Wellbrock siegt sich zum WM-Favoriten

Schwimmen : Wellbrock siegt sich zum WM-Favoriten

Der Traum des Schwimmers lebt, bei Olympia 2020 im Becken und im Freiwasser Medaillen zu gewinnen.

Florian Wellbrock ist kein Mann der vielen Worte. „Dritter Weltcup, drittes Gold – Danke Doha“, schrieb Deutschlands Vorschwimmer auf seiner Instagram-Seite. Durch seinen Sieg am vergangenen Wochenende im Persischen Golf über 10 Kilometer baute Wellbrock aber nicht nur seine makellose Weltcup-Bilanz im Freiwasser aus. Der doppelte Wellbrock bei Olympia wurde dadurch auch ein gutes Stück wahrscheinlicher.

Der 1500-Meter-Europameister will 2020 in Tokio sowohl im Becken als auch im Freiwasser eine Medaille gewinnen – doch vor dem Erfolg steht die Qualifikation. Zehn sichere Olympia-Startplätze im Open Water werden bei der WM im Juli in Gwangju/Südkorea vergeben, und dafür hat sich Wellbrock durch seinen Sieg in Doha endgültig qualifiziert. Und nicht nur das: Er ist in eine Favoritenrolle geschwommen.

25 Meter vor dem Ziel erkannte der 21-Jährige seine Chance und entwischte mit einem taktisch cleveren Finale dem Ungarn Kristof Rasovsky. Auch Italiens Langstrecken-Star Gregorio Paltrinieri hatte als Vierter das Nachsehen. „Ich musste mir bei der Nationalhymne schon die Tränen ein bisschen verkneifen“, sagte Wellbrock.

Viel Zeit, den Höhenflug zu begreifen und zu genießen, bleibt ihm nicht. Nach der Rückkehr aus Doha stehen für den angehenden Immobilienkaufmann wichtige Klausuren auf dem Plan. Danach geht es gemeinsam mit Freundin Sarah Köhler, Vize-Europameisterin über 1500 Meter, ins Höhentrainingslager in die Sierra Nevada/Spanien. Dort wollen sich beide für die WM-Qualifikation im Becken in Form bringen. Bei den Meetings in Stockholm (Schweden) und Bergen (Norwegen) im April wollen sie die Normzeiten schwimmen, die nach der deutlichen Entschärfung in diesem Jahr für Wellbrock und Köhler kein Problem darstellen.

Auch die Trainingsausfälle im Dezember und Januar aufgrund von Erkrankungen scheinen Wellbrock nicht aufhalten zu können. „Ihm fehlen jetzt etwa 350 Kilometer in der Saisonvorbereitung. Für einen Langstreckler ist das schon einiges. Deshalb wird es nun auf ein gutes Höhentrainingslager ankommen“, sagte Bernd Berkhahn, der Wellbrock in Magdeburg nicht nur als Heimtrainer, sondern nach seiner Beförderung seit Anfang Februar auch als Bundestrainer betreut.

Der zurückgetretene Bundestrainer Henning Lambertz war kein großer Freund des „doppelten Wellbrock“, er wollte den Freistilschwimmer bei Olympia lieber nur im Becken sehen. Auch Freiwasser-Bundestrainer Stefan Lurz sieht den Athleten am liebsten nur in seiner Disziplin. Für Berkhahn ist der Doppelstart kein Problem: „Wenn es über zehn Kilometer geht, sind die ersten acht für ihn wie ein Spaziergang. Und am Ende ist es dann nicht anders als ein 1500-Meter-Lauf.“

Der Saarbrücker Andreas Waschburger hat derzeit andere Sorgen. Seine angestrebte WM-Teilnahme ist noch offen. Nach den Rennen in Abu Dhabi und Doha steht es unentschieden zwischen ihm und Rob Muffels. Somit wird der zweite deutsche Startplatz neben Wellbrock aller Voraussicht nach bei einem dritten Rennen vergeben – am 12. Mai auf den Seychellen.

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