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Boxen
Vernichtendes Urteil für Abraham

Arthur Abraham (links) zeigte gegen den Dänen Patrick Nielsen eine erschreckend schwache Leistung, gewann aber völlig überraschend.
Arthur Abraham (links) zeigte gegen den Dänen Patrick Nielsen eine erschreckend schwache Leistung, gewann aber völlig überraschend. FOTO: dpa / Patrick Seeger
Offenburg. Umstrittener Punktsieg gegen Patrick Nielsen sorgt für reichlich Diskussionsstoff.

Es war 1.00 Uhr am Sonntagmorgen. Der ziemlich verbeulte Arthur Abraham hatte sich gerade mit einem utopisch erscheinenden WM-Traum in Richtung Bett verabschiedet, da schlenderten sein Trainer Ulli Wegner und Graciano Rocchigiani gemeinsam über den Parkplatz der Offenburger Baden-Arena. Erstaunlich freundschaftlich ging es dabei zu, obwohl „Rocky“ kurz zuvor ein vernichtendes Urteil über den Wegner-Schützling gefällt hatte.


„Das macht keinen Spaß mehr. Das hat mit Boxen nichts mehr zu tun. Arthur hat den Kampf klar verloren. Das Urteil ist nicht vertretbar. Das kotzt mich an“, kommentierte der frühere Weltmeister Rocchigiani in seiner Rolle als TV-Experte für Sport1 mit markigen Worten den umstrittenen Punktsieg des anderen Ex-Champions gegen den Dänen Patrick Nielsen: „Da ist nichts mehr bei Arthur. Das ist ja auch nicht schlimm. Aber das soll er auch mal sagen und nicht weiter die Leute verarschen.“

Verschaukelt fühlte sich vor allem Nielsen, der mit 1:2-Punktrichterstimmen den Kampf im Supermittelgewicht um den „International Title“ des Verbandes WBO gegen Abraham verloren hatte. Tatsächlich waren die beiden deutlichen 116:111-Wertungen für den 38 Jahre alten Berliner mit armenischer Herkunft nicht nachvollziehbar. Und genau deshalb riet Ex-Weltmeisterin Regina Halmich ihrem Freund Abraham, endlich in Rente zu gehen. „Soll er sich das wirklich antun und gegen einen der starken Weltmeister antreten? Ich würde es an seiner Stelle nicht tun“, sagte Halmich.



Dass der einst als „König Arthur“ gefeierte Abraham (47 Siege, sechs Niederlagen) mittlerweile weit über seinem Zenit ist, wurde am Samstag in der bei weitem nicht ausverkauften Halle in der badischen Provinz deutlich. Doch Abraham, der seinen WBO-Gürtel im Jahr 2016 verloren hat und seitdem nicht mehr überzeugen konnte, will dennoch nicht aufhören. „Ich möchte so schnell wie möglich um eine WM boxen – egal gegen wen. Dann den Titel zwei oder drei Mal verteidigen und mich anschließend ganz entspannt verabschieden“, sagte er. Doch selbst Wegner hegt Zweifel daran, dass es nochmal besser wird. „Arthur hat nach wie vor Qualität. Aber er zeigt sie nicht“, sagte der 76-jährige Kult-Trainer: „Wenn er noch einmal um eine WM boxen will, muss er sehr hart arbeiten. Ich denke, er ist klug genug, dies zu erkennen.“