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Fußball-Nationalmannschaft
Wechselgerüchte interessieren Boateng nicht

Der deutsche Innenverteidiger Jérôme Boateng will losgelassen werden. Er will die WM spielen, Weltmeister werden. Zu den Wechselgerüchten in der Heimat will er sich nicht äußern.
Der deutsche Innenverteidiger Jérôme Boateng will losgelassen werden. Er will die WM spielen, Weltmeister werden. Zu den Wechselgerüchten in der Heimat will er sich nicht äußern. FOTO: dpa / Ina Fassbender
Watutinki. Der Innenverteidiger will sich zur angeblichen Freigabe des FC Bayern nicht äußern. Der Fokus gilt der WM – auch bei Toni Kroos.

 Jérôme Boateng hat sich in diesen Tagen für die Frisur im Josephine-Baker-Look entschieden. Das Haar klebt glänzend am Kopf, dazu trägt der deutsche Nationalverteidiger eine Goldrandbrille. Und er verbreitet vor dem WM-Auftakt gegen Mexiko an diesem Sonntag (17 Uhr/ZDF) gute Laune im Boateng-Modus. Das geht so: „Wir fühlen uns wohl und freuen uns, dass es losgeht.“ Punkt. Zur Plaudertasche wird der lange Kerl aus Berlin mit dem imposanten Körper in diesem Leben nicht mehr.


Immerhin findet er sich aber bereit, die Lehren aus den zurückliegenden, nicht gerade überzeugenden Testspielen öffentlich zu verbreiten. „Wir wissen, dass da einiges gefehlt hat – an Gier und an Feuer“, sagt er: „Aber Freundschaftsspiele sind etwas anderes als WM-Spiele. Es ist von Vorteil, dass wir auf einen starken Gegner treffen.“ Das sei bereits im Training zu erkennen. „Da muss es dann auch mal knallen“, findet Boateng. Und er sieht so aus, als werde er maßgeblich daran mitarbeiten, dass es auf dem Trainingsplatz ein wenig munterer zur Sache geht.

Toni Kroos wird das wahrscheinlich nicht erschüttern. Ihn erschüttert ohnehin wenig. Er bringt seine Auftritte auf der Medienbühne ähnlich unaufgeregt hinter sich wie die Aufgaben auf dem Rasen. Und er beruhigt aufgeregte Gemüter, die nach zittrigen Testspielen eine problematische WM erwarten. „Wir wissen, dass wir eine Schippe drauflegen müssen“, sagt Kroos: „Aber wir haben oft genug bewiesen, dass wir dazu in der Lage sind.“

Damit die Basis für so eine Leistungssteigerung stimmt, hat Kroos vor ein paar Monaten mal ganz vorsichtig den mahnenden Zeigefinger gehoben. Nach dem 0:1 im Freundschaftsspiel gegen Brasilien in Berlin nahm er sich vor allem Spieler aus der zweiten Reihe öffentlich zur Brust. Wer Ansprüche stelle, müsse auch Leistung zeigen, murrte der Weltmeister. Heute will er das „nicht als grundsätzliche Kritik“ verstanden wissen. Es sei eher als Ermahnung zur richtigen Einstellung gemeint gewesen, sagt er. Und in dieser Hinsicht habe er schon lange keine Bedenken mehr. „Ich bin überzeugt davon, dass es während der WM überhaupt nichts an der Einstellung zu kritisieren gibt“, urteilt der Mann aus dem Maschinenraum des deutschen Spiels. Dazu lächelt er gewinnend in die Runde. Er macht sich keine Sorgen. Wie Boateng lobt er die Qualitäten der Mexikaner. Und genau wie der Kollege aus der Innenverteidigung glaubt er, dass ein starker Gegner die besseren Seiten des deutschen Fußballs zum Vorschein bringen wird.

Beide wissen aus gemeinsamer Erfahrung bei den großen Turnieren, dass ein erfolgreiches erstes Spiel Flügel verleihen kann. Und weil gute Leistungen wesentlich leichter fallen, wenn nicht allzu viel Beschwerendes den Alltag trübt, beschwören sie geradezu den guten Geist. „Ich glaube, dass die Stimmung grundsätzlich gut ist“, versichert Kroos allem Tamtam um die Foto-Affäre der Kollegen Mesut Özil und Ilkay Gündogan zum Trotz. In der Mannschaft, das behauptet jedenfalls Kroos, sei die Geschichte „kein Thema mehr“. Und dann sagt er noch: „Die Aktion kann man verurteilen, das tun auch manche. Aber wir sind hier, um Fußball zu spielen.“ Das kurzfristige Ziel sei, „jeden so hinzukriegen“, dass vernünftig gespielt werden kann. Das, erklärt Kroos, schließe Özil und Gündogan mit ein. Und auf diese Weise ist er eben auch im diplomatischen Dienst des DFB unterwegs.



Boateng beschäftigt sich längst nur noch mit den großen Zielen. Wechselgerüchte nach der angeblichen Freigabe durch Bayern München – kommuniziert am Vortag durch Vereins-Chef Karl-Heinz Rummenigge – will er nicht kommentieren: „Ich bin bei der Nationalmannschaft. Alles andere interessiert mich nicht. Und das sage ich hier nur einmal.“ Er sagt es leise in seinem sanften Tonfall. Aber es hört sich trotzdem wie eine Warnung an. Er lächelt auch nicht, als er sich zurücklehnt auf seinem Sessel und die Arme abwehrbereit vor der mächtigen Brust verschränkt.