Weltmeister auf dem Abstellgleis

Saarbrücken · Der Deutsche Handball-Bund trennt sich zum Jahresende nach fünfeinhalb Jahren von Christian Schwarzer und begründet dies mit einer internen Umstrukturierung. Dem Handballverband Saar bleibt der Niederwürzbacher aber erhalten.

Im sechsten und letzten Absatz einer Mitteilung des Deutschen Handball-Bundes (DHB) steckt eine Nachricht, die Aufsehen erregt, aber fast unentdeckt geblieben wäre: Christian Schwarzer scheidet zum Ende des Jahres aus dem Trainerteam des DHB aus. Schon seit 1. Oktober ist er nicht mehr Jugendkoordinator des Verbandes. Ein Weltmeister auf dem Abstellgleis.

2009 hatte Schwarzer, damals in Diensten der Rhein-Neckar Löwen, seine erfolgreiche Karriere als Spieler beendet - als Weltmeister (2007), Europameister (2004) und Champions-League-Sieger (2000 mit dem FC Barcelona ). Direkt im Anschluss, am 1. Juli 2009, war er zum DHB gewechselt - als Jugendkoordinator und Trainer im Nachwuchsbereich. "Es war eine super Zeit. Ich hätte mir gewünscht, dass sie länger geht. Die Arbeit mit den Jugendlichen macht mir sehr viel Spaß. Aber dies war nicht meine Entscheidung", sagt der Niederwürzbacher, der sich nicht weiter dazu äußern will.

Als Grund für die Trennung nennt der DHB eine Umstrukturierung . Der Jugendkoordinator ist nun zugleich Leiter des neuen DHB-Trainercenters, um die Trainerausbildung in Deutschland zu verbessern. Auf das Anforderungsprofil, das der DHB erstellte (Sportwissenschaftler oder Diplomsportlehrer), passte der ehemalige Weltklasse-Kreisläufer Schwarzer, ausgebildeter Reiseverkehrskaufmann, nicht. Dafür aber Jochen Beppler, Schwarzers bisheriger Co-Trainer bei der A-Jugend. "Als Blacky beim DHB angefangen hatte, wurde er in die Trainertätigkeit neu reingeworfen. Er hat in letzter Zeit sehr gute Fortschritte als Trainer gemacht. Es hätte keinen Grund für die Trennung gegeben, wenn es die Einführung des Trainercenters nicht gegeben hätte", sagt Wolfgang Sommerfeld, Sportdirektor des Deutschen Handball-Bundes.

Dass ein sich offenbar hervorragend entwickelnder Trainer Opfer einer verbesserten Trainerausbildung des Verbandes wird, nennt Sommerfeld "die Quadratur des Kreises". Mit Nachfolger Beppler, der die A-Jugend ab sofort anstelle Schwarzers verantwortlich betreut, habe es "keinen Rückschritt in der Trainerqualität", gegeben. Und ein Trainer-Job beim DHB sei schließlich auch "kein Ausbildungsberuf".

Mit dem Wegfall des Teilbereichs Jugendkoordination sei für Schwarzer keine hauptamtliche Stelle mehr verfügbar, und eine nebenberufliche Tätigkeit als hauptverantwortlicher Trainer im Nachwuchsbereich sei nicht möglich, sagt Sportdirektor Sommerfeld. "Für das Angebot, in beratender Funktion bei der A-Jugend dabei zu sein oder Markus Baur bei den Junioren zu unterstützen, haben wir kein Einvernehmen erzielt. Ich bedauere das", sagt Sommerfeld: "Ich habe Blacky zugesagt, mich für ihn einzusetzen. Wir sind interessiert, ihn in zwei Jahren wieder zu beschäftigen." Dann, wenn diverse befristete Verträge beim DHB enden, unter anderem für das neue Trainercenter des Verbandes.

Ob Schwarzer dann überhaupt noch Interesse am DHB hat, wird sich zeigen. "Ich lasse jetzt erstmal alles auf mich zukommen", sagt der 46-Jährige, der noch Markenbotschafter für die Firma Fitline ist, die Nahrungsergänzungsmittel vertreibt und offizieller Partner verschiedener Sportverbände in Deutschland ist (Eishockey, Ski). Und: Schwarzer betont, dass es "im Saarland auf jeden Fall weitergeht". Auch beim Handballverband Saar ist er seit 1. Juli 2009 Jugendkoordinator - und will sich nach "sehr guten Gesprächen mit Präsident Eugen Roth " in Zukunft "stärker in der täglichen Trainingsarbeit" einbringen, als das bisher möglich war. Landestrainer Dirk Mathis freut sich: "Die Arbeit mit Blacky macht sehr viel Spaß. Wir können uns glücklich schätzen, jemanden wie ihn hier zu haben."

Von 23. bis 26. November wird Schwarzer seinen letzten Lehrgang beim DHB leiten und Talente des Jahrgangs 1999 sichten. Beim traditionellen Sparkassen-Cup in Merzig zwischen Weihnachten und Neujahr wird Schwarzer ebenfalls vor Ort sein - allerdings in "neutraler Position", wie er es formuliert. "Mein Vertrag läuft bis 31. Dezember, so lange stelle ich meine Arbeitskraft dem DHB zur Verfügung", sagt Schwarzer. In der Thielsparkhalle wird er Landestrainer Mathis stärker unter die Arme greifen - während sein Nachfolger Beppler die deutsche Nationalmannschaft betreut.

Meinung:
DHB gibt schwaches Bild ab

Von SZ-Redakteur Kai Klankert

Die Art und Weise, wie der Deutsche Handball-Bund die Trennung von Christian Schwarzer zum Jahresende kommuniziert hat und argumentiert, legt den Verdacht nahe, dass hier nicht alles sauber gelaufen ist.

Wenn der DHB Schwarzer hätte behalten wollen, wäre eine Lösung sicher möglich gewesen. Vielleicht aber war die Umstrukturierung auch eine gute Gelegenheit, ihn loszuwerden. Das ist Spekulation und wird es bleiben, weil Schwarzer niemand ist, der dreckige Wäsche wäscht.

Aber selbst wenn der DHB zu der Ansicht gekommen sein sollte, dass Schwarzer nicht mehr die optimale Besetzung ist - egal ob als Jugendkoordinator oder Nachwuchstrainer, so hat er als Weltmeister , Europameister und 318-facher Nationalspieler einen anderen Abschied verdient, als eine Randnotiz zu sein in einer Mitteilung über seinen Nachfolger. Das erweckt den Eindruck, dass der DHB die Trennung heimlich, still, leise und möglichst ohne Nachfragen hinter sich bringen will.

Leider bestätigt sich auch in diesem Punkt das schwache Bild, das die zerstrittene Führung des Verbandes in den vergangenen Wochen und Monaten abgibt.

Zum Thema:

Bei der 29. Auflage des Handball-Topturniers für A-Jugend-Nationalmannschaften in Merzig gehen in diesem Jahr vom 27. bis 29. Dezember die Schweiz, Russland, Rumänien, Island, Polen, die Niederlande, die deutsche Nationalmannschaft sowie die Auswahl des Handballverbandes Saar als Ausrichter an den Start. Das deutsche Team wird dann nicht mehr wie in den Vorjahren von Christian Schwarzer , sondern von Jochen Beppler betreut. Alle Infos zum Turnier gibt es im Internet unter www.sparkassencup-merzig.de ros/red

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