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Waschburger denkt noch nicht an Karriereende

Schwimmen : „Waschi“ denkt noch nicht ans Karriereende

Saarbrücker Freiwasserschwimmer will seine Laufbahn auch nach der Coronakrise fortsetzen. Training ist derzeit nicht möglich.

Das gab es noch nie. Diesen Satz hat in der aktuellen Coronavirus-Krise sicher schon jeder gesagt. Als Andreas Waschburger ihn ausspricht, meint er nicht nur die Gesamtlage, sondern auch seine Zwangspause. „Es ging alles sehr schnell“, erzählt der saarländische Spitzenschwimmer: „Am Montag vor zwei Wochen hatten wir noch trainiert. Dabei gab es die Regelung, dass nur vier Schwimmer plus Trainer in die Halle dürfen. Und am Dienstag war die Halle schon dicht.“

Während die Kollegen in den Olympiastützpunkten Magdeburg, Hamburg oder Berlin mit einer Ausnahmegenehmigung weitertrainieren können, ruht an der Saarbrücker Hermann-Neuberger-Sportschule der Betrieb. Auch in der Albert-Wagner-Schwimmhalle. Auch in den Krafträumen. „Ich verstehe natürlich den Ernst der Lage, aber es wäre schön gewesen, wenn wenigstens die Top-Athleten trainieren dürften“, sagt Waschburger, der Olympia-Teilnehmer von 2012: „Sechs Wochen ohne Schwimmen, das gab es noch nie bei mir.“

Waschburger kommt im Training auf 3500 bis 4000 geschwommene Kilometer pro Jahr. Und er hofft auf Lockerungen der aktuellen Bestimmungen spätestens ab dem 20. April. Die bisher längste Schwimmpause des 33-Jährigen dauerte drei Wochen – nach Olympia 2012 in London. Schon bei den normalen zwei, drei Wochen Trainingspause nach einem Saisonhöhepunkt brauche es Monate, um wieder auf den Stand von vorher zu kommen.

Der Ausnahmezustand, eine Welt, die auf dem Kopf zu stehen scheint, da gibt der Sport Halt. „Und ich bin froh, bei der Polizei zu sein. Und dankbar für die Möglichkeiten, Sport und Job unter einen Hut zu bekommen“, sagt Waschburger. Um sich selbst macht sich der Schwimmer aus der Sportfördergruppe der saarländischen Polizei keine Corona-Sorgen. Dafür sorgt er sich – wie wohl jeder – um seine Eltern.

An ein mögliches Karriereende denkt der Saarbrücker aber trotz der derzeitigen Einschränkungen nicht. „Ich denke von Jahr zu Jahr. Es hängt natürlich auch von meiner Form ab – und ob ich noch vorne mithalten kann. 2021 wollte ich schon noch schwimmen“, sagt „Waschi“ und peilt eigentlich die WM 2021 im japanischen Fukuoka an. Die wird aber wegen Olympia 2021 verschoben. Der neue Termin ist noch offen.

In diesem Mai wäre der momentan wegen des Sports zu 50 Prozent freigestellte Polizeikommissar eigentlich zur EM nach Budapest gefahren. Die Europameisterschaft in Ungarn, für die er über 10 und 25 Kilometer qualifiziert war, wurde in den August verlegt. Aber ob der neue Termin gehalten werden kann? Der 33-Jährige ist skeptisch. Dass er aber noch lange nicht an ein Karriereende denkt, ist für ihn klar: „Ich habe aktuell schon noch Lust, bin heiß. Auch auf die Quälerei im Training.“

Dass das Internationale Olympische Komitee (IOC) so lange mit der Verschiebung der Sommerspiele in Tokio von 2020 auf 2021 gewartet hatte, erstaunte Waschburger. „Es war schon krass, wie sie das herausgezögert haben“, sagt er. Für ihn war schnell klar, dass weder EM noch Olympia zum avisierten Termin zu halten waren: „Für viele Athleten war das eine Erleichterung. Ich kann mich in deren Lage versetzen.“

Für Waschburger selbst geht trotz der Verschiebung um ein Jahr kein Hintertürchen zu Olympia auf. Das IOC gab bekannt, dass die bereits qualifizierten Athleten automatisch auch für 2021 in Tokio qualifiziert sind. Die vier deutschen Plätze im Freiwasser-Team gingen bereits an Doppel-Weltmeister (im Becken und im Freiwasser) Florian Well­brock, seinen Konkurrenten Rob Muffels, gegen den Waschburger das direkte Duell um einen Olympia-Platz verloren hatte, sowie an Leonie Beck und Finnia Wunram.

Aber auch ohne eine Olympia-Chance ist Waschburger weiter motiviert. „Ich mache jetzt Athletik, Kraftsachen, gehe laufen, habe mir eine Hantelstange und ein neues Fahrrad bestellt“, erzählt der Schwimmer außer Dienst. Man muss sich halt behelfen. Beim Laufen allerdings plagen ihn bisweilen Leistenbeschwerden. Manche internationalen Kollegen sind schon so verzweifelt, dass sie in einem fünf Meter großen Becken mit Gummiseilen das Schwimmen simulieren.

Sogar an den Bostalsee dachte der Ausdauersportler schon, bei fünf bis acht Grad Wassertemperatur ist der aber noch weit von den 14 oder 15 Grad entfernt, bei denen man mit Neopren-Anzug trainieren könnte. „Aber in anderen Ländern geht es den Sportlern ja ähnlich“, sagt „Waschi“, der auch nicht mehr zum Training ins südfranzösische Montpellier bei Star-Trainer Philippe Lucas fahren kann. Das lässt sein Dienst bei der Polizei nicht mehr zu.

Sowieso kennt FCS-Fan Waschburger auch derzeit keinen Leerlauf. „Ich habe zwei, drei Polizeidienste in der Woche, dazu das Training. Unser Landestrainer Felix Weins schickt mir Trainingspläne, Training mit Zugseilen und Ausdauer.“ Dazu kommen Skype-Konferenzen mit Freunden oder Netflix-Serien. „Langweilig wird mir auf jeden Fall nicht“, sagt „Waschi“. Aber eines will er unbedingt. Wieder ins Wasser springen. Denn eine solche Phase, „das gab es noch nie“.