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Völklingerin Lisa Klein will bei Bahnrad-WM in Berlin Medaille gewinnen

Kostenpflichtiger Inhalt: Interview mit Radsportlerin Lisa Klein : „Ich will natürlich eine Medaille gewinnen“

Die 23-Jährige aus Lauterbach startet ab diesem Mittwoch bei der Bahnrad-WM in Berlin. Spagat zwischen Bahn und Straße gelingt.

Lisa Klein arbeitet an ihrem Traum von Olympia – auf der Bahn und auf der Straße. Die Radsportlerin aus Völklingen-Lauterbach erlebte 2019 ihr bestes Jahr, die 23-Jährige ist in der Weltspitze angekommen. 2016 bei den Spielen in Rio war sie dabei, blieb aber ohne Einsatz im Bahn-Vierer. Fest nominiert für Olympia ist die Sportsoldatin der Fördergruppe der Bundeswehr noch nicht, aber eigentlich ist das nur Formsache. Ab diesem Mittwoch steht die Bahnrad-WM in Berlin auf dem Programm. Dort soll eine Medaille her – so wie 2019 bei der WM im polnischen Pruszków, als Lisa Klein Bronze in der Einerverfolgung gewann. Die SZ hat mit ihr über ihre Ziele gesprochen.

Frau Klein, Sie sind 2019 endgültig in der absoluten Weltklasse angekommen. Wie fällt Ihre Bilanz aus?

LISA KLEIN Ich habe mich weiterentwickelt, Schritt für Schritt. Es war ein geiles Jahr, wenn ich darauf zurückblicke. Das musste ich Ende der Saison erst mal realisieren, das ist mir nicht so einfach gefallen, und das war schon nicht so selbstverständlich. Aber ich habe mich natürlich auch nicht zurückgelehnt und gedacht: Toll, jetzt kann ich mal ein bisschen weniger machen. Es ist immer das Ziel: Bis Olympia will ich die bestmögliche Entwicklung machen.

2019 wurden Sie – wie 2018 – zur Saarsportlerin des Jahres gewählt. Bei der Wahl zu Deutschlands Radsportlerin des Jahres wurden Sie nur knapp von Franziska Brauße geschlagen. Dazu kam, weil Sie in Erfurt leben und trainieren, die Auszeichnung zu Erfurts Sportlerin des Jahres. Was bedeutet Ihnen das?

KLEIN Das freut mich natürlich besonders. Die Auszeichnungen haben mich realisieren lassen, was ich geschafft habe. Gerade die Ehrung im Saarland – das war ein ganz toller Abend, mit meinen Freundinnen, die mich begleitet haben, und mit meiner Familie. Da war ich wirklich sehr gerührt. Das hat auch Motivation über den Winter gegeben, wenn es mal harte Momente gegeben hat. Bei den Sixdays in Berlin im Januar bin ich gestürzt und hatte da ganz schön zu tun mit. Das ist ein Grund, immer wieder aufzustehen.

Wie sind Sie ansonsten über den Winter gekommen?

KLEIN Ich klopfe mal auf Holz, ich hatte keine Erkältung. Was natürlich nicht so gut war, war der Sturz bei den Sixdays. Ich bin brutal auf die Hüfte geknallt und hatte ein sehr starkes Hämatom. Aber es ist alles mit der Unterstützung von Chiropraktik und Physiotherapie Gott sei Dank gutgegangen.

Bei der Bahnrad-Heim-WM in Berlin treten Sie ja erneut im Berliner Velodrom an: im Einzelzeitfahren, im Vierer (Mixed) und im Madison (Zweier mit häufiger Ablöse). Wie sind die Aussichten in Berlin?

KLEIN Dass ich drei Starts bei der WM habe, ist ein Riesending. Ziel ist es, sich ordentlich zu präsentieren und natürlich eine Medaille zu gewinnen. Ich hoffe, die, die am meisten scheint. Wenn wir im Vierer alle einen guten Tag haben, bin ich der Meinung, dass wir eine Medaille gewinnen können. Der Vierer hat ja die Olympia-Qualifikation sicher. Ich erwarte ein sehr hohes Leistungsniveau, weil es ein olympisches Jahr ist. Es wird hauchdünn entschieden. Es sind nur vier Kilometer, die müssen perfekt sitzen.

Wie sieht es im Zeitfahren aus?

KLEIN Im Einzelzeitfahren habe ich kein Riesenziel, außer meine persönliche Bestzeit zu verbessern. Da freue ich mich drauf, weil ich da alleine bin, es ist meine eigene Verantwortung. Einzelzeitfahren auf Straße und Bahn sind halt eine meiner Lieblingsdisziplinen. Ich bin gespannt, wo ich jetzt ein Jahr später mit meiner Entwicklung stehe. Ich will meine Freunde und Familie, die da sind, als Motivation nutzen. So dass ich nach dem Rennen hoffentlich sagen kann: Hey, ich hab’ alles gegeben und hatte Gänsehaut an der Startlinie, es war ne geile WM.

Und im Zweier-Mannschaftsfahren Madison?

