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VW hat noch eine Rechnung offen

VW hat noch eine Rechnung offen

Der Stachel sitzt tief. Ausgerechnet beim Heimspiel kassierte Volkswagen vergangenes Jahr eine Niederlage. Dieses Jahr soll daher bei der Deutschland-Rallye alles besser werden. In Trier fällt heute die Startflagge.

Im Grunde gibt es drei Begriffe auf Deutsch, die Rallyefahrer in aller Welt kennen. "Guten Tag", "Danke" - und: "Hinkelsteine". "Oh ja, die Hinkelsteine", sagt Jari Matti Latvala und rollt mit den Augen. "Die sind nicht sehr freundlich." Eigentlich dienen die fiesen, tonnenschweren Betonklötze auf dem Truppenübungsplatz in Baumholder als Leitplanken für Panzer, sollen die Leopard II auf Kurs halten. Doch bei der Deutschland-Rallye haben sie schon viele Autos aus der Bahn geworfen. 2012 katapultierten die Hinkelsteine mit Thierry Neuville, Dani Sordo und Petter Solberg gleich drei Top-Piloten aus dem Rennen. Vergangenes Jahr schloss Latvala nähere Bekanntschaft mit den direkt neben der Fahrbahn lauernden Blöcken. Der finnische VW-Pilot knallte mit seinem Polo WRC als Führender in einen der Klötze - kurz danach war Endstation.
Klecks im Schönschreib-Heft

Für VW war der Ausrutscher besonders bitter, denn er hinterließ den bislang größten Klecks im Schönschreib-Heft der Wolfsburger: Da zuvor schon Sébastien Ogier sein Auto in einem Weinberg versenkt hatte, war ausgerechnet das Heimspiel in Deutschland der einzige WM-Lauf der Saison, bei dem am Ende kein Volkswagen-Fahrer auf dem Podium stand. Der Stachel sitzt noch heute tief. "Mit der Rallye Deutschland haben wir seit vergangenem Jahr noch eine Rechnung offen", sagt VW-Motorsport-Direktor Jost Capito vor dem Wiedersehen trotzig.

In der Tat zweifelt kaum jemand daran, dass die weiß-blauen VW Polo in diesem Jahr siegen werden. Seit der bitteren Heimspiel-Niederlage gewann VW bis heute alle folgenden zwölf WM-Läufe, wurde am Ende der Saison 2013 überlegen Marken- und Team-Weltmeister und liegt auch dieses Jahr unangefochten auf Titelkurs. Allerdings: Um am Sonntag wirklich jubeln zu können, müssen die Wolfsburger eine schier unheimlich anmutende Serie durchbrechen: Seit 2002 gibt es in Deutschland nämlich nur einen einzigen Sieger: Citroen. Ob es dieses Mal anders wird? "Wir kennen unsere Stärken - wissen aber auch, dass im Sport Erfolg nicht planbar ist. Schon gar nicht im Motorsport", sagt Capito.
Drift ist Gift

Die Hoffnungen des VW-Bosses ruhen dabei vor allem auf Sébastien Ogier. Denn anders als bei der Schotter-Show vor drei Wochen in Finnland, bei der Teamkollege Latvala nach Herzenslust zum Sieg driften konnte, hat die Rallye-WM in Deutschland festen Boden unter den Rädern: Asphalt. Und da lautet die Kurzformel für den Erfolg: Drift ist Gift. Statt spektakulär quer durch die Kurven zu rutschen, zählt nur noch die saubere Linie. Und diese Kunst beherrscht im Rallye-Zirkus keiner so wie Ogier. 2011 entthronte der Franzose, damals noch bei Citroen, sogar seinen als "König von Deutschland" geltenden Teamkollegen Loeb. "Ich mag vor allem die Prüfungen in den Weinbergen, da bekommt man auch als Fahrer einen spektakulären Eindruck von dem Tempo, mit dem wir zwischen Felswand und Abhang unterwegs sind", schwärmt Ogier. Als heißesten Konkurrenten sieht er Thierry Neuville. "Wir haben richtige Asphalt-Spezialisten im Feld - vor allem Thierry, der vergangenes Jahr lange um den Sieg mitgefahren ist. Ich rechne generell damit, dass sein Hyundai-Team sehr stark ist. Und auch Kris Meeke im Citroen habe ich auf der Rechnung."

Viele Fans sind zudem auf Robert Kubica (Ford Fiesta WRC) gespannt. Der frühere Formel-1-Pilot aus Polen, seit einem Rallye-Unfall 2011 am rechten Arm gehandicapt, gilt ebenfalls als Asphalt-Spezialist, dämpft aber die Erwartungen: "Es wird schwierig. Die vielen Haarnadelkurven sind gerade bei meinen Einschränkungen ein großes Problem." Und dann sind da noch die Hinkelsteine. In diesem Jahr ist die Gefahr sogar noch größer: Statt zwei werden sogar vier Wertungsprüfungen auf der "Panzerplatte" gefahren.

Zum Thema:

Auf einen BlickAuftakt zur Deutschland-Rallye ist heute um 20.30 Uhr mit dem Show-Start in Trier vor der Porta Nigra. Danach stehen von Freitag, 8.38 Uhr, bis Sonntag, 12.08 Uhr, 18 Wertungsprüfungen auf dem Programm.Wie in den vergangenen Jahren toben die Rallye-Asse auch diesmal wieder zweimal durchs Saarland: am Samstag ab 8.38 Uhr und ab 15.30 Uhr am Peterberg.Königs-Etappe ist die Panzerplatte in Baumholder , die am Samstag ab 9.51 Uhr zweimal als Lang-Version (42,5 Kilometer) und zweimal als Sprint-Variante (3,03 Kilometer) gefahren wird.Tickets für 15 Euro (Panzerplatte: 20 Euro) sind vor Ort an den einzelnen Wertungsprüfungen erhältlich. wip