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Von Verärgerung bis Boykott-Androhung

Saarbrücken. Der 1. FC Saarbrücken will sich mit Hilfe der DJK Bildstock in die Fußball-Saarlandliga einkaufen. Das sorgt in der Liga für Aufruhr. Philipp Semmler,Heinz BIer,Heiko Lehmann

Der 1. FC Saarbrücken will wieder eine U23 im Spielbetrieb haben, allerdings nicht in der untersten Liga anfangen. Nachdem der Fußball-Regionalligist nach SZ-Informationen bei mehreren Vereinen angefragt hatte, stieß er bei der DJK Bildstock auf offene Ohren. Die hat finanzielle Schwierigkeiten und erwägt ohnehin einen Rückzug aus der Saarlandliga. Beide Vereine planen, das Startrecht der DJK auf den FCS zu übertragen. Angeblich soll der FCS bereit sein, hierfür eine sechsstellige Summe zu zahlen. Während um die Rechtslage, die der Saarländische Fußballverband noch final entscheiden muss, ein Streit entbrannt ist (die SZ berichtete), positionieren sich die übrigen Saarlandligisten mit großer Mehrheit gegen den geplanten "FCS-DJK-Deal", wie eine Umfrage der SZ ergeben hat.


Joachim Warken (Vorsitzender des SV Rot-Weiß Hasborn): "Ich finde diese Sache eine Katastrophe. Das geht gar nicht, dass man sich in eine Liga einkaufen kann, wie es einem passt. Der FCS hat mit der Abmeldung seiner zweiten Mannschaft wohl im Nachhinein betrachtet einen Fehler gemacht. Das kann jedem mal passieren. Nur sollte man dann auch zu diesem Fehler stehen und in der untersten Klasse anfangen, wie es alle anderen Vereine wohl auch machen würden."



Bernd Schwebach (Sportlicher Leiter des SV Mettlach): "Diese Sache ist für mich den Fußballsport mit Füßen getreten, auch wenn es von rechtlicher Seite wohl diese Möglichkeit gibt. Als ich am 1. April davon gelesen habe, dachte ich zuerst, es sei ein Aprilscherz. Ich bin der Meinung, dass sich die Vereine der Saarlandliga Gedanken drüber machen sollten, ob sie kommende Saison zu den Spielen gegen den 1. FC Saarbrücken II antreten wollen."

Nico Granata (Trainer des FV Siersburg): "Wir sind von dieser geplanten Übertragung des Spielrechts direkt betroffen. Wenn die DJK Bildstock sich nach dieser Saison normal aus der Saarlandliga zurückgezogen hätte, wären unsere Chancen im Kampf um den Klassenverbleib gestiegen. Dass so eine Übertragung des Spielrechts geht, ist ein Witz. Wenn das einreißt, wollen das irgendwann zehn andere Vereine auch noch so machen."

Faruk Kremic (Spielertrainer der SG Lebach-Landsweiler): "Wenn das gesetzlich möglich ist, habe ich da prinzipiell kein Problem damit. Aus sportlicher Sicht halte ich es aber dennoch für nicht richtig. Man sollte es sich auf dem Platz erarbeiten, in einer Spielklasse spielen zu dürfen."

Oliver Dillinger (Trainer des VfB Dillingen): "Ich bin ein Freund von nachhaltiger Nachwuchsförderung. Wenn der FCS in diesem Bereich umgedacht hat und wieder eine zweite Mannschaft melden will, befürworte ich diesen Schritt. Wenn die Rechtslage das erlaubt, was jetzt gemacht werden soll, soll jeder das tun, was für ihn möglich ist. Das ist meine persönliche Meinung. Wie andere in meinem Verein über dieses Thema denken, weiß ich nicht."

Alwin Arm (Vorstandssprecher des VfL Primstal): "Ich sehe die ganze Sache kritisch. Ich habe mir die Spielordnung des Saarländischen Fußballverbandes angeschaut, und meiner Meinung nach gibt es keinen Paragraphen, der die Übertragung eines Spielrechts erlaubt. Aber das müssen letztendlich die Juristen entscheiden."

Jan Berger (Trainer des FV Eppelborn): "Der 1. FC Saarbrücken hat ein rechtliches Schlupfloch gefunden, das ist in Ordnung. Moralisch ist das Ganze aber äußerst fragwürdig. Ähnlich wie der FC Homburg sollte der FCS mit seiner zweiten Mannschaft wieder in der untersten Spielklasse beginnen, dann würde er Charakter zeigen."

Kai Decker (Trainer des TuS Steinbach): "Ob das richtig ist, dass ein Verein sein Spielrecht verkaufen kann, ist für mich fraglich. Ich habe bei dieser Sache schon ein komisches Gefühl. Es ist auf jeden Fall ein Tritt in den Hintern für all jene Vereine, die sportlich um den Klassenerhalt kämpfen. Für mich ist die Vorgehensweise beider Vereine moralisch fraglich."

Robin Vogtland (Trainer der Sportfreunde Köllerbach): "Jeder Verein muss in jeder Saison hart kämpfen, um seine Ziele zu erreichen. Und der 1. FC Saarbrücken möchte das Ganze jetzt mit finanziellen Mitteln lösen - das ist äußerst unsympathisch."

André Hemmer (Sportvorstand des SV Auersmacher): "Dass sich der Saarländische Fußballverband in dieser Sache nicht eindeutig und geschlossen positioniert, ist für mich ein Unding. Sollte sich der FCS ein solches Startrecht kaufen können, bietet das künftig für alle Amateurvereine in allen Ligen ungeahnte Möglichkeiten."

Marcel Schug (Trainer des SC Halberg Brebach): "Ich finde das Ganze nicht gut. Vor zwei Jahren wollte der 1. FC Saarbrücken keine zweite Mannschaft mehr, und jetzt wollen sie sich wieder einkaufen. Ich finde es schon seltsam, dass es dazu überhaupt eine Möglichkeit gibt."

Timo Wenzel (Trainer der SV Elversberg II): "Ich kann alle Vereine absolut verstehen, die sich über das Thema aufregen. Aber ich habe in meiner Laufbahn schon viel erlebt. Ich glaube, es gäbe kaum jemanden, der zu einer sechsstelligen Summe Nein sagen würde."

Bernd Eichmann (Trainer des TuS Herrensohr): "Vor zwei Jahren hat der 1. FC Saarbrücken seine zweite Mannschaft abgemeldet, weil sie angeblich zu teuer war. Und jetzt will der FCS viel Geld für einen Startplatz in der Saarlandliga investieren - das ist für mich unverständlich."

Martin Peter (Trainer des SV Bübingen): "So etwas darf es normalerweise nicht geben. Meiner Meinung nach muss der 1. FC Saarbrücken mit seiner zweiten Mannschaft in der untersten Klasse anfangen. Genau so, wie es jeder andere Verein auch müsste."

Andreas Fellhauer (Trainer des SC Friedrichsthal): "Diese Sache ist einzig und allein Sache des Verbandes. Der SFV soll das entscheiden und sich klar positionieren."

Lothar Pesch (Trainer der SpVgg Quierschied): "Dass solch eine Konstellation überhaupt möglich ist, finde ich schon unmöglich. Das würde ja bedeuten, dass finanzstarke Vereine sich jeder Zeit in irgendeiner Liga einkaufen könnten."