Usain Bolt macht sich zur Legende"Das war nicht mein Anspruch"

Usain Bolt macht sich zur Legende"Das war nicht mein Anspruch"

London. Nach 19,32 Sekunden war Usain Bolt im Ziel aller Träume. Der 25-Jährige hat sein Versprechen wahr gemacht. Der Jamaikaner gewann gestern Abend in London nach den 100 Metern auch die Goldmedaille auf seiner doppelt so langen Lieblingsstrecke - ein Novum in der Olympia-Geschichte

London. Nach 19,32 Sekunden war Usain Bolt im Ziel aller Träume. Der 25-Jährige hat sein Versprechen wahr gemacht. Der Jamaikaner gewann gestern Abend in London nach den 100 Metern auch die Goldmedaille auf seiner doppelt so langen Lieblingsstrecke - ein Novum in der Olympia-Geschichte. 112 Jahre dauerte es, bis ein Sprinter bei zwei Sommerspielen hintereinander sowohl die 100 als auch die 200 Meter gewann. Seit 1900 sind beide Strecken im olympischen Programm. Bolts Landsmann Yohan Blake musste sich wie schon über die 100 Meter mit der Silbermedaille begnügen (19,44 Sekunden). Als Dritter komplettierte Warren Weir (19,84) den totalen Triumph für die Sprinter aus Jamaika.

Wie im Finale über 100 Meter, als "Blitz-Bolt" an seinem drei Jahre alten Weltrekord nur um fünf Hundertstel vorbeigeschrammt war, verpasste er eine Bestmarke wieder nur knapp. Zu seinem Weltrekord von 19,19 Sekunden fehlten diesmal 13 Hundertstel.

Die Speerwerferinnen Christina Obergföll (65,16 Meter) und Linda Stahl (64,91) haben am späten Abend Silber und Bronze gewonnen. Es siegte Barbora Spotakova (Tschechien) mit Weltjahresbestleistung (69,55). Katharina Molitor kam auf Platz sechs (62,89).

In Weltrekordzeit ist David Rudisha gestern zu Gold über 800 Meter gelaufen. Der Weltmeister aus Kenia siegte in 1:40,91 Minuten und blieb eine Zehntelsekunde unter seiner Bestmarke aus 2010. Silber ging an Nijel Amos aus Botswana (1:41,73), Bronze an Timothy Kitum aus Kenia (1:42,53).

Im Zehnkampf wurde Rico Freimuth Sechster (8320 Punkte). Europameister Pascal Behrenbruch, der eine Medaille holen wollte, landete auf Rang zehn (8126 Zähler). Gold ging an Ashton Eaton (USA/8869). Silber holte sein Landsmann Trey Hardee (8671), Bronze der Kubaner Leonel Suarez (8523). Jan-Felix Knobel musste wegen muskulärer Probleme nach dem Stabhochsprung aufgeben.

Christian Taylor (USA) ist Dreisprung-Olympiasieger. Der Weltmeister siegte mit Weltjahresbestweite (17,81 Meter) vor Landsmann Will Claye (17,62) und dem Italiener Fabrizio Donato (17,48). dapd/dpa

London. Das Olympiastadion war schon fast menschenleer, die 80 000 Zuschauer auf dem nach Hauseweg, da saß Matthias de Zordo noch an der Speerwurf-Anlage. Sein Blick ging ins Leere. Irgendwann packte der Weltmeister vom SV schlau.com Saar 05 Saarbrücken dann doch seine Sachen zusammen und verließ den Ort, an dem er eine der schmerzhaftesten Erfahrungen seiner Karriere hatte machen müssen. Drei Mal war "Zorro" angelaufen, hatte seinen Speer abgefeuert, drei Mal bohrte sich sein Wurfgerät deutlich vor der 80-Meter-Marke in den Rasen, drei Mal machte de Zordo seinen Versuch ungültig. Die Norm für das Finale war 82 Meter.

"Ich wollte nicht mit 78 Metern auf der Liste stehen, das war nicht mein Anspruch", sagte der Schützling von Bundestrainer Boris Henry und begab sich auf die Suche nach den Gründen für seinen Auftritt: "Auf die Verletzung will ich das nicht schieben, das soll keine Ausrede sein." Am 10. Juni, beim Werfer-Meeting in St. Wendel, war de Zordo im fünften Versuch weggerutscht und auf seinen Wurfarm geknallt. Daraus resultierte eine Kapselverletzung, die ihn erst zur Trainings- und Wettkampfpause zwang, dann zu einem sehr langsamen Wiederaufbau.

"Fehlende Vorbereitung - das kommt schon eher hin", sagte der 24-Jährige, "vielleicht war es auch der Kopf, den ich nicht freibekommen habe. Technische Probleme waren auch dabei". Dass sein Arm zusätzlich schmerzte, wollte er nicht vorschieben: "Ich bin angetreten, und egal ob der Arm weh tut oder hinterher fliegt - ich muss dann eben mein Bestes geben."

In der Summe stand das Aus in der Qualifikation für einen, der vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) ohne Olympia-Norm nominiert worden war. "Natürlich bin ich enttäuscht, dass ich das Vertrauen des DOSB nicht bestätigen konnte. Der DOSB ist für mich in Vorlage getreten. Bitter, dass ich das nicht zurückgeben konnte", sagte de Zordo: "Für mich hat es auf jeden Fall Sinn gemacht zu starten, weil die Trainingswerte so waren, dass ich gesagt habe: Ich kann über 80 Meter werfen."

Seine Saison wird er nun beenden. "Ich werde zwei, drei Monate nichts machen", sagte "Zorro", "mit viel Physiotherapie müsste der Arm wieder hinzukriegen sein." Das Finale am Samstag wird er sich wohl nicht anschauen. "Rein gefühlsmäßig würde ich gerne abhauen, weil es einfach enttäuschend für mich ist", sagte de Zordo. mwe

Auf einen Blick

Die deutsche Hochsprung-Rekordhalterin Ariane Friedrich ist in der Qualifikation ausgeschieden. 1,93 Meter bedeuteten Saisonbestleistung. Die für den Einzug in den Endkampf erforderlichen 1,96 Meter schaffte Friedrich, deren Bestleistung bei 2,06 Meter liegt, aber nicht. Sie war vom Deutschen Olympischen Sportbund nominiert worden, obwohl sie die Olympia-Norm von 1,95 Meter nicht erfüllt hatte.

Die 4x100-Meter-Staffel der Frauen hat sich gestern Abend für das Finale heute (21.40 Uhr) qualifiziert. Lena Günther, Anne Cibis, Tatjana Pinto und Verena Sailer wurden im Vorlauf Dritte (42,69 Sekunden).

Matthias de Zordo will sein Ausscheiden nicht auf die Verletzung schieben. Foto: dpa.
"Ihr da, habt ihr das gesehen?" - das scheint Usain Bolt zu fragen. Der Jamaikaner machte sich gestern Abend mit dem Gewinn der Goldmedaille über 200 Meter zu einer Sport-Legende. Foto: Azubel/dpa.

Heute stehen zudem die Stabhochspringer Björn Otto, der Zweibrücker Raphael Holzdeppe und Malte Mohr (ab 20 Uhr) sowie die Hammerwerferin Betty Heidler (ab 20.35 Uhr) im Finale und kämpfen um Olympia-Medaillen. dpa

Mehr von Saarbrücker Zeitung