Unverständnis über Alminds Wechsel

Saarlouis. Zurzeit herrscht im Umfeld des Basketball-Bundesligisten TV Saarlouis eine seltsame Mischung aus Ratlosigkeit und Unverständnis. Der Wechsel von Teamkapitän Desir& Almind zum ungarischen Erstligisten Szeged hat hohe Wellen geschlagen. Eins haben Fans und Management dabei gemeinsam: Der Weggang der US-Amerikanerin traf sie völlig überraschend

 Desir&; Almind wird künftig keine Körbe mehr für die Saarlouis Royals werfen. Foto: Ruppenthal

Desir&; Almind wird künftig keine Körbe mehr für die Saarlouis Royals werfen. Foto: Ruppenthal

Saarlouis. Zurzeit herrscht im Umfeld des Basketball-Bundesligisten TV Saarlouis eine seltsame Mischung aus Ratlosigkeit und Unverständnis. Der Wechsel von Teamkapitän Desir&; Almind zum ungarischen Erstligisten Szeged hat hohe Wellen geschlagen. Eins haben Fans und Management dabei gemeinsam: Der Weggang der US-Amerikanerin traf sie völlig überraschend.

"Sie wusste genau, dass wir die Mannschaft um sie herum aufbauen wollten", sagt Trainer Ren&; Spandauw. Es ist nicht der Wechsel an sich, der den Trainer auf die Palme bringt, sondern Alminds Äußerung, den Vertrag in Ungarn bereits im Januar unterschrieben zu haben. Der TVS erfuhr von den Plänen der 25-Jährigen erst in der vergangenen Woche. Zuvor hatte sie mehrere Verhandlungen mit dem Verein platzen lassen und argumentiert, erst nach der Saison unterschreiben zu wollen. Und sie betonte mehrfach, glücklich zu sein und nicht wegen des Geldes Basketball zu spielen. In Saarlouis wolle sie sich eine Existenz aufbauen.

Die Saarlouis Royals hatten Almind mehrfach ihr Vertrauen bewiesen - zuletzt mit dem Angebot eines Dreijahres-Vertrages. "Übrigens das beste Angebot, das der TV Saarlouis je einer Spielerin gemacht hat", betont Marc Tepest, in Saarlouis für die Vertragsverhandlungen zuständig.

Jetzt also der unvermittelte Wechsel. "Das versteht hier niemand", sagt Ren&; Spandauw. "Sie wird vielleicht etwas reicher werden, aber ich bezweifle, dass sie glücklich wird." Alminds Beweggründe bleiben im Unklaren: Gegenüber dem Verein gab sie das gute Angebot als ausschlaggebend an. Nach SZ-Informationen könnten auch private Gründe - ihr derzeitiger Lebensgefährte - ihre Entscheidung maßgeblich beeinflusst haben. Das würde Alminds Verhalten in den Gesprächen erklären, in denen sie nach Vereinsangaben alles andere als glücklich wirkte.

Trainer Ren&; Spandauw nahm es mit Sarkasmus: "Sollen wir jetzt jammern? Jeder ist ersetzbar. Wenn wir wollen, steht morgen Ersatz vor der Tür." spr

Die Plan der Royals, in der kommenden Saison auch im Europapokal anzutreten, hängt noch am seidenen Faden. Noch immer hat der Verein die nötigen Sponsorengelder - einen kleinen fünfstelligen Betrag - nicht beisammen. Den offiziellen Meldeschluss beim europäischen Verband Fiba am 31. Mai ließ der Verein verstreichen, bat aber noch rechtzeitig um einen Aufschub von 14 Tagen. Die Antwort der Fiba zu dieser Bitte steht noch aus.

Meinung

Für eine Handvoll Dollar mehr

Von SZ-Mitarbeiter

Sascha Sprenger

Was sind Treueschwüre im Profisport wert? Die Royals und Desir&; Almind - das schien zu passen. Die 25-Jährige war nach dem Abgang von Zuzana Polonyiova das neue Gesicht der Mannschaft. Eine lebenslustige junge Frau, die in Saarlouis ihre neue Heimat gefunden hat und nie müde wurde, dies auch zu betonen. Ihr plötzlicher Abgang - für eine Handvoll Dollar mehr - widerspricht völlig dem Bild, das sie in den vergangenen drei Jahren von sich vermittelt hat. Es drängt sich auch der Eindruck auf, dass sie nicht wirklich hinter ihrer Entscheidung steht - so sie sie denn komplett selbst getroffen hat.

Was am Ende bleibt, sind Fragen, Enttäuschung und Unverständnis - aber auch die Erkenntnis, dass Treueschwüre im Profisport so lange halten wie ein Eis in der Wüste.

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