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Olympische Winterspiele in Südkorea
Wellinger führt das Team zum silbernen Abschluss

Pyeongchang. Deutsche Skispringer werden bei den Olympischen Spielen in Südkorea Zweite im Team-Wettbewerb von der Großschanze.

Andreas Wellinger stürmte strahlend auf seine Teamkollegen zu, in einer wilden Jubeltraube tobten die vier Adler des Deutschen Skiverbandes (DSV) durch den Schnee: Angeführt von ihrem Überflieger haben die deutschen Skisprung-Asse für einen silbernen Abschluss der großen Schanzen-Party von Pyeong­chang gesorgt. Mit Platz zwei in einem Mannschafts-Krimi hinter Norwegen wurde Wellinger nach Gold und Silber im Einzel zum erfolgreichsten Springer der Olympischen Winterspiele in Südkorea.


Der 22 Jahre alte Wellinger war einmal mehr der Mann des Abends: Dank seines starken letzten Sprungs auf 134,5 Meter zog das deutsche Quartett mit 1075,7 Punkten gerade noch an Polen (1072,4) mit Superstar Kamil Stoch vorbei auf Rang zwei. „Nach meinem Sprung hätte ich nicht gedacht, dass es sich noch ausgeht. Das ist der Hammer. Hätte mir einer gesagt, dass ich mit drei Medaillen nach Hause fahre, hätte ich gesagt: ,Ein schöner Traum’“, sagte Wellinger.

Zum Gold-Coup wie vier Jahre zuvor in Sotschi fehlten Wellinger, Richard Freitag, Karl Geiger und Stefan Leyhe umgerechnet zwölf Meter. Dennoch durfte sich das Quartett über die vierte deutsche Schanzen-Medaille der Winterspiele freuen. „Als Kamil vor der grünen Linie gelandet ist, ging die Freude richtig los“, sagte der überraschend in die Mannschaft berufene Leyhe. Wellinger, der als einziger aus dem Siegerquartett von 2014 verblieben war, gewann als erster deutscher Skispringer dreimal Edelmetall bei einer Olympia-Ausgabe. Für Freitag, Geiger und Leyhe war es das erste Olympia-Edelmetall überhaupt.



Bundestrainer Werner Schuster hatte mit seiner Aufstellung für eine kleine Überraschung gesorgt: Leyhe, in beiden Einzeln noch Zuschauer, erhielt den Vorzug gegenüber Markus Eisenbichler. „Stephan wirkt sehr stabil, er hat sich förmlich aufgedrängt. Markus Eisenbichler ist der größere Name, aber er hat sein Potenzial nicht abgerufen“, sagte Schuster. Der WM-Dritte Eisenbichler hatte seit Februar 2016 in allen 13 Teamspringen zum deutschen Aufgebot gehört.

Zunächst aber war es Geiger, der für einen Paukenschlag sorgte. Der Oberstdorfer begann den Wettkampf mit einem starken Sprung auf 136,0 Meter und brachte das DSV-Team auf Rang zwei. „Der erste Schritt ist gemacht, jetzt fehlen noch sieben“, sagte er. Leyhe (128,0 Meter) verlor zunächst etwas Boden auf die führenden Norweger, Freitag (134,5) und vor allem Wellinger (140,0) verkürzten den Rückstand aber wieder. Nach dem ersten Durchgang lag das DSV-Quartett umgerechnet nur einen Meter hinter Norwegen – und nur einen vor Polen.

Nach den zweiten Sprüngen von Geiger (134,0) und Leyhe (129,0) fiel das DSV-Team erstmals auf den dritten Rang zurück, während Norwegen enteilte. Freitag (134,5), 2014 nach schwachen Einzel-Ergebnissen nicht für das Team nominiert, blieb aber an den Polen dran. Im letzten Duell machten somit die beiden Einzel-Olympiasieger das Duell um Silber und Bronze unter sich aus. Wellinger und Stoch sprangen beide auf 134,5 Meter, Wellinger bekam mehr Punkte und führte sein Team auf die Silber-Position.

Schusters Olympia-Ziele erreichte das DSV-Team mit dem gelungenen Ende locker. Eine Medaille im Einzel und eine im Team hatte der Bundestrainer gefordert, in Südkorea wurden die Erwartungen übertroffen. Weil der Rückflug erst für Donnerstag gebucht ist, bleibt sogar noch ein wenig Zeit zum Feiern – vor allem für Wellinger, den Schanzen-König von Pyeongchang.