| 21:02 Uhr

Formel 1 so gut wie entschieden
Für Hamilton ist der Titel nur noch Formsache

Mercedes-Pilot Lewis Hamilton packt nach dem Großen Preis von Japan in Suzuka die Sieger-Faust aus. Der Brite gewann sechs der letzten sieben Formel-1-Rennen und ist so gut wie Weltmeister.
Mercedes-Pilot Lewis Hamilton packt nach dem Großen Preis von Japan in Suzuka die Sieger-Faust aus. Der Brite gewann sechs der letzten sieben Formel-1-Rennen und ist so gut wie Weltmeister. FOTO: dpa / Toru Takahashi
Suzuka. Ferrari-Pilot Sebastian Vettel patzt auch beim Großen Preis von Japan und verliert in der WM-Gesamtwertung entscheidende Zähler. sid

Sebastian Vettel schüttelte die Hände seiner Ferrari-Mechaniker, er schaute jedem einzelnen tief in die Augen und sagte „Grazie“ – dann nahm er den aus seiner Sicht Schuldigen für das Ende seiner WM-Träume im Dauerduell mit Lewis Hamilton knallhart ins Visier. „Es ist immer das Gleiche mit Max: Er hält dagegen, wenn er nicht dagegenhalten sollte. Dass ich da rausfliege, ist einfach nicht richtig“, sagte Vettel und stellte nach seinem Alles-oder-nichts-Manöver von Suzuka das streitbare Formel-1-Wunderkind Max Verstappen vom Red-Bull-Rennstall an den Pranger.


Ob es ein Ablenkungsmanöver von den eigenen Fehlern der vergangenen Wochen sein sollte oder aber reine Frustbewältigung, blieb das Geheimnis des viermaligen Weltmeisters. Der Große Preis von Japan jedenfalls unterstrich beispielhaft einen Trend in der Formel 1: Bei Vettel und der Scuderia zieht jedes Risiko derzeit fast zwangsläufig eine Pleite nach sich, während Hamilton und Mercedes beinahe mühelos von Erfolg zu Erfolg eilen.

Nach Platz sechs am Sonntag ist Vettels Rückstand auf den abermals siegreichen Weltmeister aus England von 50 auf 67 Punkte angewachsen. Schon beim viertletzten Saisonrennen in Austin/Texas am 21. Oktober kann Hamilton seinen fünften WM-Titel perfekt machen. Hierzu muss er „nur“ acht Punkte mehr holen als Vettel. Angesichts der aktuellen Eindrücke scheint das eine Formsache zu sein.



„Wenn ich es nicht in der Kurve versuche, dann kann ich auch zu Hause bleiben“, rechtfertigte Vettel die Szene des Rennens. Seine Lesart: Kommt er an Verstappen vorbei, ist er Dritter und kann Jagd auf Hamilton und dessen am Ende zweitplatzierten Teamkollegen Valtteri Bottas (Finnland) machen. Dabei hätte Vettel wohl nur ein wenig Geduld haben müssen. „Er war viel schneller. Eine oder zwei Runden später hätte er mich überholt auf der Geraden. Aber ich wollte ihm den Platz nicht kampflos überlassen“, erklärte Verstappen, der letztlich Rang drei einheimste. Der Niederländer ließ Vettel dann noch eines wissen: „In der Kurve kannst du nicht überholen.“

Hamilton hatte mit derlei Scharmützeln nichts zu tun. Spielerisch leicht fuhr der Dominator des gesamten Wochenendes seinen sechsten Sieg aus den letzten sieben Rennen ein. Nebenbei schraubte er seine persönliche Statistik in neue Höhen: 80. Pole Position am Samstag, 71. Grand-Prix-Sieg am Sonntag – 50 davon für Mercedes in nicht mal sechs Jahren. Hamilton wird wohl alsbald mit dem legendären Argentinier Juan Manuel Fangio (5 WM-Titel) gleichziehen. Mehr Weltmeisterschaften (7) hat nur Michael Schumacher auf dem Konto.

„Ich hoffe, ihr langweilt euch nicht allmählich. Ich tue es auf keinen Fall“, scherzte der 33-Jährige nach der Siegerehrung. Dass der WM-Titel nach einer bis Ende August überaus ausgeglichenen Saison nun zum Greifen nah ist, war allerdings auch dem Rekordjäger kaum begreiflich zu machen: „Ich gehe Schritt für Schritt weiter. Ich will einfach das Biest in Austin wieder über die Strecke jagen.“

Zu dieser rasanten Entwicklung trug Mercedes selbst durch wiedergewonnene Konstanz und Stärke bei. Doch auch die „Fehler-Festivals“ von Ferrari, die in Suzuka um gleich zwei Kapitel reicher wurden, spielten eine Rolle. Für Vettel hatte die „Mission Impossible“ nämlich bereits denkbar schlecht begonnen: Im Qualifying verwachste Ferrari mit Mischreifen bei trockener Strecke völlig. Von Startplatz acht statt aus Reihe eins oder zwei musste Vettel am Sonntag gleich voll attackieren.

Zwar war er schnell Vierter, in Runde acht aber wollte er viel – zu viel: Er attackierte Verstappen, obwohl dieser noch eine Fünf-Sekunden-Strafe absitzen musste, in der Spoon-Kurve mit einem sehr optimistischen Manöver. Vettel drehte sich, fiel auf den 19. Platz zurück und musste sich wieder nach vorne kämpfen. „Natürlich wusste ich, dass Max die Strafe hatte“, erklärte Vettel dünnhäutig: „Aber ich fahre ja nicht gegen ihn, sondern idealerweise gegen Lewis.“ Nur wohl nicht mehr in diesem Jahr.

Wieder ein Wochenende voller Pleiten, Pech und Pannen für Ferrari-Pilot Sebastian Vettel. Die WM ist wohl verloren.
Wieder ein Wochenende voller Pleiten, Pech und Pannen für Ferrari-Pilot Sebastian Vettel. Die WM ist wohl verloren. FOTO: dpa / Ng Han Guan