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| 20:46 Uhr

Fußball-Bundesliga
Vom Azubi zum Abwehr-Turm

Der aus Hoffenheim gekommene Niklas Süle (links) überzeugt beim FC Bayern an der Seite von Jérôme Boateng (rechts) oder Mats Hummels.
Der aus Hoffenheim gekommene Niklas Süle (links) überzeugt beim FC Bayern an der Seite von Jérôme Boateng (rechts) oder Mats Hummels. FOTO: Andreas Gebert / dpa
München. Innenverteidiger Niklas Süle hat beim FC Bayern seine eigenen Erwartungen übertroffen.

Niklas Süle verabschiedete sich mit einem „richtig guten Gefühl“ in den Weihnachtsurlaub. Das erste Halbjahr beim FC Bayern empfand der 22 Jahre alte Fußball-Nationalspieler zwar als „anstrengend“, aber es verlief für ihn ausgezeichnet. „Ich habe hier mit Sicherheit meine persönlichen Erwartungen übertroffen“, sagte er.

Auch beim jüngsten Bayern-Sieg im DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund (2:1) durfte Süle 90 Minuten spielen – wie so häufig in der Hinrunde. Er kam im Sommer aus Hoffenheim als Azubi nach München, um vom Weltmeister-Duo Jérôme Boateng und Mats Hummels zu lernen. Aber es kam anders: Der Youngster bildet mit den beiden längst ein imposantes Abwehrtrio. „Es ist schön, drei klasse Innenverteidiger zu haben“, sagte Trainer Jupp Heynckes: „Jérôme und Mats sind unsere Weltmeister. Und Niklas Süle hat, wenn er gespielt hat, mit kleinen Abweichungen sehr gut gespielt.“

In 21 von 27 Pflichtspielen kam Süle zum Einsatz, exakt so häufig wie Hummels. Für Boateng stehen nur 15 Partien zu Buche. „Ich fühle mich wohl auf dem Platz“, sagte Süle: „Ich bin sehr glücklich, nicht nur mit den Einsätzen. Ich wusste, dass ich mich festbeißen kann. Es ist ein Geschenk für mich, jeden Tag mit den besten Spielern Europas arbeiten zu können.“

20 Millionen Euro musste der FC Bayern für den Confed-Cup-Gewinner überweisen. Ein Schnäppchen angesichts der Summen, die auf dem Transfermarkt inzwischen üblich sind. Süle stellt neben Joshua Kimmich (22) sowie den Franzosen Kingsley Coman (21) und Corentin Tolisso (23) die Zukunft des FC Bayern dar. Er ist ehrgeizig, entwicklungsfähig und lernwillig.

Letzteres gefällt Heynckes besonders an dem fast zwei Meter großen Abwehrhünen: „Niklas ist ein junger Spieler, der es aufnimmt, wenn ich ihn korrigiere. Nur so wird man besser. Er entwickelt sich sehr gut. Er ist ein sehr guter Einkauf des FC Bayern.“ Kurzum: Süle sei einfach „a joode Jung“, wie es der aus Mönchengladbach stammende Heynckes in der rheinischen Mundart ausdrückt, „ein guter Junge“.

Nicht erst bei Heynckes, sondern auch schon bei dessen Vorgänger Carlo Ancelotti bekam Süle regelmäßig Einsatzzeiten. „Ich habe das Vertrauen von beiden Trainern genossen“, sagte er stolz. Dabei gab es aber auch Tiefpunkte wie das 0:3 bei Paris Saint-Germain. Ancelotti kostete die bittere Champions-League-Nacht den Job. Auch Süle erlebte auf dem Platz gegen die Pariser Weltklasseangreifer Neymar, Edinson Cavani und Kylian Mbappé ein persönliches Desaster.

Der Trainerwechsel war für ihn kein Nachteil. Denn Heynckes versetzte den Spanier Javi Martínez wieder ins defensive Mittelfeld, womit Süle einen starken Innenverteidiger-Konkurrenten weniger hat. Boateng und Hummels werden im WM-Jahr 2018 schon 30. Das Duo spürt den körperlichen Verschleiß. Verletzungen und Pausen häufen sich. Das eröffnet Süle, dem Mann der Zukunft, erstklassige Perspektiven. Auch im Nationalteam: Süle ist im Deckungszentrum mit Boateng und Hummels eingespielt. Das könnte ein echter Vorteil mit Blick auf die WM in Russland sein, die natürlich auch sein großes Ziel ist.

„Ich blicke sehr zufrieden auf 2017 zurück“, sagte der Neuzugang, der 2018 weiter angreifen will. „Ich habe ein gutes Gefühl.“ Ihm winkt der erste Meistertitel. Es könnten aber auch mehrere Trophäen werden: „Wir haben eine gute Ausgangslage.“ Das gilt für den FC Bayern, aber auch für Süle persönlich. Er ist jetzt nicht mehr nur ein Kollege von Boateng oder Hummels, er ist ein Konkurrent der Weltmeister. Auch wenn Süle so clever ist, das niemals öffentlich so zu formulieren. Der dritte Mann im Deckungszentrum des FC Bayern drückt es lieber bescheiden so aus: „Wenn ich am Ende meiner Karriere auf ähnliche Erfolge zurückblicken kann, wäre ich glücklich. Ich würde mich jetzt nie auf eine Stufe mit den beiden stellen.“ Jetzt noch nicht – aber vielleicht kommt das noch.