1. Sport
  2. Saar-Sport

Vaccaro: „Es ist fünf vor zwölf“

Vaccaro: „Es ist fünf vor zwölf“

Der Sportvorstand des FC Homburg nimmt die Mannschaft vor dem Heimspiel morgen gegen Kassel in die Pflicht.

"Letztes Jahr habe ich mich in Neckarelz noch selbst eingewechselt. Das geht jetzt nicht mehr", sagt Angelo Vaccaro mit einem Lächeln. Der Sportvorstand des FC Homburg versucht, sich von der angespannten Stimmung rund um den abstiegsbedrohten Fußball-Regionalligisten nicht herunterziehen zu lassen. Die Frage war, was Vaccaro tun kann, um einen Ausweg aus der aktuellen sportlichen Krise zu finden.

Im nächsten Augenblick schaltet der Ex-Stürmer, der beim besagten 3:2 des FCH in Neckarelz damals das 1:1 markiert hatte, wieder auf ernst. "Ich führe viele Einzelgespräche mit den Spielern. Ich habe einen Mannschaftsabend organisiert, am Dienstag haben wir einen Grillabend gemacht. Es geht jetzt um den absoluten Zusammenhalt", beschreibt Vaccaro seinen Beitrag zum Krisenmanagement. Er sagt aber auch: "Letztlich können sich die Jungs nur selbst helfen. Es ist fünf vor zwölf, wer das noch nicht gecheckt hat, der hat den falschen Beruf gewählt."

Vier Niederlagen und ein Unentschieden stehen beim aktuellen Tabellen-13. in diesem Jahr zu Buche. Mit Platz 14 beginnt die mögliche Abstiegszone. Ein Punkt trennt die Grün-Weißen noch vom roten Bereich. Dass gleich seine erste Saison in Vorstandsverantwortung so problematisch werden würde, das hatte Vaccaro nicht erwartet. "Dass es so unruhig würde, hätte ich nicht gedacht. Aber ich glaube an meine Mannschaft und dass wir zusammen da rauskommen. Ich habe für die Situation eine Mitverantwortung, da ich gemeinsam mit dem Trainer die Mannschaft zusammengestellt habe", sagt der Vorstand und fügt hinzu: "Ich müsste lügen, wenn ich sage, ich schlafe im Moment gut."

Die Stimmung im Verein ist merklich angespannt. Auch Giuseppe Nardi, Chef des FCH-Hauptsponsors Dr. Theiss Naturwaren, ist unzufrieden. "Natürlich ist der sauer und das auch zurecht. Der haut hier viel Geld rein und will dafür am Wochenende auch etwas sehen", sagt Vaccaro, der einen engen Kontakt zu Nardi pflegt. Auf die Frage, ob er den uneingeschränkten Rückhalt des Sponsors verspüre, antwortet Vaccaro, ohne zu zögern: "Ja, den spüre ich." Genauso deutlich äußert sich der 35-Jährige zu der Frage, ob das Heimspiel gegen Hessen Kassel am morgigen Freitag um 19 Uhr über die Zukunft von Trainer Jens Kiefer entscheidet. "Nein", lautet Vaccaros Antwort.

Dass diese Frage bei ausbleibendem Erfolg auf der Tagesordnung bleiben wird, ist Vaccaro klar - und bedingt auch eine persönlich unangenehme Situation. Seit gemeinsamen Zeiten bei der SV Elversberg, damals Vaccaro als Spieler und Kiefer als Trainer, verbindet die beiden ein freundschaftliches Verhältnis. Als Kiefer 2014 zum FCH kam, holte er Vaccaro in die Saarpfalz. Nachdem der Stürmer wegen anhaltender Verletzungsprobleme als Profi aufhören musste, übernahm er 2015 zunächst das Amt des Teammanagers. Ein Jahr später rückte Vaccaro in den Vorstand auf.

Heute muss Vaccaro sich als dessen Vorgesetzter auch mit der Zukunft des Trainers befassen: "Jens und ich gehen ganz offen damit um. Wenn einmal der Tag X kommen sollte, weiß Jens, dass ich dann keine Wahl habe. Das hätte dann auch keine Auswirkung auf unsere private Freundschaft. Aber ich bin felsenfest überzeugt, dass wir zusammen da rauskommen", sagt Vaccaro.

Die aktuelle Situation beim FCH scheint fast die Wiederholung der Hinrunde zum gleichen Zeitpunkt. Auch vor dem Hinspiel in Kassel standen die Saarpfälzer nach einer Niederlagenserie zum Auftakt mit dem Rücken zur Wand. Damals entlud sich dieser Druck in einen 2:0-Sieg bei den Hessen, dem eine Erfolgsserie folgte, die den damaligen Tabellenletzten bis ins gesicherte Mittelfeld spülte. Auf einen ähnlichen Verlauf hofft Vaccaro auch diesmal. "Wenn wir gegen Kassel gewinnen, bekommen die Jungs auch wieder Selbstbewusstsein. Und dann fahren wir auch nach Ulm, um dort zu gewinnen."

Vaccaro hofft darauf, dass sich die Anhänger der Grün-Weißen, die sich zuletzt zu großen Teilen von Mannschaft und Trainer abgewandt hatten, im Abstiegskampf wieder hinter die Mannschaft stellen. Damit der Anhang zahlreich ins Waldstadion kommt, können sich die Fans das Spiel gegen den Tabellensiebten Kassel kostenlos anschauen. Alle Stehplatzkarten sind kostenlos, die Sitzplätze auf der Haupttribüne des Waldstadions kosten zwischen drei und zehn Euro. "Ich appelliere an die Fans, die Mannschaft am Freitag während des Spiels 90 Minuten lang zu unterstützen. Dann geht es nur darum, dieses Spiel für den Verein zu gewinnen. Anschließend können sie immer noch Kritik an uns üben", sagt der Sportvorstand.