KLEIN Ich bin jetzt einige Madisons gefahren bei den Sixdays oder Weltcups, trotzdem fehlt bei mir die Routine und Rennerfahrung. Madison ist sehr komplex, ich habe eben später angefangen. Trotzdem freue ich mich über die neue Herausforderung. Ich habe mit Franziska Brauße eine ganz gute Partnerin an der Hand. Wir haben unterschiedliche Stärken und ergänzen uns. Trotzdem passieren noch einige Fehler während des Rennens. Wir sind auf keinen Fall Favoriten, eher Underdogs. Ich will vor allem ein technisch und taktisch sauberes Rennen fahren, keine Ablösung verpassen.

Wie groß ist eigentlich der Spagat zwischen Straße und Bahn?

KLEIN Es ist schwierig. Aber es kommt ja von mir, vom Athleten, ich will es ja so, ich will die Herausforderung, ich will das rocken.

Wie plant man eine Saison zweigleisig? Gerade weil Sie ja bei einem Profiteam Canyon/SRAM unter Vertrag stehen.

KLEIN Zuerst einmal ist mein Team bereit, Kompromisse einzugehen. Das ist nicht selbstverständlich, wenn man einen Profivertrag hat und dort Leute sitzen, die alles für deine Entwicklung tun. Wir haben das von Anfang an zusammen besprochen und beschlossen. Wir haben das Hauptziel Einzelzeitfahren, dafür hat mich das Team zwei Jahre lang unterstützt – mit Wissenschaft, mit Aerodynamik, mit bestimmten Radrennen. Ohne das Team wäre ich auch auf der Bahn nicht da, wo ich jetzt bin. Die Straßenrennen passen nicht so zu meinem Renntyp, zu meinen Stärken. Als Helferin ja, aber mein Hauptziel ist das Einzelzeitfahren. Yorkshire war im vergangenen September meine erste Straßen-WM. Als Fünfte im Einzelzeitfahren habe ich da auch einen Olympia-Startplatz für mein Land herausgefahren. Natürlich liegt meine Vorbereitung, auch jetzt im Trainingslager, auf dem Schwerpunkt Olympia und Zeitfahren. Aber insgesamt harmoniert es einfach gut mit der Bahn.

Was fahren Sie denn lieber, Bahn oder Straße?

KLEIN Ich denke da gar nicht so oft drüber nach. Die Straße hat Priorität, ich habe dort meinen Profivertrag. Ich muss aber auch ganz ehrlich sagen; Ich liebe es, zurück auf die Bahn zu kommen. Das mache ich ja freiwillig. Klar muss ich Kompromisse eingehen, gerade weil ich in der Bundeswehr bin. Im Großen und Ganzen macht mir beides Spaß, da will ich mich nicht entscheiden.

Sie leben und trainieren ja seit 2016 in Thüringens Hauptstadt Erfurt. Wie viel Zeit bleibt da noch für Heimatbesuche in Lauterbach?

KLEIN So oft es geht eben, immer mal wieder für kurze Abstecher. Nach der WM geht es auch wieder ins Saarland. Ich liebe es, zu Hause und bei der Familie zu sein. Trotz allem fühle ich mich in Erfurt sehr wohl. Erfurt ist auch eine sehr schöne Stadt. Ich habe da ja meine Trainingsumgebung und den Olympiastützpunkt und werde dort kräftig unterstützt. Ich fühle mich da sehr gut aufgehoben, habe da meine Freunde.

Eine ist die nach ihrem Radunfall querschnittsgelähmte Kristina Vogel. Sie ist in Berlin WM-Botschafterin und TV-Expertin. Wie oft reicht die Zeit, sich zu treffen?

KLEIN Kristina ist immer sehr beschäftigt und hat mehr Termine als ich. Ich freue mich immer, sie zu sehen. Wir sind es gewöhnt, wenig Zeit zu haben. Meine besten Freundinnen wissen, was ich mache, und stehen auch hinter mir.

Nationalmannschaftskollegin Lisa Brennauer sagt über Sie: „Sie reißt einen mit ihrer Lockerheit mit.“ Ihre Madison-Partnerin Franziska Brauße sagt, Sie seien „sehr ehrgeizig.“ Bundestrainer André Korff lobt Ihre Mentalität: „Was sie ausmacht, ist ihr extremer Wille.“ Haben Sie das trainiert, oder waren Sie schon als Kind so ehrgeizig?

KLEIN Ich war schon immer jemand, der keine halbe Sachen macht. Ich mache etwas entweder ganz oder gar nicht. Ich bin sehr stolz, dass ich meine Leidenschaft zum Beruf gemacht habe und genieße es auch.

Wie lange läuft Ihr Vertrag beim Profiteam Canyon/SRAM noch?

KLEIN Es ist noch nicht offiziell, aber auch nach Olympia plane ich weiter mit meinem Team. Wann das in trockenen Tüchern ist, kann ich noch nicht beantworten. Ich werde da toll unterstützt, es läuft supergut. Ich habe mir erkämpft, in diesem Team fahren zu dürfen. Das war mein Traum, schon im ersten Jahr, als ich bei der U19 gefahren bin.