Vancouver vor Augen - München im Kopf

Weiskirchen. Bernhard Schwank (Foto: SZ), Geschäftsführer der Olympia-Bewerbung Münchens für 2018, kann die eigene Freude nicht immer verstecken, auch wenn er es als Sport-Funktionär normalerweise diplomatisch halten muss. "Natürlich haben wir uns für Rio de Janeiro gefreut. Dass es auch eine Entscheidung war, die uns zu Gute kam, ist verständlich

Weiskirchen. Bernhard Schwank (Foto: SZ), Geschäftsführer der Olympia-Bewerbung Münchens für 2018, kann die eigene Freude nicht immer verstecken, auch wenn er es als Sport-Funktionär normalerweise diplomatisch halten muss. "Natürlich haben wir uns für Rio de Janeiro gefreut. Dass es auch eine Entscheidung war, die uns zu Gute kam, ist verständlich." Entscheidungen, wohin Olympische Spiele vergeben werden, sind eben nicht nur Entscheidungen für die am geeignetste Stadt oder die beste Bewerbung, sondern auch Entscheidungen für den jeweiligen Kontinent. Selten ist die Verflechtung von Sport und Welt-Politik so eng wie bei der Vergabe von Großereignissen.

Und so konnte Schwank mit der Wahl des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) zufrieden sein. Die Chancen für europäische Winterspiele 2018 - und damit auch für München - sind durch die Vergabe der Sommerspiele 2016 nach Südamerika deutlich gestiegen.

Also rührt Schwank jetzt schon die Werbetrommel, schließlich kann man "damit nicht früh genug anfangen" - selbst wenn es nur vor gut 90 Ärzten und Patienten bei einem Ärztekongess in den Hochwaldkliniken in Weiskirchen passiert. "Die Begeisterung in der Bevölkerung ist einer der entscheidenden Faktoren. Das IOC macht dazu genaue Umfragen", erklärt Schwank. Am fehlenden Rückhalt in der Bevölkerung war schon Salzburgs Bewerbung vor vier Jahren gescheitert. Nicht dass Schwank im Moment wirklich Zeit dazu hätte, stehen doch im März die Abgabe des sogenannten Mini Bid Books, der ersten Bewerbungsmappe, und im Februar die Olympischen Winterspiele in Vancouver an, die Schwank als Chef de Mission betreut. "Aber meine Freundschaft zu Klaus Steinbach (Chefarzt der Hochwaldkliniken und Schwanks Vorgänger als Chef de Mission in Turin, Anm. d. Red.) hat mich dann doch hierher gebracht."

Gerade die Bewerbung für München ist im Moment in einer vorentscheidenden Phase. Die geforderten 30 Millionen Euro Bewerbungsbudget kommen laut Schwank langsam zusammen: "Wir haben 14 Millionen sicher und weitere drei Millionen kommen in Kürze dazu. Also liegen wir voll im Soll." Erste Schätzungen über den Gesamtetat belaufen sich auf 3 Milliarden Euro, wobei die Erfahrung gezeigt hat, dass solche Etats naturgemäß überschritten werden. Auch deshalb ist vergangene Woche Willy Bogner zur Geschäftsführung gestoßen. "Durch seine Kontakte und seine Persönlichkeit wird er der Bewerbung neue Impulse verleihen. Er ist eben nicht nur ein reiner Unternehmer, sondern auch mit dem Wintersport verbunden." Bogner soll das Gesicht der Bewerbung werden, ein zusätzlicher Faktor im Duell mit Pyeongchang (Südkorea) und Annecy (Frankreich) und natürlich soll er auch zahlungskräftige Sponsoren anlocken.

Vorher steht jedoch der Ausflug nach Vancouver an. Dort soll dann vor allem der erste Platz im Medaillen-Spiegel von vor vier Jahren verteidigt werden. "Wir treten dort an, um zu gewinnen", sagt Schwank, was sich auch bei den Nominierungen zeigen wird: "Es muss eine begründete Finalchance geben." Für die deutsche Mannschaft gilt das olympische Motto "Dabei sein ist alles" zumindest im Winter nur bedingt- Athleten, die im wahrsten Sinne nur hinterherlaufen, wie einige Leichtathleten in Peking, soll es nicht geben.

Insofern wirken das Thema Claudia Pechstein und die Dopingvorwürfe gegen sie eher störend inmitten der aufkommenden Vorfreude auf Vancouver. Und so hofft Schwank, "dass die Sportler das ausklammern können. In den anderen Sportarten geht das sicher und auch im Eisschnellauf werden sich Sportlerinnen wie Anni Friesinger-Postma und Jenny Wolf auf ihre eigenen Leistungen konzentrieren." Auch deshalb kommt es gelegen, dass so langsam der Winter und damit der Sport selbst Einzug hält. "Die Organisation steht. Jetzt ist es an den Sportlern, sich zu qualifizieren."

Hintergrund

Die Olympischen Spiele in Kanada finden vom 13. bis 28. Februar 2010 statt. Austragungsorte sind Vancouver (Eishockey, Eiskunstlauf, Shorttrack, Curling, Eisschnellauf, Freestyle-Skiing, Snowboard) und das 125 Kilometer entfernte Whistler (Biathlon, Skilanglauf, Nordische Kombination, Ski-Alpin, Skisprung, Bob, Rodeln, Skeleton). In 7 Sportarten gibt es 15 Disziplinen und 86 Entscheidungen. 5500 Teilnehmer aus 80 Nationen werden erwartet - 155 aus Deutschland.

Medaillen-Spiegel der Olympischen Spiele in Turin 2006:

1. Deutschland (11 Goldmedaillen/12 Silbermedaillen/6 Bronzemedaillen) 2. USA (9/9/7), 3. Österreich (9/7/7). jbö

Auf einen Blick

Münchens Weg zu Olympia 2018: 15. Oktober 2009: Bewerbungs-Abgabe; 15. März 2010: Abgabe der ersten Unterlagen; 30. Juni 2010: Nominierung der Kandidaten; 11. Januar 2011: Abgabe der vollständigen Unterlagen; 6. Juli 2011: Vergabe in Durban (Südafrika). jbö