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Volkswagen ante portas

Volkswagen ante portas

Trier. Das weiße Hemd ist frisch gebügelt, die Haare sind akkurat geschnitten. Nein, ein Draufgänger ist Christian Riedemann nicht. Ruhig sitzt der 23-Jährige bei der Pressekonferenz zur Deutschland-Rallye auf dem Podium. "Das ist der Traum eines jeden Rallyefahrers", sagt Riedemann. "Und es ist eine einmalige Chance." Er sagt das sachlich, nüchtern

Trier. Das weiße Hemd ist frisch gebügelt, die Haare sind akkurat geschnitten. Nein, ein Draufgänger ist Christian Riedemann nicht. Ruhig sitzt der 23-Jährige bei der Pressekonferenz zur Deutschland-Rallye auf dem Podium. "Das ist der Traum eines jeden Rallyefahrers", sagt Riedemann. "Und es ist eine einmalige Chance." Er sagt das sachlich, nüchtern. So als würde er am Flughafen einen Leihwagen abholen. Dabei fährt er ab heute die Deutschland-Rallye für VW.Die Wolfsburger geben 2013 ihr Comeback in der Weltmeisterschaft, die Entwicklung des Rallye-Polos läuft auf Hochtouren. "Im Februar begannen Konzeption und Auslegung des Fahrzeugkonzepts. Noch 2011 soll der erste Testlauf erfolgen", sagt VW-Motorsport-Direktor Kris Nissen. Doch bereits jetzt gibt VW Gas - mit einem 270 PS starken Skoda Fabia S 2000. Während das Team dabei künftige Abläufe probt, werden parallel Fahrer getestet. "Wir möchten 2013 im Fahrer-Kader neben dem ein oder anderen erfahrenen Spitzenpiloten auch Top-Talente präsentieren", erklärt Nissen. "Daher werden wir jungen Piloten die Chance geben, sich unter Wettbewerbsbedingungen zu präsentieren. Es wäre toll, wenn wir so einen neuen Walter Röhrl oder eine Michèle Mouton finden würden."

Ob Riedemann der neue Röhrl wird? Der 23-jährige Hobbyfeuerwehrmann aus dem 600-Einwohner-Ort Groß Lessen (bei Bremen) nimmt den Fuß vom Gas. "VW hat mir keine Vorgaben gemacht", sagt er. Aber er wolle vor allem "nichts kaputt machen und ins Ziel kommen." Anders als die beiden finnischen Piloten vor drei Wochen beim ersten Auftritt des VW-Teams. Riedemanns Problem: Er konnte sein Einsatzauto bislang nur zwei Mal testen. Ansonsten ist er in der Nachwuchsserie WRC Academy in einem Ford unterwegs.

Ein anderer deutscher Hoffnungsträger ist da weiter: Hermann Gassner junior. Er ist wie Riedemann 23, auch Auto-Mechatroniker und startet ebenfalls in einem Skoda Fabia - allerdings im Red-Bull-Team. Auch ansonsten ist er ganz anders. Vor allem draufgängerischer. Sein Lieblingsspruch: "Das Tempo hat gestimmt, nur die Kurve war zu eng." 2009 war er der jüngste deutsche Rallyemeister der Geschichte, und viele trauen ihm am ehesten den Sprung in die Weltelite zu. Vielleicht ja mit VW.

Ein Dritter, Aaron Burkart, schien es letzte Saison eigentlich schon geschafft zu haben. 2010 wurde der Singener Junioren-Weltmeister. Doch während das für viele das Sprungbrett für eine große Karriere war, wurde es für Burkart zur Sackgasse. Ihm fehlte das Geld. Für die Deutschland-Rallye hat er nun alles zusammengekratzt und sich im privaten Stobart-Ford-Team eingekauft. Dort ist er Teamkollege des WM-Sechsten Mads Ostberg. Ziel: in die Punkte fahren und auf sich aufmerksam machen. Wie der nächste Zug danach aussieht, weiß der passionierte Schachspieler noch nicht: "Dann ist erstmal mein Budget aufgebraucht." Burkart hat vor allem ein Problem: Mit 28 läuft ihm schon die Zeit davon. Für ein VW-Junior-Team wäre er 2013 zu alt. wip

Am Rande

Bei der Deutschland-Rallye sind auch Saarländer am Start: Christian Bächle/Gino Kruhs (beide Homburg) sowie Wolfgang Ehlhardt/Martin Brack (Kusel/Lebach) in einem Suzuki Swift, Christian Hickethier/Johannes Fries (Losheim/Rissenthal) in einem Honda Civic sowie Sebastian Schwinn/Michael Riga (Beckingen/Lebach) in einem Peugeot 207. Zudem gibt Josef Wecker (Losheim) in einem Opel Astra GTC Diesel Gas.

Im Rahmen des deutschen Meisterschaftslaufs fahren Timo Bernhard/Klaus Wicha (Homburg/Bad Hersfeld) im Porsche 911 sowie Lars Mysliwietz/Oliver Schumacher (Piesbach/Fluterschen) auf einem Citroen C2R2. Isabelle Brack (Lebach) ist als Co-Pilotin von Andreas Konrath im Opel Astra dabei. wip