Wehrlein „brennt“ auf den Einsatz

Wehrlein „brennt“ auf den Einsatz

Der deutsche Pilot kehrt nach seinem Unfall in die Formel 1 zurück. Vor dem Großen Preis von Bahrain brennt der Worndorfer auf seinen ersten Einsatz im Sauber-Boliden.

Die Nachricht, auf die der junge Mann aus Worndorf wochenlang gewartet hatte, bekamen die Formel-1-Fans unter der Woche in 140 Zeichen präsentiert: "Wir freuen uns, mitteilen zu können, dass Pascal Wehrlein beim Grand Prix in Bahrain wieder im Auto sitzen wird", schrieb Wehrleins Sauber-Rennstall beim Kurznachrichtendienst Twitter.

Der 22-Jährige, der vor der Saison beinahe als Teamkollege des dreimaligen Champions Lewis Hamilton im Silberpfeil gelandet wäre, hatte die ersten beiden WM-Läufe in Australien und zuletzt in China wegen Trainingsrückstandes nach seinem Unfall beim sportlich unbedeutenden "Race of Champions" im Januar verpasst. In Miami war der frühere Manor-Pilot mit seinem Fahrzeug in die Streckenbegrenzung gekracht. Nach dem Event in Florida habe er sich viele Wochen "kaum rühren können und in einem Korsett verbracht", sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff über den Silberpfeil-Zögling.

Ungeduldig kündigte Wehrlein im Interview nun an: "Ich brenne auf den Einsatz." Die Wartezeit bis zu seiner Rückkehr in Bahrain an diesem Sonntag (17 Uhr/RTL), seinem ersten Rennen für Sauber, vertrieb er sich im Kraftraum, zuletzt bei einem Spezialtraining in Salzburg. "Durch den Überschlag wurde der Rücken extrem gestaucht, und es gab drei kleine Haarrisse im Bereich der Brustwirbel", sagte Wehrlein über die Art seiner Verletzung: "Ein Normalbürger hätte nach ein paar Tagen seinen Job wieder aufnehmen können. Aber bei einem Leistungssportler ist das nicht der Fall." Das Wichtigste sei für ihn gewesen, "dass ich sehr hart und intensiv trainieren kann, um meine Leistung so schnell wie möglich hundertprozentig abrufen zu können", erläuterte Wehrlein.

Obwohl er bereits bei den Testfahrten in Barcelona im Auto gesessen hatte, fühlte sich Wehrlein für eine komplette Renndistanz mit den neuen und schnelleren Autos allerdings noch nicht fit genug. "Das Problem ist, dass die Formel 1 nicht so funktioniert wie Fußball. Wenn ein Fußballprofi nach einer Verletzung wieder zurück im Kader ist, kann man ihn im Spiel ein- oder auswechseln und so langsam aufbauen", sagte Wehrlein, der im Auto enormen Fliehkräften ausgesetzt ist: "Das aber ist in der Formel 1 nicht möglich. Da geht tatsächlich nur ganz oder gar nicht."

In den ersten beiden Rennen war Wehrlein von Antonio Giovinazzi ersetzt worden. Der Italiener aus der Ferrari-Schmiede konnte aber nur in Australien mit Platz zwölf Werbung in eigener Sache machen, in China leistete er sich zwei spektakuläre Unfälle - in der Qualifikation und im Rennen.

Der Fall Wehrlein war zuletzt zu einem richtigen Formel-1-Politikum geworden. Mercedes-Motosportchef Toto Wolff war deshalb sogar "der Kragen geplatzt", weil "Verschwörungstheorien aufgekommen" seien, die besagten, Ferrari habe ein Interesse daran, dass Giovinazzi im Sauber bleibe, und dass Wehrlein "eine Prinzessin" sei, "die nicht im Auto sitzen will. All das ist nicht der Fall. Es war eine sehr schwerwiegende Verletzung, die wir nicht breittreten wollten. Aber jetzt ist die Zeit, es zu sagen - damit die Leute Ruhe geben." Zudem ist Wehrlein ja jetzt wieder zurück.