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Internationale Sportpolitik
Bach hat Ärger mit den Athleten

Herr der Ringe mit Arbeit: Präsident Thomas Bach hat bei der Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees in Buenos Aires alle Hände voll zu tun – und verspürt auch Gegenwind aus dem eigenen Lager.
Herr der Ringe mit Arbeit: Präsident Thomas Bach hat bei der Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees in Buenos Aires alle Hände voll zu tun – und verspürt auch Gegenwind aus dem eigenen Lager. FOTO: AP / Natacha Pisarenko
Buenos Aires. Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees in Buenos Aires. Sportler wollen mehr Mitspracherecht vom IOC. sid/dpa

Kanada, Schweden oder Italien: In einem der drei Länder sollen nach dem Willen der IOC-Führungsriege die Olympischen Winterspiele 2026 ausgetragen werden. Bereits in der vergangenen Woche hat das Exekutivkomitee des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) das kanadische Calgary, die italienische Region Cortina d‘Ampezzo/Mailand und die schwedische Hauptstadt Stockholm als Kandidaten empfohlen. Bei der 133. IOC-Versammlung in Buenos Aires sollen die Delegierten die Bewerber nun offiziell nominieren.


Die Kandidaten verfügten über große Wintersporterfahrung und eine gute Infrastruktur, sagte IOC-Vizepräsident Juan Antonio Samaranch jr. bei der Vorstellung der Bewerber. Wer die übernächsten Winterspiele austragen darf, entscheidet das IOC im September 2019. Fest steht hingegen schon, auf welchem Kontinent die nächsten Olympischen Jugendspiele stattfinden: Afrika bekommt seine ersten olympischen Wettbewerbe. Die IOC-Führung hat für 2022 den Senegal vorgeschlagen. Bei der Versammlung in Buenos Aires wurde die endgültige Entscheidung getroffen. „Es ist Zeit für Afrika. Afrika ist die Heimat vieler erfolgreicher und bekannter olympischer Athleten. Afrika ist ein Kontinent der Jugend. Deshalb wollen wir die Olympischen Jugendspiele 2022 nach Afrika und in den Senegal bringen“, sagte IOC-Präsident Thomas Bach zuletzt.

Beim zweitägigen Treffen im Hilton-Hotel im Jachthafen Puerto Madero werden die Verantwortlichen außerdem über den Stand der Vorbereitungen der kommenden olympischen Wettbewerbe berichten: Olympische Sommerspiele 2020 in Tokio, Winterspiele 2022 in Peking und Sommerspiele 2024 in Paris. Außerdem sollen neun neue Mitglieder in das IOC gewählt werden.



Ärger droht hingegen bei der Verabschiedung der Erklärung über Rechte und Pflichten der Sportler. Eigentlich sollen die Athleten durch das Dokument vor Missbrauch, Doping und Diskriminierung geschützt werden. Kurz vor der IOC-Versammlung in Buenos Aires hat sich allerdings Widerstand geregt. „Wir unterstützen die Idee hinter der Initiative, haben aber einige Bedenken bezüglich der Verabschiedung des Dokuments“, hieß es zuletzt in einer gemeinsamen Erklärung mehrerer Sportler-Verbände, darunter der Athletenkommission des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB).

In der bisherigen Fassung gewähre die Erklärung den Sportlern nicht ausreichenden Schutz, hieß es in dem Schreiben an IOC-Präsident Bach. Zudem sei unklar, wie Verletzungen der Rechte sanktioniert würden. „Wir, die Athleten, die so viel für den Sport geopfert haben, bitten darum, dass eine Erklärung aufgesetzt wird, die uns schützt, der wir vertrauen und die wir unterstützen können“, schrieben die Sportler.

Athletensprecher Petr Koukal sagte: „Wir trainieren und wollen schneller laufen, schwimmen oder unseren Sport besser machen. Dafür erhalten wir aber keine Mitsprache. Wir bekommen nur die Entscheidungen mitgeteilt, und das tut weh. Allen“, meinte der tschechische Badmintonspieler. Auch Max Hartung, am Wochenende im Amt des Vorsitzenden der Athletenkommission des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) bestätigt, sieht immer mehr IOC-Gegner unter den Sportlern. „Das ist ein grundsätzlicher Trend, den das IOC gerade wahrnimmt und den sie nicht aufhalten können“, meinte der Fechter.

Das IOC gibt sich nach außen gelassen, obwohl es intern schon mit den Athleten Gespräche geführt hat. „Es gibt einzelne Stimmen von Sportlern, die eine andere Meinung haben. Das ist normal. Aber wir haben eine demokratisch gewählte IOC-Athletenvertretung, die respektieren wir“, sagte Bach. Mittlerweile finden die Athleten auch Sympathisanten im IOC. Richard Pound, dienstältestes IOC-Mitglied und traditionell in Opposition zu Bach, sagte angesichts des anhaltenden Konfliktes: „In unserer Organisation gibt es diese enorme Machtfülle des Präsidenten, und ich glaube wirklich, dass das IOC und die Funktionäre sich nicht genug mit den Sportlern auseinandergesetzt haben, sich zu wenig um sie kümmern, zeitlich und auch finanziell.“