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Vielleicht der Beste der Welt

Vielleicht der Beste der Welt

Gelsenkirchen. Mittlerweile erscheint ein Lächeln auf den Lippen von Horst Heldt, wenn die unvermeidliche Frage kommt. Wie nach jedem Spiel wollte auch nach dem in der Verlängerung erkämpften 3:1 gegen Viktoria Pilsen jemand wissen, wie es um die Verhandlungen mit Raúl stehe. Andere Manager wären längst genervt, Heldt hingegen scheint die Debatte langsam lieb zu gewinnen

Gelsenkirchen. Mittlerweile erscheint ein Lächeln auf den Lippen von Horst Heldt, wenn die unvermeidliche Frage kommt. Wie nach jedem Spiel wollte auch nach dem in der Verlängerung erkämpften 3:1 gegen Viktoria Pilsen jemand wissen, wie es um die Verhandlungen mit Raúl stehe. Andere Manager wären längst genervt, Heldt hingegen scheint die Debatte langsam lieb zu gewinnen. Denn neben diesem emotional aufgeladenen Thema wirkte das große Spiel gegen den FC Bayern am Sonntag (15.30 Uhr in München) gar nicht mehr so groß. Und Heldt musste kein Wort über Schalker Titelträume verlieren.Zu Raúl berichtete der Manager des Fußball-Bundesligisten Schalke 04 geduldig, dass es "keinen neuen Stand" gebe, "wir wollen verlängern, er möchte das wahrscheinlich auch". Es geht um das Gehalt und die Vertragslaufzeit. Verständlicherweise wollen die Schalker keinen alternden Star beschäftigen, der irgendwann als Top-Verdiener für Unruhe sorgt. Raúl, der im Moment angeblich sieben Millionen Euro verdient, muss den Schalkern also entgegenkommen oder den Club im Sommer verlassen. Das wäre zwar ein Verlust, sicher aber keine Katastrophe, denn auf Schalke ist ja auch noch Klaas-Jan Huntelaar.

Dieser imposante Holländer wird von den Anhängern zwar nicht so hingebungsvoll verehrt wie der legendäre Spanier, dafür ist er bei den Gegnern erheblich gefürchteter. Huntelaar spielt eine unglaubliche Saison. In 33 Pflichtspielen hat er 33 Tore geschossen, auf ähnliche Quoten kommen in Europa nur Cristiano Ronaldo und Lionel Messi, die besten Stürmer der Welt. Und zu Huntelaars 33 Treffern kommen in dieser Saison geschätzte 50 ungenutzte Großchancen.

Wahrscheinlich gibt es in Europas Strafräumen derzeit keinen Angreifer, der mehr Angst und Schrecken verbreitet. "Ich bekomme eben gute Flanken, da ist es leicht, Tore zu schießen", lautete seine Erklärung. Mit seinen drei Toren konnte er zwar nicht verhindern, dass Schalke drei Tage vor der Partie in München 120 lange Minuten spielen musste, aber er sicherte dem ziemlich fahrlässig (und lange Zeit in Überzahl) agierenden FC Schalke den Einzug ins Europa-League-Achtelfinale gegen Twente Enschede. "Im Strafraum", hat Louis van Gaal, der ehemalige Trainer des FC Bayern einmal gesagt, "ist Huntelaar der Beste der Welt".

Huntelaar erzeugt nicht diese zauberhaften Momente wie Raúl, und er ist auch keiner, der ständig das Tor des Monats erzielt wie Lukas Podolski. Seine Qualität liegt in seiner Fähigkeit, immer im richtigen Moment am richtigen Ort zu sein. Und in seiner Krisenresistenz. Am vorigen Wochenende gegen den VfL Wolfsburg hat der 27-Jährige einen Elfmeter verschossen und danach eine Riesenchance vergeben. Andere Stürmer fangen in solchen Situationen an, zu hadern. Huntelaar hat trotzdem noch ein Tor gemacht, und im nächsten Spiel gegen Pilsen gleich drei.

Dank Raúl und Huntelaar ist Schalke 04 wie in der großen Saison 2000/2001 eine Angriffsmaschine. Kein Team hat mehr Treffer erzielt, denn neben den beiden Torjägern gibt es ja auch noch Jefferson Farfán, den stürmenden Außenverteidiger Christian Fuchs und Leute wie Julian Draxler oder den immer besser werdenden Chinedu Obasi. Der Mann, der alles überstrahlt, ist aber Huntelaar, mit sieben Vorlagen auch bester Vorbereiter.

hintergrund

Im Spiel zwischen Bayern München und dem FC Schalke 04 kommt es auch zum Duell der Top-Torjäger der Bundesliga. Bayern-Stürmer Mario Gomez und Schalkes Angreifer Klaas-Jan Huntelaar führen die Torschützenliste nach 22 Spieltagen mit je 18 Treffern an. Huntelaar liegt im Gesamtsaison-Vergleich des Duos vorn: Der 28-Jährige hat für Schalke in 33 Pflichtspielen 33 Tore erzielt. Nationalspieler Gomez traf in 32 Partien insgesamt 27 Mal. dpa