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"Unsere Mannschaft spielt eine tolle Saison"

Herr Preetz, wir beginnen etwas salopp und fragen "Hey, was geht ab?" Der aktuelle Lieblings-Schlachtruf der Hertha-Fans lautet ja: "Hey, was geht ab? Wir holen die Meisterschaft

Herr Preetz, wir beginnen etwas salopp und fragen "Hey, was geht ab?" Der aktuelle Lieblings-Schlachtruf der Hertha-Fans lautet ja: "Hey, was geht ab? Wir holen die Meisterschaft."



Michael Preetz: Vielleicht so: Wir freuen uns auf Schalke 04 im ausverkauften Olympia-Stadion, auf eine tolle Atmosphäre und den Saisonendspurt - und das geht ab!

Das Pflicht-Saisonziel Qualifikation für die neue Europa Liga ist geschafft, jetzt könnte die Kür Meisterschaft folgen. Rechnen Sie mal vor, wie?

Preetz: Wir müssen zunächst gegen Schalke und Karlsruhe sechs Punkte holen. Schwer genug. Und dann sind wir darauf angewiesen, dass die beiden vor uns patzen: Die Bayern werden die Hürde Hoffenheim nehmen und müssen also einen Punkt gegen Stuttgart liegen lassen, damit unser Traum weitergeht. Und Wolfsburg kann nur im Derby gegen Hannover einen Punkt einbüßen, weil sie im letzten Spiel gegen Bremen spielen, die drei Tage zuvor das Uefa-Cup-Finale spielen . . . Da wird Wolfsburg gewinnen.

Mit Schalke kommt an diesem Samstag der Erzrivale. "Ihr seid Schalker" ist im Hertha-Fan-Jargon auch bei Spielen gegen andere Vereine Ausdruck der größtmöglichen Verachtung. Was erwarten Sie im Olympia-Stadion für eine Atmosphäre?



Preetz: Eine riesige Kulisse - in jeder Beziehung. Wir freuen uns sehr auf "unsere Freunde aus Gelsenkirchen". Jeder Berliner weiß, was das für eine besondere Konstellation ist. Wir könnten zu diesem Spiel weit mehr als 75 000 Karten verkaufen. Die Unterstützung unserer Fans in dieser Saison war großartig, an diesem Samstag wird sie ihren Höhepunkt erreichen.

Kritiker werfen der Hertha vor, sie spiele effektiv, aber nicht attraktiv. Die Spiele gegen Bochum (2:0) und in Köln (2:1) scheinen das zu untermauern; drei der vier Tore resultierten aus Kontern - auch zu Hause. Was halten Sie Kritikern entgegen?

Preetz: Wo kommen wir denn hin, wenn wir uns für erfolgreiche Spiele rechtfertigen müssen? Unsere Mannschaft spielt ohne jede Frage eine tolle Saison, wir sind am spannendsten Titelkampf seit Bundesliga-Gedenken beteiligt. Das sagt alles.

Was machen Sie eigentlich am 24. Mai? Fällt die für diesen Tag geplante Mitglieder-Versammlung aus, wenn Hertha tags zuvor in Karlsruhe deutscher Meister wird?

Preetz: Unsere Mitglieder-Versammlung findet planmäßig am Sonntag statt, im Anschluss werden wir eine große Saisonabschluss-Party feiern. Selbst wenn wir unsere beiden Spiele gewinnen und nicht Meister werden, ist der dritte Platz sicher. Auch das wäre fantastisch.

Sie sollen von Dieter Hoeneß im Sommer 2010 den Manager-Posten übernehmen. Zuletzt gab es Unstimmigkeiten zwischen Präsident Werner Gegenbauer und Hoeneß, weil der angeblich zur Selbstdarstellung neigt. Bleibt es dabei, dass Sie erst im Sommer 2010 übernehmen?

Preetz: Dieter Hoeneß' Vertrag endet am 30. Juni 2010, die Nachfolge-Regelung steht zum 1. Juli 2010 an - an diesem Fahrplan hat sich nichts geändert.

Was reizt Sie an der Position des Managers?

Preetz: Nach meinem Karriere-Ende 2003 bin ich nahtlos in meine neue Tätigkeit übergegangen, habe also jetzt sechs Jahre Erfahrungen im Bereich der sportlichen Leitung. Die aktive Gestaltung der sportlichen Geschicke ist jetzt folgerichtig der nächste Schritt.

Es ging auch mal das Gerücht, Hoeneß wolle sich nicht ganz zurückziehen, sondern lediglich eine Art ein-, zweijährige Auszeit nehmen. Werden Sie also Manager auf Abruf?

Preetz: Nein!

Sie haben mit Düsseldorf, Duisburg und Hertha in der Bundesliga gespielt, 91 Erstliga-Treffer geschossen, sieben Länderspiele absolviert (drei Tore). Aber was sagen Ihnen die Namen Fuhl, Nushöhr, Spyrka, Hach, Pförtner oder Akpoborie noch?

Preetz: Die erinnern mich an meine tolle und erfolgreiche Zeit beim 1. FC Saarbrücken.

Richtig: Die Herren standen alle in der Mannschaft, die 1992 Meister der 2. Liga Süd wurde und in die Bundesliga aufstieg. Sie waren Kapitän der Mannschaft und Torschützenkönig der Zweiten Liga, machten die meisten Spiele im Club. Dennoch wollte der FCS Sie nicht mitnehmen in die Erste Liga. Was haben Sie damals empfunden?

Preetz: Ich wollte unbedingt mit dem FCS in die Bundesliga, auch der Verein wollte das scheinbar. Allerdings das konnte man am damaligen "Angebot" nicht wirklich erkennen . . .

Ein Jahr später sind Sie dann mit Duisburg doch noch in die Bundesliga aufgestiegen. War das eine Genugtuung für Sie?

Preetz: Überhaupt nicht. Ich hätte wirklich gerne mit dem FCS in der Ersten Liga gespielt.

Gibt es eine Anekdote aus Ihrer Saarbrücker Zeit, an die Sie sich spontan erinnern?

Preetz: Natürlich - wenn Sie mit Trainern wie Klaus Schlappner oder Peter Neururer gearbeitet haben, können sie jede Menge wunderschöner Anekdoten erzählen. Schlappner zum Beispiel war ein echter Typ. Aber wenn ich anfange, einzelne Geschichten zu erzählen, das würde den Raum Ihrer Zeitung sprengen . . .

Haben Sie noch Kontakt nach Saarbrücken, verfolgen Sie den Werdegang des Clubs, der ja in dieser Saison fünftklassig gespielt hat und nun in die Regionalliga aufsteigen wird?

Preetz: Ja, ich habe noch Kontakte ins schöne Saarland. Erst im vergangenen Jahr habe ich dort alte Freunde besucht. Immer mal wieder telefoniere ich mit Bernd Eichmann. Aktuell freue ich mich, dass der FCS jetzt zumindest wieder in der Regionalliga spielen wird. So ein Traditionsverein gehört in den bezahlten Fußball.

Auf einer Skala von eins bis zehn, auf der Hertha für zehn Punkte stehen würde - wie viele Punkte würden Sie der Station Saarbrücken in Ihrer Karriere geben?

Preetz: Nein, Punkte vergebe ich nicht. Das wäre nicht fair. Jede meiner Stationen war auf ihre Art wichtig für mich. Nur so viel: Ich hatte zwei schöne Jahre in Saarbrücken, aber in Berlin bei der Hertha habe ich, der in Düsseldorf geboren wurde, mein zweites Zuhause gefunden. Hertha ist mein Verein, Berlin meine Stadt.