Von Fiasko keine Spur

Durban. Die Pfeiler für den markanten Bogen über Durbans neuem WM-Stadion recken sich wie Abschussrampen in den Himmel. Von beiden Seiten wachsen sie in Sichtweite des Indischen Ozeans aus dem Boden. "Im September wird der Bogen vollendet sein. Wir liegen acht Wochen vor dem Zeitplan, das Stadion ist jetzt zu 65 Prozent fertig", sagt Julie-May Ellingson

 Ein Blick auf die Baustelle des Moses-Mabida-Stadions von Durban. Foto: dpa

Ein Blick auf die Baustelle des Moses-Mabida-Stadions von Durban. Foto: dpa

Durban. Die Pfeiler für den markanten Bogen über Durbans neuem WM-Stadion recken sich wie Abschussrampen in den Himmel. Von beiden Seiten wachsen sie in Sichtweite des Indischen Ozeans aus dem Boden. "Im September wird der Bogen vollendet sein. Wir liegen acht Wochen vor dem Zeitplan, das Stadion ist jetzt zu 65 Prozent fertig", sagt Julie-May Ellingson. Die Südafrikanerin ist Städteplanerin und zuständig für alle strategischen Projekte der Stadt Durban - vom Stadion bis zum Neubau des internationalen Flughafens.

"Das Stadiondach ist ein internationales Produkt", erklärt der deutsche Projektleiter Alf Oschatz: "Schweizer Präzision bringt den Bogen zusammen, deutsche Ingenieurkunst aus Stuttgart plante es, ein Hannoveraner Unternehmen steuerte die Elemente bei, südafrikanische Erfahrung sorgte für die Fundamente." Der Berliner ist seit Januar 2007 in Durban. Mit Ellingson verbindet ihn eine Mischung aus beruflichem Respekt und Freundschaft. "Man hatte mich vor ihr gewarnt, als ich hier ankam", sagte der Bau-Ingenieur.

Denn Geduld ist etwas, was die irischstämmige 41-Jährige nicht zu haben scheint. Sie dürfte die Frau mit dem schnellsten Mundwerk südlich des Äquators sein - beim Sprechen quetscht sie die Information von drei Stunden in eine. Im Schnelldurchgang klärt die zierliche Südafrikanerin Besucher darüber auf, dass die Stadt während der Fußball-Weltmeisterschaft - also in Südafrikas Winter - das beste Wetter hat. Ein Blick in die Zeitung bestätigt das: Überschwemmungen und Niederschläge in der Region um Kapstadt; ein Stück weiter, in Ceres, werden Schneemänner gebaut; und in Johannesburg flirtet das Thermometer nachts mit der Null-Grad-Marke. Durban dagegen hat tropische Temperaturen. Hier wird es auch im Winter selten kälter als 20 Grad. Und es hat einen der schönsten Strände des Landes - ein Paradies für Surfer und Badeurlauber. In zwei Jahren sollen sich dort auch WM-Fans tummeln. Denn in Sichtweite des neuen Stadions mit seinem charakteristischen Bogen soll am Strand eine Public-Viewing-Zone der Extraklasse entstehen.

"Wir sind nur jeweils eine Autostunde von den Drakensbergen oder den Naturparks entfernt", sagt Ellingson. Das hat auch den 43-jährigen Oschatz positiv überrascht. Er hat bereits WM-Erfahrung, seit er an den Stadien in Berlin und Frankfurt mitgebaut hat. "Ich hatte kaum eine Vorstellung von Südafrika. Aber Entwurf und Konzept für Durbans Stadion haben mich begeistert", sagt er. Zudem gefiel ihm die afrikanische Spontaneität. "Es ist die Art des Umgangs miteinander, die Herzlichkeit, Offenheit und Unkompliziertheit." Er hält Durban im Vergleich zu anderen WM-Städten für gut aufgestellt: "Die Qualität ist in Ordnung, die Kosten sind im Rahmen, das Design ist interessant, und auch für die Zeit nach der WM gibt es hier ein eindrucksvolles Konzept."

2,6 Milliarden Rand (160 Millionen Euro) kostet das multifunktionale Stadion, das auf der Spitze seines Bogens eine Aussichtsplattform haben wird. Für die Arbeiten an der Infrastruktur werden nochmal bis zu 300 Millionen Rand veranschlagt, 50 weitere Millionen könnten wegen der schwächelnden Landeswährung dazukommen. Ellingson: "Wir haben jede Möglichkeit in Betracht gezogen, um das Stadion finanziell tragfähig zu machen. Nun erwägen wir die Installation einer Bungee-Sprungplattform, die weltweit die höchste auf einem künstlich hergestellten Gebäude wäre."

Berichte über ein drohendes Fiasko am Kap quittiert sie mit ungläubigem Kopfschütteln. Auch wenn es hier und da mal Probleme gebe, sei sicher: Die Südafrikaner schaffen es. dpa

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