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Verdienter Sieger in der Tristesse

Verdienter Sieger in der Tristesse

Helsinki. Jewgeni Malkin schwang sich über die Bande, schnappte seinem slowakischen Gegenspieler den Puck vom Schläger und stürmte wie eine Urgewalt aus der eigenen Zone bis vors gegnerische Tor. Der NHL-Profi traf zum 6:2, keine zwei Minuten später war Russland zum 26. Mal Eishockey-Weltmeister

Helsinki. Jewgeni Malkin schwang sich über die Bande, schnappte seinem slowakischen Gegenspieler den Puck vom Schläger und stürmte wie eine Urgewalt aus der eigenen Zone bis vors gegnerische Tor. Der NHL-Profi traf zum 6:2, keine zwei Minuten später war Russland zum 26. Mal Eishockey-Weltmeister. Ein würdiger Abschluss für den besten Spieler des Turniers und ein verdienter Sieg für die überragende "Sbornaja", die in zehn Spielen ungeschlagen blieb.Von einem ebenso überragenden Turnier konnte indes nicht die Rede sein - weder für Deutschland noch für die Veranstalter. Die hatten sich einen neuen Zuschauerrekord erhofft: 650 000 Eishockey-Begeisterte wollte der Weltverband IIHF vom 4. bis 20. Mai in die Hartwall-Arena von Helsinki (13 665 Plätze) und den Stockholmer Globen (13 850) locken. Bei insgesamt 64 Spielen mussten also im Schnitt 10 156,25 Fans erscheinen - da blieb wenig Spielraum für Fehltritte. Am Ende waren es dann knapp 450 000 Zuschauer, 7040 pro Spiel und insgesamt rund 100 000 Menschen weniger als bei der WM in Deutschland vor zwei Jahren.

"Wir hatten die falsche Preispolitik. Die Veranstalter werden sie im kommenden Jahr glücklicherweise ändern", sagte Rene Fasel, der Präsident des Weltverbandes IIHF. Bereits wenige Tage nach Beginn des Turniers waren in Stockholm die Preise für Spiele der schwedischen Mannschaft in einzelnen Kategorien um rund 100 Euro gesenkt worden.

Aber selbst die bereits deprimierenden Zahlen klingen noch schöner, als sie in Wahrheit sind: Tickets für Spiele der Gastgeber-Länder wurden nur in Kombination mit Karten zu zwei weiteren Partien an den Mann gebracht, um weniger begehrte Paarungen wie das Auftaktspiel der Deutschen gegen Italien zu pushen - verkauft wurden hier 3500 Karten, in die Halle kamen am Ende aber nur 1033 Menschen.

Überhaupt, die Deutschen: Mit großen Erwartungen waren sie ins Turnier gegangen, Bundestrainer Jakob Kölliker hatte vollmundig bereits den Titel in Aussicht gestellt. Der vierte Platz bei der Heim-WM 2010 und der sensationelle Sieg über Russland mit dem Viertelfinaleinzug in Bratislava 2011 hatten eine trügerische Selbstsicherheit im Deutschen Eishockey-Bund (DEB) aufgebaut.

Die Mannschaft startete eher schlecht als recht ins Turnier und stand nach fünf Spielen mit zwei Siegen bereits vor den letzten beiden Vorrunden-Partien an der Wand - bis dahin alles noch kein Problem. Aber was dann kam, sprengte den Rahmen des Vorstellbaren: Erst ließ sich das Team von Norwegen 4:12 demontieren und verpasste den Einzug ins Viertelfinale, dann verspielte die DEB-Auswahl beim 1:8 gegen Tschechien auch noch die direkte Olympiaqualifikation.

Eine unangenehme Situation für Uwe Harnos. Der DEB-Präsident hatte bereits vor der WM für Aufsehen gesorgt, weil er Kölliker nach dem Turnier als Sportdirektor installieren wollte - da hatte er aber noch keine 20 Gegentreffer in zwei Spielen erklären müssen. Aller Voraussicht nach bleibt Kölliker dem DEB aber wohl tatsächlich noch länger erhalten - eine Entscheidung soll jedenfalls noch vor Pfingsten fallen. dapd