 siebtbester Hochspringer aller Zeiten. Anfang März wurde Prozenko Hallen-Vizeeuropameister. Mit dem Polen Sylwester Bednarek (Bestleistung 2,33 Meter), Pavel Seliverstau (Weißrussland, 2,32 Meter), Alperen Acet (Türkei, 2,30 Meter) und Tom Gale (Großbritannien, 2,30 Meter) sind vier weitere 2,30-Meter-Springer am Start.