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Votum soll Rückenwind bringen

Frankfurt. Es gibt zwar keine Wahl, aber die Möglichkeit, ein deutliches Zeichen zu setzen. An diesem Samstag in Frankfurt soll der Startschuss für die Bewerbung Hamburgs um die Olympischen Spiele 2024 gegeben werden. Dpa-Mitarbeiterandreas Schirmer

Mit starkem Rückenwind will der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) seine ausgewählte Olympia-Stadt Hamburg in das Bewerbungsrennen um die Sommerspiele 2024 schicken. "Man braucht für so ein Projekt sicher ein klares Votum", betonte DOSB-Chef Alfons Hörmann vor der Mitgliederversammlung des Dachverbandes an diesem Samstag (11 Uhr) in der Frankfurter Paulskirche. Dass er die Buschtrommel für einen einstimmigen Beschluss gerührt haben soll, wies der Präsident zurück: "Da ist die Trommel und der Busch defekt."

Die Delegierten haben zwar keine Wahl mehr, weil der Mitbewerber Berlin bei dem Vorentscheid des DOSB-Präsidiums und einer inoffiziellen Abstimmung der Spitzenverbände (11:19) am vergangenen Montag das Nachsehen hatte. Die Möglichkeit, ein Zeichen zu setzen, gibt es aber. "Es kann nur die Message sein: Deutschland will die Olympischen Spiele", sagte Siegfried Kaidel, Sprecher der Spitzenverbände: "Ich gehe davon aus, dass alle geschlossen dahinterstehen werden."

Dies müsse auch für die internationale Bewerbungsphase gelten, um Kandidaten wie Boston, Rom oder Paris die Stirn bieten zu können. "Ich bin mir ganz sicher, dass es spätestens ab Samstag eine deutsche Bewerbung ist, für die Hamburg die Fahne trägt", erklärte Michael Vesper , Vorstandsvorsitzender des DOSB. Er hofft dafür auf die Unterstützung der Verliererstadt: "Berlin hat so viel Power. Es ist dringend erforderlich, dass diese Kraft eingesetzt wird."

Das Bündeln aller Kräfte und so wenig Störfeuer wie möglich wünscht sich Hörmann, damit auch das Internationale Olympische Komitee möglichst schon im Sommer 2017 "Feuer und Flamme" ist und Hamburg wählt: "Denn der Weg zum Erfolg wird zweifellos ein steiniger werden. Und da braucht man den Rückhalt von Gesamtsportdeutschland."

Die Hansestadt will sich in Frankfurt nicht nur feiern lassen, sondern danach richtig durchstarten. "Es ist ein Feiertag, aber auch eine Verpflichtung. Wir sind super aufgestellt", sagte der frühere Tennisprofi Michael Stich , der sich selbst "super gerne einbringen" möchte, um Olympia an die Elbe zu holen. Der Wimbledonsieger von 1991 und Olympiasieger von 1992 (im Doppel mit Boris Becker ) gehört zur Hamburger Delegation in der Paulskirche, die von Bürgermeister Olaf Scholz angeführt wird. Für ihn wäre es "eine große Sache", wenn Deutschland erstmals nach 1972 wieder Olympische Spiele ausrichten dürfte.

Hauptredner bei der Krönungszeremonie wird Bundesinnenminister Thomas de Maizière sein. Der CDU-Politiker hatte schon nach dem Vorentscheid betont, dass Hamburg eine "gute Chance für einen Erfolg" habe. Jetzt gilt es, in die Detailarbeit für die Abgabe der Bewerbungsunterlagen am 8. Januar 2016 zu gehen. "Da muss man alle Ärmel aufkrempeln, um das rechtzeitig und in der gewohnten Qualität zu schaffen", sagte der DOSB-Vorstands-Chef Vesper.

Rund 50 Millionen Euro wird das Budget von Hamburg für die Olympia-Bewerbung betragen. Die Hansestadt soll bei einem Scheitern im ersten Anlauf auch für 2028 Kandidat sein. Nach einer ersten Kalkulation für den Bau der Sportstätten von 1,9 Milliarden Euro sollen in den nächsten Monaten auch die Kosten für das Olympische Dorf oder infrastrukturelle Maßnahmen ermittelt werden. "Wir fürchten keine Kostendiskussion", erklärte Michael Vesper : "Wir haben uns Transparenz verordnet, es wird sauber geplant."