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Ringen
Vereb hat das Wunder fest im Visier

Der Köllerbacher Istvan Vereb will im Halbfinal-Rückkampf gegen Adelhausen an diesem Samstag ein Feuerwerk auf der Matte abbrennen.
Der Köllerbacher Istvan Vereb will im Halbfinal-Rückkampf gegen Adelhausen an diesem Samstag ein Feuerwerk auf der Matte abbrennen. FOTO: Andreas Schlichter
Köllerbach. Die Ringer des KSV Köllerbach müssen an diesem Samstag im Halbfinal-Rückkampf gegen Adelhausen neun Punkte aufholen. Von Patric Cordier

Heiß wird es an diesem Samstag um 19.30 Uhr im Püttlinger Trimm-Treff. Nach der unerwartet deutlichen 11:20-Niederlage im Halbfinal-Hinkampf beim TuS Adelhausen will der KSV Köllerbach das Blatt mit aller Macht wenden. Der Einzug ins Finale um die deutsche Ringer-Mannschaftsmeisterschaft ist noch nicht abgehakt. „Aufgeben ist für uns keine Option. Wir sind der KSV Köllerbach“, sagt der Vereinsvorsitzende Hilmar Rehlinger mit einer Mischung aus Trotz und Stolz in der Stimme.


Richtig heiß auf dieses Halbfinale ist Istvan Vereb. Der Ungar in Diensten des KSV war auch schon für die Gegner aus Südbaden auf die Matte gegangen. „Es ist meine zweite Saison im Saarland“, sagt der Freistilspezialist: „Das Umfeld ist sehr professionell, die Menschen unglaublich nett.“ Im Hinkampf wurde Verebs Gewichtsklasse bis 86 Kilogramm im klassischen Stil gerungen. Jetzt also Freistil. Die heiße Vorbereitungsphase für „seinen“ Rückkampf verbrachte Vereb auf Mallorca. Dort bestritt die ungarische Nationalmannschaft ein Kurztrainingslager. „Wir haben zweimal am Tag trainiert. Aber das ist eigentlich immer so“, sagt er.

Vereb wohnt mit seiner Frau und der gemeinsamen, sechs Monate alten Tochter in Budapest. Die Nationalmannschaft trainiert dort ohnehin fast täglich unter professionellen Bedingungen. Zu den Bundesliga-Kämpfen reist der 30-Jährige in der Regel freitags an, trainiert dann noch einmal mit der Mannschaft des KSV. „Das ist wichtig. Schließlich ringt ja nicht jeder für sich, sondern wir wollen gemeinsam etwas erreichen“, sagt er.



Zum Ringen kam Vereb über seinen Vater, der als Trainer gearbeitet hat. „Ich habe auch Fußball gespielt, aber irgendwann musste ich mich entscheiden. Und weil Ungarn im Fußball ja seit 1954 nicht mehr wirklich erfolgreich war, blieb ich beim Ringen.“ Eine Entscheidung, die er nicht bereut hat. 2013 wurde er Dritter bei den Weltmeisterschaften in Budapest. 2018 finden die nächsten Titelkämpfe an gleicher Stelle statt. „Das ist quasi vor meiner Haustür. Natürlich hoffe ich darauf, dort noch einmal alles zeigen zu können. Und auch die Olympischen Spiele 2020 sind ein Ziel.“

Doch das ist Zukunftsmusik. Der nächste Gegner heißt Adelhausen. Und die Aufgabe, neun Punkte aufzuholen, ist schwierig – für Vereb aber nicht unmöglich: „Wir haben eine starke Mannschaft. Jeder wird bis an seine Grenze gehen. Das Maximum, nicht ein Stück weniger. Wer als Sportler nicht immer versucht, das bestmögliche Ergebnis zu erreichen, macht etwas falsch. Ich sage: Ich will mit Köllerbach deutscher Meister werden.“

Wie groß der Einfluss des Publikums sein kann, mussten die Köllerbacher am vergangenen Samstag in der völlig überfüllten Dinkelberg­halle am eigenen Leib erfahren. Nach den überraschenden Siegen von Marcel Ewald gegen Viktor Lyzen (57 Kilo Freistil) und von Christian John gegen Heiki Nabi (130 Kilo greco) zum Auftakt trugen fast 1000 begeisterte Anhänger ihre Mannschaft förmlich durch den Abend. Ähnliches erhoffen sich die KSV-Verantwortlichen an diesem Samstag. „Wir werden im Trimm-Treff eine richtige Arena aufbauen. Ich rechne fest mit unseren Anhängern und denke auch, dass uns die Ringer-Freunde aus dem ganzen Land unterstützen werden“, sagt KSV-Chef Rehlinger: „Das Finale ist noch möglich. Wir werden alles dafür tun.“

Die Köllerbacher Mannschaft dürfte nach dem Stilartwechsel noch stärker besetzt sein als im Hinkampf. Vereb kehrt zurück, Aleksander Khotsianivski wird in 130 Kilo Freistil antreten, Etienne Kinsinger (66 Kilo greco) steht zur Verfügung. Und während Co-Kapitän Timo Badusch (75 Kilo greco) schon in Adelhausen seine herausragende Form unter Beweis gestellt hat, will sich Mannschaftsführer Andriy Shyyka (75 Kilo Freistil) für seine deutliche Niederlage revanchieren. „Wir haben in der Aufstellung einige Möglichkeiten, Adelhausen vor Probleme zu stellen“, sagt Thomas Geid, der Mannschaftsverantwortliche beim KSV. Seine Pläne verraten will der Polizeibeamte nicht, aber er kündigt an: „Wir werden ihnen einen heißen Tanz bereiten.“