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Volleyball: TV Holz will nicht in Bundesliga aufsteigen

Volleyball : Trotz überragender Saison: Darum will der TV Holz nicht in die Bundesliga aufsteigen

Die Volleyballerinnen des TV Holz haben in der 2. Liga alle Erwartungen übertroffen. Rein sportlich könnten sie in die Bundesliga aufsteigen. Aber es gibt Bedenken.

2017 stellten die Volleyballerinnen des TV Holz einen Drei-Jahres-Plan vor. Spätestens 2020 sollte der Aufstieg in die 2. Bundesliga gelingen. Durch eine erfolgreiche Saison und etwas Glück bei der Aufstiegs-Regelung schafften die Saarländerinnen mit dem 3. Platz in der 3. Liga Süd den Schritt in die zweithöchste Spielklasse Deutschlands bereits im Sommer 2018. Die erste Spielzeit im deutschen Unterhaus neigt sich nun dem Ende zu. Während die weiteren Aufsteiger die letzten vier Plätze der Tabelle belegen, ist den Prowin Volleys Platz vier nicht mehr zu nehmen. Am Sonntag bestreitet der TV ab 16 Uhr in der Multifunktionshalle der Hermann-Neuberger-Sportschule in Saarbrücken sein letztes Heimspiel der Saison gegen den ungeschlagenen Tabellenführer VC Offenburg.

Schon jetzt ist klar: Die Mannschaft hat die Erwartungen des Vereins weit übertroffen. War vor Rundenbeginn der frühzeitige Klassenverbleib das Saisonziel, liebäugelt der TV Holz aktuell noch mit Platz drei. Ist das gute Abschneiden ein Fingerzeig, wohin der Weg der Mannschaft führen kann, die bereits von 2014 bis 2016 in der 2. Bundesliga spielte, sich dann aber sang- und klanglos in die 3. Liga verabschiedete?

„Grundsätzlich gibt es den Plan, dass wir uns vornehmen wollen, mittelfristig Meister der 2. Liga zu werden“, bestätigt Patrick Fielker, hauptamtlicher Trainer des TV Holz, dass der nächste Schritt in der Entwicklung nicht gänzlich ausgeschlossen sei. Er und sein gleichgestellter, nicht hauptamtlicher Trainerkollege Ralf Dodler haben ihre bestehenden Verträge verlängert, wie der Verein am Dienstag mitteilte. Aktuell sei der Aufstieg in die Bundesliga aber noch kein Thema.

Das stellte der TV Holz bereits im Januar klar, als Tabellenführer VC Offenburg bekannt gab, dass er sich am Ende der Spielzeit aus der 2. Bundesliga zurückziehen werde. „Wir sind dieses Jahr erst aufgestiegen und haben deutlich besser abgeschnitten, als wir es uns vorgestellt haben. Aber wir sehen das komplett realistisch. Es wird schwer genug, dieses Jahr zu wiederholen“, betont Philipp Grau, Geschäftsführer der Prowin Volleys: „Kernziel ist insbesondere die Förderung der eigenen Jugend und die Stabilisierung des bisher Erreichten.“

Aber steht diese Aussage nicht im Widerspruch zur aktuellen Transferpolitik des TV Holz? Schließlich tragen die drei US-Amerikanerinnen Lauren Hackett (Außenangriff), Sara Davis (Mittelblock) und Kelsey Chambers (Diagonal), die kurz vor Saisonbeginn zum Kader hinzugestoßen sind, erheblichen Anteil am guten Abschneiden der Saarländerinnen. Gemeinsam gewannen sie 20 von 22 Auszeichnungen für die besten Spielerinnen einer Partie. Alle drei werden den Club am Ende der Saison verlassen.

„Es gilt auch für die 1. Liga, dass sich die Kaderzusammenstellung Jahr für Jahr entscheidet. Das ist kein Ausschlusskriterium“, sagt Grau. Fielker bestätigt aber: „Das ist ein berechtigter Einwand. Dieses Jahr hat das außerordentlich gut geklappt, spielerisch und menschlich.“ In Bezug auf internationale Transfers gebe es „schon ein gewisses Fragezeichen. Aber wenn wir wirklich Interesse haben, sprechen wir vorher mit der Spielerin und schauen uns mehrere Stunden Videos an. Insgesamt bin ich da sehr optimistisch.“

Dennoch arbeite der Verein an einer Alternative, um das Konzept, Spielerinnen aus Übersee zu verpflichten, nicht permanent in dieser Form aufrechterhalten zu müssen. „Wir wollen unseren bestehenden Kader halten und den US-Anteil im Kader auf Dauer verringern. Das Gute ist: Die Struktur, die wir haben, spricht sich herum. Man merkt, dass man in der 2. Liga akzeptiert ist.“ So sei der Verein aktuell auch mit verschiedenen deutschen Spielerinnen im Gespräch. Über den Stand der Gespräche wollte der Verein indes keine konkrete Auskunft geben.

Die Trainer Ralf Dodler (links) und Patrick Fielker werden die Prowin Volleys auch in der kommenden Saison betreuen. Foto: Georg Kunz

Aktuell deutet zumindest alles darauf hin, dass der derzeitige Kader, mit Ausnahme der US-Amerikanerinnen, wohl nahezu unverändert bestehen bleiben wird. Doch selbst wenn Trainer, Spielerinnen und sportliche Qualifikation den Aufstieg ermöglichen würden, ein großes Fragezeichen lässt sich nicht beseitigen: die Finanzen. Der Jahresetat des TV Holz liegt im niedrigen sechsstelligen Bereich. „Und er ist jedes Jahr Spitz auf Knopf genäht. Es gibt keine riesigen Reserven. Das ist jedes Jahr Sisyphos-Arbeit“, sagt Geschäftsführer Grau. „Die reine sportliche Qualifikation für die 1. Liga reicht bei weitem nicht aus. Der Etat müsste sich eigentlich versiebenfachen, um in der Bundesliga dauer­haft konkurrenzfähig zu bleiben.“ Die Freude über die aktuelle Saison trübt diese Aussicht allerdings nicht.