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Freiwasser-Weltcup in Abu Dhabi
„Waschi“ fühlt sich fitter als vor der EM

Freiwasserschwimmer Andreas Waschburger startet gut gelaunt und optimistisch zum Weltcup nach Abu Dhabi. Sportlich ist er verdammt wichtig. Es geht bereits um die Qualifikation für die WM 2019.
Freiwasserschwimmer Andreas Waschburger startet gut gelaunt und optimistisch zum Weltcup nach Abu Dhabi. Sportlich ist er verdammt wichtig. Es geht bereits um die Qualifikation für die WM 2019. FOTO: Oliver Dietze
Saarbrücken. Saarländische Freiwasserschwimmer Waschburger und Bosslet starten beim Weltcup in Abu Dhabi, Teil eins der WM-Qualifikation. Von Stefan Regel
Stefan Regel

Nach der EM ist vor der WM. Und auch vor Olympia. Für Freiwasserschwimmer Andreas Waschburger aus Saarbrücken steht drei Monate nach den Europameisterschaften am Loch Lomond in Schottland der letzte Saison-Höhepunkt seines Jahres an. Beim Weltcup-Rennen in Abu Dhabi steigt der 31-Jährige an diesem Freitag morgens um 8 Uhr Ortszeit (5 Uhr deutscher Zeit) ins Wasser des Persischen Golfs. Hohe Wellen drohen den Sportlern über die 10 Kilometer aber eher nicht, weil in einer Bucht geschwommen wird.


„Mein Hauptziel ist, unter die zwei besten Deutschen zu kommen“, sagt „Waschi“ und erklärt die Wichtigkeit des Wettkampfs: „Abu Dhabi ist der erste Teil der WM-Qualifikation. Die Zeiten werden mit dem zweiten Weltcup in Doha addiert.“ Der Wettkampf in Doha dürfte im März stattfinden, er ist noch nicht endgültig terminiert. Der dritte Weltcup auf den Seychellen wurde von Bundestrainer Stefan Lurz für die interne WM-Quali gestrichen.

„Abu Dhabi ist quasi der erste Schritt zu Olympia“, ergänzt Waschburger. Die ersten Zehn der WM im Juli 2019 in Südkorea sind nämlich auch für die Sommerspiele 2020 in der japanischen Hauptstadt Tokio qualifiziert. Und zur WM dürfen pro Strecke nur zwei deutsche Freiwasserschwimmer.



Waschburger stieg am Dienstag optimistisch ins Flugzeug: „Wenn ich es vergleiche, dann fühle ich mich viel fitter als vor der EM.“ Nach den Wettkämpfen in Schottland Mitte August blieb der Polizeikommissar diesmal von Krankheiten und Erkältungen verschont. „Ein paar Mal war es aber knapp“, sagt Waschburger und grinst. Vor Schottland hatte ihn eine heftige Magen-Darm-Erkrankung mitten in der Vorbereitung gestoppt. Im Loch Lomond kam er über die zehn Kilometer auf Rang 20 und über 25 Kilometer auf Platz neun.

Der Weltcup am Freitag in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate ist top besetzt. Am Start ist auch Florian Wellbrock, der Europameister über 1500 Meter Freistil stellte gerade vor fünf Tagen in Norwegen in 14:29,27 Minuten eine neue Weltjahresbestzeit über diese Strecke auf. Neben Wellbrock, der im Becken wie im Freiwasser schwimmt, gilt es für Waschburger, seinen erfahrenen Dauer-Konkurrenten Rob Muffels, Sören Meißner, Marcus Herwig und Christian Reichert hinter sich zu lassen.

Vorbereitet hatte sich der Saarbrücker wieder fünf Wochen lang im südfranzösischen Montpellier bei Star-Trainer Philippe Lucas, erst am vergangenen Wochenende war er wieder im Saarland zurück. In Abu Dhabi geht es schon früh morgens ins Wasser, die Wettervorhersage verspricht für Freitag den Tagestiefstwert von 26 Grad, ehe sich die Luft tagsüber auf über 30 Grad erhitzt. Dass die Organisatoren versuchen, der großen Hitze aus dem Weg zu gehen, hat auch einen tragischen Hintergrund. 2010 war der US-Amerikaner Fran Crippen beim Weltcup in Fudschaira (Vereinigte Arabische Emirate) ums Leben gekommen.

„Ich hab ihm noch vor dem Rennen an der Startleine die Hand gegeben“, erinnert sich Waschburger. Taucher fanden Crippen zwei Stunden nach Rennende an einer Wendeboje, im Krankenhaus konnten die Ärzte nur noch seinen Tod feststellen. Die Todesursache war möglicherweise Herz-Kreislaufversagen durch die große Hitze. Nach dem Wettbewerb mussten damals mehrere andere Schwimmer wegen Überhitzung behandelt werden.

Für die Freiwasserschwimmer gilt es also, wie Waschburger zeitig anzureisen und sich auf die Temperaturen vorzubereiten. Das gilt auch für Sarah Bosslet von den Schwimmfreunden St. Ingbert. Auch sie will sich für die WM qualifizieren. Und auch sie trainiert jetzt bei Lucas in Montpellier, wo sie im Training sogar die in Saargemünd geborene Ex-Weltmeisterin Aurélie Muller schlug. Die 25-jährige Bosslet hat mit Finnia Wunram und Leonie Beck aber ganz harte Konkurrenz im eigenen Lager – wie Kollege Waschburger. „Sie ist gut drauf, ich bin gespannt“, sagt dieser. Neben den beiden ist übrigens noch ein dritter Saarländer mit nach Abu Dhabi gereist. Physiotherapeut Sebastian Adt, der eine Praxis in Dudweiler hat, soll die deutschen Sportler noch fitter machen. Die Frauen starten in Abu Dhabi nur wenige Minuten nach den Männern. Denn auch bei ihnen gilt: Nach der EM ist vor der WM.