Vom Stürmer geachtet oder gefürchtet

Vom Stürmer geachtet oder gefürchtet

Herr Förster, Sie galten mit Ihrem Bruder Karlheinz als einer der kompromisslosesten Verteidiger schlechthin. Wie lebt es sich mit diesem Ruf?Bernd Förster: Für uns war das ein Prädikat

Herr Förster, Sie galten mit Ihrem Bruder Karlheinz als einer der kompromisslosesten Verteidiger schlechthin. Wie lebt es sich mit diesem Ruf?Bernd Förster: Für uns war das ein Prädikat. Man bekommt im Laufe seiner Karriere eben ein Image weg, und unseres lag sicherlich daran, dass wir nicht zimperlich waren, intensiv in die Zweikämpfe gegangen sind und deshalb vom Gegner geachtet oder gefürchtet wurden.

Man könnte also sagen, ein Verteidiger arbeitet daran, dass die Stürmer Angst vor ihm haben?

Förster: Ja, bis zu einem gewissen Punkt. Es ist wichtig, dass der Stürmer Respekt hat, aber es darf nicht soweit gehen, dass Verteidiger Stürmern ohne Ball in die Füße treten. Von hinten in die Knochen hauen, ist tabu.

Auf dem Platz kommt das aber immer wieder vor . . .

Förster: Es kann immer mal passieren, dass ein Verteidiger kurz reagiert oder nachlangt, gerade bei ad-hoc-Aktionen. Das tut einem im nächsten Moment schon wieder leid. Aber Fußballspielen ist eine emotionale Geschichte, da kann man nicht jeden Ausrutscher auf die Goldwaage legen. Jeder, der Sport auf hohem Niveau macht, kann das nachvollziehen.

Sie wurden mit der Nationalelf 1980 in Italien Europameister.

Förster: Im Finale saß ich leider nur auf der Bank. Ich hatte die Qualifikationsspiele absolviert, aber das erste Spiel lief nicht so, deshalb war ich während der EM nur bei zwei Spielen dabei.

Wie geht ein Spieler damit um, nicht in der Stammelf zu stehen?

Förster: Man kann versuchen, im Training Eindruck zu machen und dadurch wieder reinzukommen. Aber wenn die Mannschaft erst mal funktioniert, wechselt der Trainer nicht mehr viel. Da hilft nur akzeptieren und darauf warten, ob vielleicht einer verletzt wird oder eine Formschwäche hat.

Wie hat sich das Defensivspiel von damals zu heute verändert?

Förster: Wir haben mehr mit Manndeckung operiert, waren als Verteidiger auf einen Mann fixiert. Heute versucht man es mit Viererkette, jeder arbeitet in seinem Bereich. Das Zweikampfspiel ist aber nach wie vor wichtig. Es gilt immer noch: Wer die meisten Zweikämpfe gewinnt, gewinnt das Spiel.

Stößt Manndeckung bei schnellen und wendigen Stürmern wie Lionel Messi an Grenzen?

Förster: Da fängt die Kunst des Verteidigens an: Es gibt Mannschaften, die gegen Barcelona erfolgreich waren, weil die Trainer die Taktik ausgegeben haben, gegen Messi den Raum eng zu machen und ihn zu doppeln.

Hätten Sie gegen ihn bestanden?

Förster: Wir hatten früher auch Spieler, die die 100 Meter unter elf Sekunden gelaufen sind - die waren genauso schnell. Ich hätte versucht, ihm nicht den Platz zu lassen, den er teilweise in den Spielen hat. Es hätte mich schon unheimlich gereizt, gegen Messi zu spielen.

Abwehrspieler sollen heute auch das Spiel gestalten.

Förster: Das haben wir früher schon gemacht. Wir waren 90 Minuten vorne und hinten, sind ständig marschiert, um Überzahl zu schaffen, Tore vorzubereiten und zu schießen. Ein Abwehrspieler braucht mehr Qualitäten in der Defensive. Wenn er darüber hinaus im offensiven Bereich gut ist, ist das das Sahnehäubchen. Prinzipiell soll er aber nach hinten absichern und, den Laden dicht machen.

Schön anzusehen ist das nicht . . .

Förster: Ja, das war im Champions-League-Finale zu sehen. Jeder schimpft über Chelsea, aber das war große Kunst, wie die abgewehrt haben. Man mag diese Spielweise verurteilen, aber letztlich war Chelsea damit erfolgreich, erst gegen Barcelona und dann gegen den FC Bayern, und hat den Titel geholt.

Wie beurteilen Sie die Defensivleistung des deutschen Kaders?

Förster: Wir haben ein gutes Team, auch in der Defensive, allerdings fehlen manchmal die Feinabstimmungen. In der Offensive sind wir sehr stark, aber hinten wurde schon viel rumprobiert - mal hat der Mertesacker gespielt, dann der Badstuber, dann der Boateng . . .

. . . und keine Kombination konnte wirklich überzeugen.

Förster: Sie sind alle gute Spieler, aber man muss beachten, dass sie stets in anderen Konstellationen auf dem Feld standen. Man muss der Abwehr Zeit lassen, sich aufeinander einzuspielen. Ich denke, es hängt viel vom Auftaktspiel ab: Je nachdem, wie wir ins Turnier reinkommen, lässt sich noch einiges stabilisieren. > wird fortgesetzt