Wir möchten auf unserer Webseite Cookies und pseudonyme Analysetechniken auch unserer Dienstleister verwenden, um diesen Internetauftritt möglichst benutzerfreundlich zu gestalten.

Außerdem möchten wir und unsere Dienstleister damit die Besuche auf unserer Webseite auswerten (Webtracking), um unsere Webseite optimal auf Ihre Bedürfnisse anzupassen und um Ihnen auf unserer Webseite sowie auch auf Webseiten in verbundenen Werbenetzwerken möglichst interessante Angebote anzeigen zu können (Retargeting).

Wenn Sie dieses Banner anklicken bzw. bestätigen, erklären Sie sich damit jederzeit widerruflich einverstanden (Art. 6 Abs.1 a DSGVO).

Weitere Informationen, auch zu Ihrem jederzeitigen Widerrufsrecht, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.

| 20:06 Uhr

"Verlacht, verboten und gefeiert"

Saarbrücken. Kleine Zettel mit Quiz-Fragen erwarten die Gäste der Ausstellungs-Eröffnung im Haus der Stiftung Demokratie Saarland in Saarbrücken. Der Titel der Ausstellung: "Verlacht, verboten und gefeiert - zur Geschichte des Frauenfußballs in Deutschland". Zu diesem Thema sind auch die vier Fragen: "1 Von SZ-Mitarbeiterin Eva Scherer

Saarbrücken. Kleine Zettel mit Quiz-Fragen erwarten die Gäste der Ausstellungs-Eröffnung im Haus der Stiftung Demokratie Saarland in Saarbrücken. Der Titel der Ausstellung: "Verlacht, verboten und gefeiert - zur Geschichte des Frauenfußballs in Deutschland". Zu diesem Thema sind auch die vier Fragen: "1. Wie hieß die Fußballerin, die 1930 in Frankfurt den ersten deutschen Damenfußball-Club gründete?" Keine Ahnung. "2. Wann fand das erste inoffizielle Fußball-Länderspiel einer deutschen Damen-Nationalelf statt?" Wieder Fehlanzeige. "3. In welchem Jahr hob der DFB sein Damenfußball-Verbot auf?" Damenfußball war mal verboten? "4. Wann wurde die deutsche Frauenfußball-Nationalelf zum ersten Mal Weltmeister?" Die Herren schafften das 1954, zählt das auch?

So oder so ähnlich geht es den meisten. Kein Wunder, gehört die Kulturgeschichte des Frauenfußballs doch nicht gerade zu den am besten ausgeleuchteten Bereichen des Fußballsports. Das bemerkten auch Eduard Hoffmann und Jürgen Nendza, die beiden Autoren des Buches "Verlacht, verboten und gefeiert - zur Geschichte des Frauenfußballs in Deutschland", auf dem die Ausstellung basiert. "Eduard Hoffmann und ich haben 1998 schon einmal ein Buch zur Geschichte des Fußballspiels in Deutschland verfasst und sind damit auf Ausstellungstournee gegangen", erzählt Jürgen Nendza. "Dabei bemerkten wir, dass es zur Geschichte des Frauenfußballs fast nichts gibt, und haben beschlossen, uns der Sache anzunehmen."

Das Ergebnis ist ein Buch und die dazugehörige Ausstellung, die noch bis 22. Mai im Haus der Stiftung Demokratie Saarland in Saarbrücken zu sehen ist. Bei ihrer Recherche stießen die Autoren auf Bilder der ersten kickenden Damen und auf nette und auch weniger nette Anekdoten. "So wurde im wilhelminischen Deutschland davor gewarnt, dass durch Springen und Beinespreizen die Sexualorgane der Mädchen aus ihrer Lage gebracht werden", sagt Nendza. Ein Raunen, Murmeln und Kichern geht durch die Reihen der Besucher der Ausstellungs-Eröffnung.

Doch die Fußballerinnen ließen sich nicht von ihrem Sport abhalten. "1930 gründet Lotte Specht den ersten deutschen Damenfußballclub in Frankfurt", klärt Nendza auf. Aha, die Antwort auf die erste Quiz-Frage. 1955 sind dann nicht nur Vorurteile ein Problem. Trotz hoher Zuschauerzahlen verbietet der Deutsche Fußballbund (DFB) den Frauenfußball und stößt damit auf Widerstand: "Am 23. September 1956 findet in Essen vor 18 000 Zuschauern das erste Frauenfußball-Länderspiel einer deutschen Nationalmannschaft statt. Deutschland gegen Holland. 2:1", fügt Nendza schmunzelnd hinzu - ob wegen des Sieges gegen die Holländer oder weil er die zweite Antwort gerade verraten hat, man weiß es nicht.

"Dennoch dauert es noch bis 1970, bis der DFB das Frauenfußballverbot - und auch nur unter Einführung von Sonderregeln - aufhebt", gibt Nendza die Antwort auf Frage drei. Eine dieser Sonderregeln war eine von 90 auf zunächst 60, dann 70 Minuten verkürzte Spielzeit. Diese Tatsache wurde Jupp Derwall, als er zum ersten DFB-Damenfußball-Länderspiel am 10. November 1982 befragt wurde, zum Verhängnis. "So sagte der damalige Bundestrainer der Herren, er habe spannende 90 Minuten gesehen", gibt Jürgen Nendza eine Anekdote zum Besten.

Auf den heutigen Stand der Dinge geht der 51-Jährige nur kurz ein. "Das Frauennationalteam ist sehr erfolgreich, der Frauenfußball boomt. Das dürfte den meisten geläufig sein", meint er nur kurz dazu. Nur wie es dazu kam, das ist eben eher unbekannt. Und genau das zeigt diese Ausstellung. Die Antwort auf die vierte Frage lautet übrigens: 1981.

Auf einen Blick

Die Ausstellung "Verlacht, verboten und gefeiert - zur Geschichte des Frauenfußballs in Deutschland" ist bis 22. Mai im Haus der Stiftung Demokratie Saarland in Saarbrücken (Bismarckstraße 99) zu sehen. Interessierte können sie montags bis donnerstags zwischen 9 und 16 Uhr und freitags zwischen 9 und 14 Uhr besuchen. Im Rahmen der Ausstellung findet am 13. Mai um 18 Uhr eine Veranstaltung mit Autor Eduard Hoffmann statt. Er referiert zur Geschichte des Frauenfußballs und lädt zu einer historischen Sportschau ein. eva