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„Unsere Reise beginnt“

Rio de Janeiro. Voll fokussiert und unersättlich: Sieben Monate nach ihrem EM-Triumph wollen die Handballer auch Olympia rocken. Mit dem Viertelfinale heute gegen die Star-Auswahl von Katar beginnt für sie ein neues Turnier. sid-Mitarbeiter Christoph Stukenbrock

Die blauen Augen von Dagur Sigurdsson blitzten kurz auf, ein schelmisches Grinsen huschte über sein Gesicht. "Unsere Reise beginnt", sagte der Handball-Bundestrainer mit Blick auf das heutige Viertelfinale bei den Olympischen Spielen gegen Katar (18.30 Uhr). "Wir haben mit K.o.-Spielen gute Erfahrungen gemacht. Wir sind dieser Aufgabe gewachsen", erklärte Sigurdsson. Und auch Tobias Reichmann schaltete vor dem Duell gegen den Vize-Weltmeister in den Angriffsmodus: "Da haben wir noch eine Rechnung offen."



Kapitän Uwe Gensheimer und Co. wollen Revanche für die schmerzhafte Niederlage (24:26) im WM-Viertelfinale 2015 nehmen. Nach dem souveränen Gruppensieg soll die Partie gegen den mit zahlreichen internationalen Stars aufgemotzten Asien-Meister aber nur eine Durchgangsstation auf dem Weg zur ersten deutschen Handball-Medaille bei Olympia seit Silber 2004 sein.

Aber Katar ist gefährlich: Torhüter Danijel Saric steht beispielhaft für das Heer an eingekauften Spitzenkräften im kleinen Wüsten-Emirat. Der Schlussmann vom FC Barcelona absolvierte schon Länderspiele für Serbien sowie Bosnien und Herzegowina, bevor er den zweifelhaften Verlockungen der Scheichs - wie viele seiner Teamkollegen auch - unterlag. Der 39-Jährige ist einer von sechs Spielern im Aufgebot des Asienmeisters, die schon für Nationalmannschaften anderer Länder aufgelaufen sind. Mit Kreisläufer Borja Vidal ist ein weiterer Akteur in Spanien geboren und aufgewachsen, der wuchtige Marko Bagaric ist Kroate. Die beiden Top-Stars der Kataris sind die ausgesprochen austrainierten Rückraumschützen Zarko Markovic und Rafael Capote. Mit ihrer Treffsicherheit steht und fällt das katarische Spiel.

Die Bad Boys aus Deutschland brennen auf den Start in die heiße Turnierphase. Die vier Siege aus den fünf Vorrundenspielen waren für die Europameister nicht viel mehr als ein nettes Vorgeplänkel. Sigurdsson sprach von einer "Bestätigung für die Arbeit der letzten zwei Jahre", und Steffen Weinhold meinte: "Wir haben uns weiter stabilisiert. Nun gehen wir mit Selbstvertrauen ins Viertelfinale."

Sinnbildlich für die bisherigen Vorstellungen in Rio steht Torhüter Andreas Wolff. Nach verhaltenem Turnierstart steigerte sich der Schlussmann von Spiel zu Spiel und zeigte sich zum Vorrunden-Abschluss gegen Ägypten (31:25) wieder in jener Gala-Form, mit der er im Januar zum Aufsteiger schlechthin in seiner Sportart wurde. Doch anstatt den Erfolg medial auszukosten, zog Wolff es auch nach seiner Weltklasse-Leistung vor zu schweigen.



Eine entscheidende Rolle könnte heute die Kraft spielen - und da dürfte das deutsche Team klar im Vorteil sein. "Wir haben gute Karten, weil wir viel gewechselt haben", sagte Sigurdsson. Delegationsleiter Hanning konstatierte, dass die Mannschaft langsam in den EM-Modus komme. Auch im Januar liefen die Bad Boys erst in der entscheidenden Turnierphase so richtig heiß. Das Ende ist hinlänglich bekannt.

Die weiteren Viertelfinals im Handball-Turnier der Männer bestreiten heute Gastgeber Brasilien und Frankreich (15 Uhr), Dänemark und Slowenien (22 Uhr) sowie Kroatien und Polen (1.30 Uhr).