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Formel 1
Spannung auf der Berg- und Talbahn

Spa. Erstes Rennen der Formel 1 nach der Sommerpause findet im belgischen Spa statt. Das Duell Hamilton gegen Vettel spitzt sich allmählich zu. Von Walter Koster

Nach einer vierwöchigen Sommerpause startet die Formel 1 am Sonntag (15.10 Uhr RTL) beim Belgien-Grand-Prix in ihr 13. von 21 Saisonrennen. Mit aufgeladenen Batterien nach dem heißen Grand Prix in Ungarn wollen die Akteure zur „Himmelstür“ stürmen, wie die Sieben-Kilometer-Achterbahn oder Berg- und Talbahn in den belgischen Ardennen auch bezeichnet wird.


Alle Augen werden beim rasanten „Aufstieg“ in Spa-Francorchamps auf Vorjahressieger Lewis Hamilton im Mercedes und Ferrari-Jäger Sebastian Vettel gerichtet sein. Auf unterschiedliche Weise haben die beiden für diese Mission aufgetankt. Jetset-Lebemann Hamilton verbrachte die Hälfte seiner rennfreien Zeit mit Freunden auf einer Insel im Indischen Ozean. Familienmensch Vettel ging es ruhiger an. Tagesausflüge mit Lebenspartnerin Hanna und den Töchtern Emily (5) und Mathilda (3), Radtouren, ein bisschen Basteln an seinem Motorrad oder Rasenmähen – „was mich sehr beruhigt“ – waren das Kontrastprogramm des Ferrari-Stars.

Jetzt aber geht es wieder ans „Eingemachte“. Hamilton und Vettel – beide Ausnahmefahrer sind vier Mal Weltmeister. Das Wettrennen um WM-Titel Nummer fünf ist gnadenlos im Gange. Fünf Mal wechselte bisher die Führung zwischen dem „silbernen“ Gejagten und dem „roten“ Jäger. Drei Mal verlor der Deutsche die WM-Spitze. In Aserbaidschan, Frankreich und Hockenheim musste er die WM-Führung an seinen schärfsten Rivalen abtreten. Mit einem Rückstand von 24 Punkten (213:189) verabschiedete sich Vettel in die Sommerpause. Trotzdem lässt Kämpfernatur Vettel den Kopf nicht hängen. „Das Glück war manchmal eben auf unserer Seite und manchmal eben nicht. Bisher waren wir sehr konstant, konnten gut mithalten. Wichtig ist, dass wir dabei sind, Mercedes unter Druck zu setzen. In diesem Jahr haben wir bereits beweisen können, dass unser Auto stärker ist.“



Ferraris rote Rakete ist ein titelreifes Auto. Laut Experten haben die Italiener das schnellste Auto mit dem stärksten Motor in ihrem Boliden. Und dennoch wurden sieben von zwölf Rennen vor der Sommerpause tatsächlich nicht von dem schnellsten Auto gewonnen. Ferrari leistete sich zu viele Fehler. Zwei Mal verzockte sich der Kommandostand mit der Strategie, zwei verpatzte Boxenstopps kosteten Vettel Zeit und Plätze, hinzu kamen Unfälle und Kollisionen. Aber auch bei Mercedes lief nicht alles fehlerfrei. Beim Titelrivalen gab es ebenfalls Technikpannen und Fehlentscheidungen.

Das Pfund, mit dem Ferrari wuchern kann, ist die Kraft auf den Geraden. Jahrelang war das eine Mercedes-Domäne. Mit Beginn der Saison 2018 drehte Ferrari den Spieß um. Grund für diese neue Dominanz: Ferrari revolutionierte seinen 2018er Boliden, den Vettel auf den Namen „Loria“ getauft hat, während Mercedes seinen Wagen „nur“ weiterentwickelt hat. Die kommenden Pisten Spa und Monza sollten diesmal also Ferrari und Vettel liegen. Die letzten drei Jahre dominierte in Spa aber Mercedes (2015, 2017 Hamilton, 2016 Rosberg), in Monza hieß der Sieger sogar die letzten vier Jahre Mercedes (2014, 2015, 2017 Hamilton, 2016 Rosberg).

Fakt ist: Beide Rennställe liefern sich in dieser Saison ein packendes Duell auf Augenhöhe. Das sieht auch Ex-Pilot David Coulthard so. Der heute 47-jährige TV-Experte sagt: „Dieser Titelkampf Hamilton gegen Vettel wird in die Geschichte eingehen. Er ist für mich epochal. Wir haben in dieser Saison einen der besten Titelkämpfe seit Langem, wahrscheinlich einen der besten aller Zeiten.“ Der Schotte Coulthard warnt auch seinen Landsmann von der Insel: „Grundsätzlich muss Lewis bei jedem Rennen damit rechnen, dass Sebastian schneller ist.“ Kann ja in Spa und Monza schon durchaus der Fall sein.