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Fußball-Bundesliga
Spuckattacke und wütende Fans

Stuttgart. Beim VfB Stuttgart wird durch das 0:1 gegen Bayer Leverkusen die Lage immer prekärer. Die Nerven bei den Schwaben liegen blank. sid

Eine hässliche Spuckattacke von Santiago Ascacibar, aufgebrachte Fans, die gegen den Präsidenten wüten, ein angezählter Trainer mit einer verheerenden Bilanz: Das verdiente 0:1 (0:0) gegen Bayer Leverkusen hat die ohnehin schon angespannte Lage beim krisengeplagten VfB Stuttgart erheblich verschärft. Die Nerven bei den Schwaben liegen vor dem Abstiegs-“Endspiel“ am kommenden Samstag (15.30 Uhr/Sky) beim FC Augsburg blank.


Bezeichnend war der skandalöse Aussetzer von Ascacibar, der in der Nachspielzeit Bayers Kai Havertz anspuckte und Rot sah. „Er hat in dieser Situation ganz klar eine Grenze überschritten. Das dulden wir nicht, und wir werden diese Aktion auch intern bestrafen. Da müssen wir ein klares Zeichen setzen“, sagte Sportvorstand Thomas Hitzlsperger. Ascacibar müsse „seine Emotionen im Griff haben“, hatte ein verärgerter VfB-Trainer Markus Weinzierl zuvor bereits betont.

Das hatte der argentinische Heißsporn aber selbst nach seinem Platzverweis nicht, als er völlig ausflippte und auch noch versuchte, Havertz ins Gesicht zu schlagen. Nur das beherzte Eingreifen von Schiedsrichter Tobias Stieler (Hamburg) verhinderte Schlimmeres. „Solche Leute braucht man in der Bundesliga nicht“, sagte Bayer-Angreifer Kevin Volland in aller Deutlichkeit über Ascacibar (22). Für Leverkusens Trainer Peter Bosz war dies „das Schlimmste, was man machen kann“.



Der Ausraster von Ascacibar, dem ein lange Sperre droht, war der Tiefpunkt eines Nachmittags zum Vergessen für den angeschlagenen, biederen und harmlosen VfB. Nach dem erneuten Rückschlag in der entscheidenden Phase des Abstiegskampfes mussten sich die Profis heftige Pfiffe der Fans gefallen lassen. Für die VfB-Anhänger ist aber vor allem Präsident Wolfgang Dietrich der Schuldige an der Misere: Vehement forderten sie zum wiederholten Male dessen sofortigen Abgang.

Da kann Hitzlsperger mit der jüngsten Verpflichtung von Sportdirektor Sven Mislintat noch so sehr die Zukunft planen – die Gegenwart sieht sehr düster aus. „Wir dürfen nicht anfangen, den Frust über die derzeitige Lage nach außen zu tragen. Ich appelliere an jeden Einzelnen, die Ruhe zu bewahren“, mahnte Hitzlsperger. Man müsse nun „einen Plan“ für das brisante Derby beim FCA entwickeln. Besonders Weinzierl, der wohl spätestens nach Saisonende gehen muss, ist gefordert. Er kann der verunsicherten Mannschaft weiterhin nicht die gewünschten Impulse geben. Nur vier Siege in 21 Ligaspielen und nur einer aus den letzten 14 Partien, dafür 14 Niederlagen sprechen Bände. Nur noch drei Punkte beträgt der Abstand auf den Tabellen-17. 1 FC Nürnberg. Entsprechend konsterniert war der ratlos wirkende Trainer nach der erneuten Pleite. „Wir haben es defensiv ganz ordentlich gemacht, aber das reicht alleine nicht. Offensiv war das zu wenig“, sagte Weinzierl.

Es passte ins Bild, dass ausgerechnet Routinier Gonzalo Castro („Die Niederlage geht klar auf meine Kappe“) mit einer völlig unnötigen Attacke gegen Volland das Spiel entschied. Havertz (19) verwandelte in seinem 100. Pflichtspiel für Bayer (24 Tore, 22 Vorlagen) den fälligen Elfmeter (64.) cool und bescherte Bayer nach drei Niederlagen im Kampf um den Europacup das erwünschte Erfolgserlebnis.

„Wenn wir es irgendwie schaffen wollen, die Liga noch direkt zu halten, müssen wir in Augsburg unbedingt gewinnen“, sagte VfB-Torwart Ron-Robert Zieler: „Das ist ein brutal wichtiges Spiel.“