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Weit entfernt von der Form eines Titelanwärters

Växjö. Nach der historischen Niederlage gegen Norwegen (0:1) müssen die deutschen Fußballerinnen schnell den Hebel umlegen, sonst droht im EM-Viertelfinale am Sonntag gegen Italien das Aus. Dessen sind sich alle Beteiligten bewusst. sid

Als die schwer angezählten deutschen Fußballerinnen gestern Nachmittag im Elite Park Hotel in Växjö ankamen, hatte Silvia Neid ihrer einstigen Elite-Truppe die Klasse bereits abgesprochen. "Wer unser Spiel beobachtet hat, der denkt bestimmt, dass man gegen die gewinnen kann und dass man vor denen keine Angst haben muss", sagte die Bundestrainerin, die nach der historischen EM-Pleite gegen Norwegen hart mit ihren Schützlingen ins Gericht ging. Selbst Neid weiß nicht genau, ob sich ihr Team von dem 0:1 (0:0) bis zum Viertelfinale an diesem Sonntag gegen Italien (18 Uhr/ARD) erholen wird.

"Ich habe auch Fragen an die Spielerinnen", sagte die Bundestrainerin im Anschluss an die erste EM-Niederlage seit mehr als 20 Jahren und 28 Spielen ohne Niederlage in Folge. Die 49-Jährige, die um 13.30 Uhr mit der Mannschaft auf die eineinhalb Stunden dauernde Busfahrt vom zweiten EM-Quartier in Färjestaden zurück in die erste Endrunden-Unterkunft gegangen war, sieht nun das Team in der Pflicht: "Aufbauen müssen sich die Spielerinnen schon selbst. Wir sind bei einer EM, da muss man alles schnell abhaken. Da muss man im Viertelfinale in der richtigen Verfassung sein - mental und körperlich."

In keiner guten Verfassung präsentierten sich die Titelverteidigerinnen, die schon zuvor für die Runde der besten Acht qualifiziert gewesen waren, im abschließenden Vorrundenspiel gegen eine norwegische B-Elf. Auch ohne sechs Stammkräfte ließen die Norwegerinnen die stark verjüngte (23,5 Jahre im Durchschnitt) deutsche Mannschaft ganz alt aussehen. Vor 10 346 Zuschauern sorgte Ingvild Isaksen mit ihrem Tor (45.+1) dafür, dass das DFB-Team erstmals seit 16 Jahren eine EM-Vorrunde nicht als Gruppensieger beendete.

In dieser Form kann die runderneuerte Mannschaft Neids keine Ansprüche auf den sechsten EM-Triumph in Folge und den achten insgesamt anmelden. Das sehen die Spielerinnen im Übrigen genauso. "Wenn wir uns noch mal so präsentieren, sind wir raus", sagte Spielführerin Nadine Angerer. Innenverteidigerin Annike Krahn wurde noch deutlicher. "Unser Spiel war scheiße - auf Deutsch gesagt." Immerhin kann Neid im Spiel gegen die Squadra Azzurra wieder auf die am Mittwoch fehlenden Stammkräfte Jennifer Cramer (Gelbsperre) und Lena Goeßling (grippaler Infekt) zurückgreifen.