Fußball: Unter Profi-Bedingungen zurück in die 4. Liga

Fußball : Unter Profi-Bedingungen zurück in die 4. Liga

Der FC Homburg startet mit einem Etat von etwa 1,7 Millionen Euro in die neue Oberliga-Saison. Mehr Favorit geht also gar nicht.

Das Saisonziel des FC Homburg lässt sich an der Uhr ablesen. Es ist 11.45 Uhr am Vormittag, als Trainer Jürgen Luginger seine Spieler in die Kabine entlässt. Um diese Zeit findet in der Fußball-Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar nirgendwo eine Übungseinheit statt. Auf dem großzügigen Nebenplatz des Waldstadions aber regelmäßig. Schließlich handelt es sich beim FCH um keinen gewöhnlichen Fünftligisten. „Wir trainieren hier unter Profi-Bedinungen“, sagt Trainer Luginger: „Unser Ziel ist der Aufstieg, das ist ja kein Geheimnis.“

Als Luginger das ausspricht, sitzt der Ex-Profi auf einem Barhocker im Presseraum des Stadions. In einem graumelierten T-Shirt. Frisch geduscht. Unaufgeregt. Zufrieden mit der ersten Vorbereitung unter seiner Leitung. Luginger gewährte nur einen freien Tag. „Wir konnten unser Programm durchziehen“, berichtet der 49-Jährige. Das zeigt sich auch bei der Generalprobe am vergangenen Freitag: Homburg besiegt Regionalliga-Aufsteiger Röchling Völklingen mit 1:0. Jetzt kann die Saison beginnen.

Im April übernahm Luginger den FC Homburg – in der Regionalliga Südwest. Noch in der Winterpause hatte der FCH-Vorsitzende Herbert Eder über eine Zukunft in der 3. Liga gesprochen. Anschließend präsentierten die Grün-Weißen mit Tobias Weis und Nando Rafael bereits zwei prominente Neuzugänge ab Sommer. Der tiefe Fall in die Oberliga? Unvorstellbar. Eder sagt heute: „Ich hätte im Dezember an alles geglaubt, nur nicht an den Abstieg.“ Auch Luginger konnte den Betriebs­unfall am Ende nicht verhindern.

An diesem Freitag um 19.30 Uhr startet Homburg beim Aufsteiger SC Idar-Oberstein in die 5. Liga. Der FCH galt als zu stark für den Abstieg. Nun erwartet jeder den Wiederaufstieg von Luginger. Spricht der Trainer über diese Aufgabe, wird einem bange um seine Spieler. „Das wird eine knallharte Saison werden“, kündigt Luginger an. Den Auftakt in Idar-Oberstein nennt er „brutal“: „So werden dann wahrscheinlich 90 Prozent unserer Spiele sein.“ Zwar beansprucht Luginger für seine Profis keine „Ausnahmestellung“. Aber: „Fakt ist, dass wir für viele das Topspiel sind.“

Nach 19 Abgängen hat sich die Mannschaft des FCH deutlich verändert. „Grundsätzlich wollten wir den Kader verjüngen“, erklärt Luginger. Das ist ihm gelungen. Das Durchschnittsalter der 17 Neuen liegt knapp über 23 Jahren. Inklusive erfahrener Akteure wie Sven Sökler (32 Jahre), den Luginger vom 1. FC Saarbrücken holte, und Christian Telch (29) von Regionalliga-Absteiger Eintracht Trier. Auf sie baut der Trainer im Zentrum. Offensiv dürfte es auf den Ex-Elversberger Patrick Dulleck (27, TSV Steinbach) und Patrick Lienhard (25, Trier) ankommen.

Obwohl der Trainer daneben einige Talente verpflichtete: Die Mehrzahl der Neuzugänge kommt aus der 4. Liga. Auch, weil viele Top-Spieler der Oberliga keine Profis sein wollen. Also warb Luginger eine Etage höher mit guten Bedingungen und der Regionalliga als Perspektive.

Die Frage ist: Kann der erneuerte FC Homburg auch ein Meister der Herzen werden? In der vergangenen Saison schien die Stimmung im Umfeld noch schlechter zu sein als der Tabellenplatz. Dann übertraf die Mannschaft mit dem Abstieg die schlimmsten Befürchtungen. „Ich habe das als sehr schmerzhaft empfunden“, sagt Herbert Eder.

Nun ist der FC Homburg in der Oberliga angekommen. Das weckt Erinnerungen an graue Jahre, an eine Zeit, die auch das Bild von Eder als Vereins-Chef geprägt hat. In seiner ersten Amtszeit, die von 1999 bis 2010 währte, verwaltete er den Mangel. Nicht wenige Anhänger nahmen Eder die Oberliga persönlich übel. Nach all den glücklichen Jahren im Profi-Fußball, die in der Insolvenz endeten. Aber die Geschichte wiederholt sich für den Vorsitzenden nicht. „Was die Infrastruktur und den Aufbau des Vereins angeht, haben wir einen Riesen-Schritt gemacht“, erklärt Eder. Weshalb der Abstieg keinen Rückschritt bedeuten sollte.

Finanziell dürften die Grün-Weißen sich kaum verschlechert haben – dank ihres großzügigen Haupt­sponsors. Nach SZ-Informationen beläuft sich das Gesamtbudget auf 1,7 Millionen Euro. Luginger reagiert leicht gereizt auf diese Zahl. Eder bestätigt sie nicht. Dafür nennt der Steuerberater eine andere: 46 Prozent des Etats sind für den Kader vorgesehen. Was bedeutet: Mehr Geld fließt in den Betrieb drumherum, aufgebaut über Jahre. Eder bezeichnet den Club als ein „mittelständisches Unternehmen“. Ehrenamtlich geführt.

Es liegt auch an dieser Ausgabenpolitik, dass der FCH weiterhin unter Profi-Bedingungen arbeitet. „Wir wollten kein verlorenes Jahr haben“, sagt Eder. Er spricht von Kontinuität, davon, keines Neuaufbaus zu bedürfen. Wann? Ganz klar: nach der Rückkehr in die Regionalliga.

Luginger bremst diese Erwartungen: „Ich habe noch keine Mannschaft gesehen, die irgendwo so einfach durchmarschiert ist.“ Man müsse sich „auf Strecke“ durchsetzen. Er sagt: „Es wird ein enges Rennen, da sind vier, fünf Mannschaften, die haben auch eine gute Qualität.“ Da wären die anderen Absteiger, die U23 des 1. FC Kaiserslautern, Eintracht Trier, der FK Pirmasens. Trier hat seinen Etat auf eine halbe Million Euro halbiert, Pirmasens kam vergangene Saison angeblich mit etwas weniger Geld aus – für zwei Mannschaften in Regionalliga und Oberliga.

Mit den alten Rivalen wird Homburg rechnen müssen. Ebenso mit etablierten Oberligisten wie Hertha Wiesbach oder Mechtersheim, die sich nicht erst finden müssen. Luginger hat sich in der Vorbereitung einige Gegner angeschaut. Mit Heiko Wilhelm, früher Trainer in Wiesbach, beschäftigt Homburg außerdem einen Scout, der sich in der Liga bestens auskennt. Doch: Noch ist alles Theorie. „Es wird sich erst in der Meisterschaft zeigen, wie schnell wir zusammengewachsen sind“, sagt Luginger: „Daher brauchen wir den Wettkampf.“ Zeit, dass es losgeht.

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