Wada in Erklärungsnot

Wada in Erklärungsnot

Im Skandal um ein staatlich gestütztes Dopingsystem in Russland gerät jetzt auch die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada unter Druck. Einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) zufolge hatte die 800-Meter-Läuferin und Doping-Kronzeugin Julia Stepanowa die oberste Anti-Doping-Behörde Anfang 2013 in einem Brief ausführlich über die Vorgänge in Russland unterrichtet.

Tätig geworden ist die Wada aber nicht.

Angeblich hat die Wada Stepanowa und ihren Mann Witali Stepanow, einen ehemaligen Mitarbeiter der russischen Anti-Doping-Agentur Rusada, nie um die Aushändigung von belastendem Material gebeten. Den Brief druckte die FAZ in ihrer Donnerstagausgabe in Auszügen. Darin beschrieb Stepanowa in Grundzügen das, was die ARD in ihrer Aufsehen erregenden Dokumentation "Geheimsache Doping - wie Russland seine Sieger macht" Anfang Dezember öffentlich machte. Die Wada hatte danach bekannt gegeben, dass sie die Informationen an die "geeignete, unabhängige Stelle" des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF weitergeleitet habe.

Dass die Wada zu diesem Zeitpunkt offenbar bereits seit knapp zwei Jahren in Besitz der brisanten Informationen war, ohne dass irgendwelche Konsequenzen bekannt geworden wären, bringt sie nun in Erklärungsnot. Eine diesbezügliche FAZ-Anfrage von Anfang der Woche ließ die Wada laut Zeitung unbeantwortet.

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