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| 20:46 Uhr

Behindertensport
Vervoort will nicht mehr leiden

Brüssel. Die Paralympics-Siegerin will sterben. In Belgien kennt jeder ihr Schicksal.

Die belgische Paralympics-Siegerin Marieke Vervoort will ihr Leben beenden. In einem Interview mit der englischen Tageszeitung The Telegraph sagte die 38-Jährige, die 2012 in London als Handbikerin Leichtathletik-Gold gewonnen hatte: „Ich habe so starke Schmerzen. Ich kann nicht mehr. Ich will nicht mehr leiden.“ Die erforderlichen Papiere, um die in ihrer Heimat Belgien erlaubte Euthana­sie (Sterbehilfe) in Anspruch zu nehmen, hat Vervoort bereits seit 2008.

Bei den Paralympics 2016 in Rio gewann Marieke Vervoort im Rollstuhlrennen über 400 Meter noch einmal Silber. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie zu ihrer gesundheitlichen Verfassung erklärt, sie genieße „jeden kleinen Moment“. In dem Jahr landete sie bei der Wahl zum Sportler des Jahres in Belgien auf Platz zwei hinter Fußballstar Kevin de Bruyne von Manchester City.

Ihr Zustand hat sich in der Zwischenzeit aber rapide verschlechtert. „Ich werde immer depressiver, diese Gefühle hatte ich vorher nie. Ich weine sehr oft“, sagte Vervoort: „Jetzt schwindet auch mein Sehvermögen. Bei einem Auge liegt die Sehkraft nur noch bei 20 Prozent, beim anderen bei zehn Prozent. Mein Arzt sagt, er könne nichts machen.“

Vervoorts Geschichte kennt in Belgien jeder. Dass sie im Alter von 14 Jahren gesundheitliche Probleme bekam, weil sie an einer unheilbaren degenerativen Muskelerkrankung leidet, die mit einer zunehmenden Lähmung der Gliedmaßen einhergeht. Dann kamen epileptische Anfälle hinzu. Den Moment ihres Abschieds vom Leben hat sie genau geplant. „Ich schlafe langsam ein und wache eben nicht mehr auf. Meine Eltern und Freunde werden am Bett stehen. Mein Testament ist fertig, die Abschiedsbriefe sind geschrieben“, sagte Vervoort. Sie hat auch feste Vorstellungen über ihre Beerdigung. Es soll keinen Gottesdienst geben: „Ich möchte, dass alle mit einem Glas Champagner dastehen und an mich denken.“