| 20:33 Uhr

Olympische Winterspiele in Südkorea
Warten auf ein „klares Zeichen“

Der russische Curler Alexander Kruschelnizki wurde in Pyeongchang positiv getestet.
Der russische Curler Alexander Kruschelnizki wurde in Pyeongchang positiv getestet. FOTO: dpa / -
Pyeongchang. Gedopter Curler: Ruf nach Fortsetzung der russischen Suspendierung wird lauter.

Russland ist zurück an der Doping-Front, Sportler und Funktionäre anderer Nationen sind frustriert. Am Olympiaort Pyeongchang wird der Ruf nach einem „klaren Zeichen“ gegen den Wiederholungstäter lauter. „Ich würde sagen, die Russen sollten nicht offiziell bei der Schlussfeier auftreten“, sagte Skicrosser Paul Eckert. Dem Freestyler aus Bayern dauert die Debatte um die Russen eh zu lang: „Ich verstehe nicht, dass man das nicht rechtzeitig klärt.“


Am Montagabend war bekanntgeworden, dass der russische Curler Alexander Kruschelnizki positiv auf das verbotene Herzmedikament Meldonium getestet wurde. Am Mittwochabend bestätigten die Russen selbst die positive B-Probe. Alles wartet auf das Urteil des CAS und hofft, dass es nicht wieder zum Chaos kommt.

Kruschelnizki gab gestern Abend laut einer Mitteilung, die der russischen Nachrichtenagentur Tass vorliegt, bekannt, dass er auf die für heute geplante Anhörung verzichtet: „Nachdem ich die Vor- und Nachteile abgewogen habe, habe ich entschieden, meinen Fall vor dem CAS zurückzuziehen“. Die Anhörung wäre „unter den aktuellen Regeln nutzlos“. Die IOC-Exekutive trifft sich am Samstag und entscheidet, ob die Suspendierung gegen Russland aufgehoben wird. Diese war wegen des Staatsdopingskandals rund um die Spiele in Sotschi 2014 verhängt worden. Nicht wenige glauben, dass der Russland-freundliche IOC-Präsident Thomas Bach die Russen zur Schlussfeier gerne wieder in die Arme schließen würde – doch nun kriegt er den Curling-Fall nicht vom Eis.



Dirk Schimmelpfennig, deutscher Chef de Mission, glaubt, dass „sehr viele sehr kritisch“ über die IOC-Entscheidung denken. Aus Sicht des deutschen Teamchefs müsse das IOC bei seinem Urteil an die Wirkung auf andere Sportler denken. „Ich glaube, dass es wesentlich ist, ein eindeutiges Zeichen zu setzen, dass man dieses von den Russen betriebene Staatsdoping ablehnt“, sagte Schimmelpfennig. Ob das heißt, dass Russland suspendiert bleibt, ließ der Delegationsleiter aber offen.

Für die deutsche Athletensprecherin Silke Kassner kann es nur eine Entscheidung geben. „Für eine Begnadigung des russischen NOK ist es viel zu früh – völlig unabhängig vom Fall des Curlers. Es muss zuerst ein System- und Kulturwandel stattfinden“, sagte Kassner. „Entweder hat ein Land das Werteverständnis für den Schutz der sauberen Athleten, oder es hat es nicht. Russland hat es ganz offensichtlich nicht“, ergänzte die Ex-Kanutin: „Das zeigt schon das nicht enden wollende Leugnen und der Mangel an Demut.“