Von neuen Fernsehern und teurer Unterwäsche

Von neuen Fernsehern und teurer Unterwäsche

Saarbrücken. Am 23. Januar 2000 - da begann für Dieter Weller ein neuer Lebensabschnitt. Vor genau zehn Jahren trat er das Amt des Schatzmeisters beim 1. FC Saarbrücken an. "Ich hatte Hartmut Ostermann (Anm. d. Red

Saarbrücken. Am 23. Januar 2000 - da begann für Dieter Weller ein neuer Lebensabschnitt. Vor genau zehn Jahren trat er das Amt des Schatzmeisters beim 1. FC Saarbrücken an. "Ich hatte Hartmut Ostermann (Anm. d. Red.: damals FCS-Präsident) ein halbes Jahr vorher kennengelernt, und wir hatten eigentlich nur kontroverse Ansichten", erinnert sich der heute 46-Jährige: "Dann kam ein Anruf und er fragte, ob ich Schatzmeister werden wolle." Weller dachte nicht lange nach, obwohl er nicht wusste, auf was er sich einließ. "Ich war schon immer FCS-Fan", sagt der Junge von der Folsterhöhe in Saarbrücken, der es zum Steuerberater und Dozenten an der Hochschule für Technik und Wissenschaft gebracht hat: "Ich musste mein blau-schwarzes Herz nicht erst entdecken, ich hatte es ja schon." Bei seinem Amtsantritt hieß der Trainer Klaus Toppmöller. Wenige Monate später gab es Theater. "Zuerst kam Kaiserslauterns Atze Friedrich mit einem Koffer voller Geld und wollte Toppi haben", blickt Weller zurück, "später dann auch Rainer Calmund aus Leverkusen". Der Toppmöller-Wechsel zum Werksclub sei damals nicht an überzogenen Geldforderungen des FCS gescheitert: "Calli musste aus Imagegründen der Bayer-Werke zurückrudern." Doch nicht nur die Übungsleiter sorgten für Arbeit. "Einmal kam Sambo Choji in mein Büro und wollte, dass ich ihm einen neuen Fernseher kaufe. Er müsse Champions League schauen, um neue Tricks zu lernen, damit er noch mehr Tore schießen kann." Die Bitte blieb unerfüllt, genau wie das Anliegen von Master Echendu. "Er hatte bei einem Herrenausstatter Unterwäsche für 1000 Mark gekauft. Master hatte wohl missverstanden, dass der Verein nur seine Sport-Ausrüstung bezahlt." Und da gab's noch die Sportdirektoren wie Lorenz Savelsberg, Tom Dooley, Heribert Weber, Wolfgang Loos oder Bernd Coen. "Der FCS braucht keinen Manager", sagt Weller schroff und erklärt dann lächelnd: "Wir haben ja einen. Der heißt Harald Ebertz. Und weil der im Präsidium sitzt, kostet er den Verein keinen Cent." Den höchsten Etat der Ära Weller hatte der FCS in der 2. Liga in der Saison 2005/2006 - über sieben Millionen Euro. Heute bewegt der FCS 2,5 Millionen. Schlaflose Nächte hatte der Schatzmeister aber nie. "Die Sponsoren haben sich immer an die Abmachungen gehalten. Wir konnten dem Deutschen Fußball-Bund immer ein realistisches Zahlenwerk vorlegen und wir haben nur noch leistungsbezogene Verträge." Davon wolle man auch in Zukunft nicht abweichen, auch wenn daran der ein oder andere Transfer scheitern könnte. Nach zehn Jahren zwischen 2. Liga und Oberliga ist Weller nicht amtsmüde: "Wenn meine Freundin Isolde das noch länger mitmacht und die Zusammenarbeit im Präsidium weiter so freundschaftlich abläuft, kann ich mir schon vorstellen, noch zehn Jahre zu machen."

HintergrundDer Fußball-Regionalligist 1. FC Saarbrücken bestreitet an diesem Wochenende zwei Testspiele. Am Samstag, 15 Uhr, tritt der FCS mit Neuzugang Markus Fuchs vom 1. FC Nürnberg II beim SSV Überherrn an. Das Spiel gegen Kickers Offenbach am Sonntag wurde wegen Unbespielbarkeit des Platzes in Offenbach ins FC-Sportfeld nach Saarbrücken verlegt. Anstoß ist um 14.30 Uhr. cor

Mehr von Saarbrücker Zeitung