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LSVS-Skandal
Von Geldflüssen und Sparmaßnahmen

LSVS-Geschäftsführerin Karin Becker, LSVS-Präsident Klaus Meiser und die Saartoto-Geschäftsführer Peter Jacoby und Michael Burkert (von links) wurden gestern vom Innen- und Sportausschuss zur Sportförderung befragt.
LSVS-Geschäftsführerin Karin Becker, LSVS-Präsident Klaus Meiser und die Saartoto-Geschäftsführer Peter Jacoby und Michael Burkert (von links) wurden gestern vom Innen- und Sportausschuss zur Sportförderung befragt. FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Der Innen- und Sportausschuss tagt zum LSVS-Finanzskandal. Präsident Meiser bestätigt, dass 2018 weniger Geld zur Verfügung steht.

Wohl selten war eine Ausschusssitzung im Landtag des Saarlandes so gut besucht wie gestern die Sitzung des Innen- und Sportausschusses, die zum Teil öffentlich abgehalten wurde. Schon 15 Minuten vor Beginn der Sitzung war kein Besucher-Sitzplatz mehr frei, eifrig schleppten Bedienstete des Landtags Stühle bei, platzierten sie entlang der Wände, um für zusätzliche Sitzmöglichkeiten zu sorgen. Das Interesse an der Aufarbeitung des Finanzskandals beim Landessportverband für das Saarland, der Mitte Dezember 2017 öffentlich geworden war, ist weiter ungebrochen.


Hauptthema der Sitzung war der „Verstärkungsfonds für Sport und Kultur, den die Saarland Sporttoto (kurz Saartoto) 2016 ins Leben gerufen hat. Die Saartoto-Geschäftsführer Peter Jacoby und Michael Burkert erklärten den Ursprung der Idee des Verstärkungsfonds. Im März 2016 – „in einer finanzpolitisch zugespitzten Zeit“ (Jacoby) – sei im saarländischen Kabinett die Idee geboren worden, bei Saartoto um finanzielle Hilfe anzufragen, damit es bei der Sport- und Kulturförderung „nicht zu einem Fadenriss kommt“, wie es Jacoby formulierte. Also beschloss der Saartoto-Aufsichtsrat Ende März 2016, von 2016 bis 2020 bis zu 500 000 Euro jährlich aus Überschüssen freizumachen, die zu gleichen Teilen an Sport und Kultur verteilt werden sollten.

2016 wurden über den Verstärkungsfonds beispielsweise sechs Projekte im Kulturbereich gefördert, darunter das neue Festival „Colors of Pop“. Im Sport wurden laut Jacoby vier konkrete Projekte gefördert – und die sorgten jüngst für Schlagzeilen, weil das Geld vor allem in den Tischtennisbereich geflossen ist. Von den Abgeordneten der Partei „Die Linke“ wurde besonders die Art und Weise des Geldflusses nachgefragt. Der stellt sich in der Regel laut Saartoto und LSVS-Präsident Klaus Meiser, der ebenfalls anwesend war, so dar: Saartoto überweist Betrag X an den LSVS, der den Betrag dann dem entsprechenden Verein oder Verband weiterleitet. Auf die Frage des Linken-Abgeordneten Jochen Flackus, wer die korrekte Verwendung des Geldes denn kontrollierte, antwortete Jacoby: „Die Geschäftsführung von Saartoto ist ihren Gesellschaftern rechenschafts- und darlegungspflichtig – aber nicht umgekehrt.“ Will heißen: Der LSVS, dem drei Siebtel von Saartoto gehören, und das Land (vier Siebtel) nehmen diese Kontrolle wahr.



LSVS-Präsident Meiser versuchte am Beispiel Tischtennis und der Förderung von Nationalspieler Patrick Franziska vom 1. FC Saarbrücken die Förderung über den Verstärkungsfonds zu konkretisieren – und warum in diesem Olympia-Zyklus diese Sportart deutlich im Fokus der Förderung steht. „Der Verdrängungs-Wettbewerb im deutschen Sport ist groß. Wir brauchen sportliche Erfolge, um unseren Standort zu stabilisieren“, sagte Meiser, „wir haben im Saarland den Vorteil, neben Düsseldorf der Top-Standort im Tischtennis in Deutschland zu sein. Das deutsche Tischtennis ist seit langer Zeit immer bei Olympia und Weltmeisterschaften unter den besten vier Nationen. Patrick Franziska ist die Nummer drei in Deutschland – deswegen ist es eine Riesenoption für uns für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio.“

Meiser bestätigte, dass das Geld aus dem Verstärkungsfonds von Saartoto für Franziska an den LSVS weitergeleitet und von dort an den FCS TT weitergereicht wurde. „Der Verein muss uns natürlich dann nachweisen, dass er die Gelder für diesen Zweck dann auch verwendet hat“, sagte Meiser weiter.

Auch zur aktuellen Finanzsituation des LSVS äußerte sich Meiser. „Wir wissen, dass weniger Geld da ist und müssen mehr sparen, als wir anfangs vermutet haben“, sagte Meiser in Bezug auf die in der vergangenen Woche bekannt gewordenen Sparmaßnahmen, die den Sportfachverbänden nun doch schon 2018 drohen. Belastbare Zahlen könne er erst in 14 Tagen präsentieren. Nach Informationen der Saarbrücker Zeitung könnte sich der Fehlbetrag für das Jahr 2018 auf gut eine Million Euro belaufen.