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Regionalliga-Aufsteiger SV Röchling Völklingen
„Unsere Chance ist das Versagen anderer“

Wo landet das Team am Ende der Saison?
Wo landet das Team am Ende der Saison? FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Röchling Völklingens Trainer Günter Erhardt im SZ-Redaktionsgespräch: Mit mannschaftlicher Geschlossenheit zum Liga-Verbleib. Ralph Tiné

Beim SV Röchling Völklingen ticken die Uhren anders. Das hat Röchling-Trainer Günter Erhardt im Redaktionsgespräch bei der Saarbrücker Zeitung noch einmal deutlich gemacht. Während der 1. FC Saarbrücken und die SV Elversberg in der am 29. Juli beginnenden Regionalliga-Saison mit Millionen-Etats zum wiederholten Mal den Angriff auf den Aufstieg in die 3. Fußball-Liga starten, backt der Aufsteiger aus der Hüttenstadt wesentlich kleinere Brötchen. „Wir sind von der Struktur her nicht in der Lage, anders zu trainieren. Wir können erst abends ab 18.30 Uhr, wenn alle Dienstende haben oder die Uni aus ist. Anders geht es nicht, weil die Spieler und ich selbst berufstätig sind oder studieren“, sagt Erhardt, der im Hauptberuf als Angestellter bei der Staatsanwaltschaft Saarbrücken arbeitet.



Bei Röchling ist der 56-Jährige der sportliche Macher, der – innerhalb des finanziellen Rahmens – auch alleine für die Zusammenstellung des Kaders zuständig ist. Für Regionalliga-Verhältnisse ist dieser Rahmen sehr eng. Auch wenn der Etat des Gesamtvereins laut Erhardt auf etwa 500 000 Euro angewachsen ist, liegt der Überraschungs-Aufsteiger finanziell auf den letzten Plätzen der Liga. „Andere machen vom Umfang 20 bis 30 Trainingseinheiten mehr. Das wird man auch sehen – auch deshalb, weil man als Verein, der nicht so die Mittel hat, Verletzungen nicht einfach kompensieren kann“, macht sich der Trainer keine Illusionen über die Nachteile gegenüber der reicheren Konkurrenz.

Dass es für nur gegen den Abstieg gehen kann, ist beim SV Röchling jedem klar. Dennoch glaubt Erhardt an die eigene Chance und daran, keine solche Saison als abgeschlagener Absteiger zu erleben wie vor zwei Jahren der SV Saar 05. Positive Beispiele aus der Vergangenheit sind für ihn der SVN Zweibrücken mit Trainer Peter Rubeck und der FK Pirmasens, der auch mehrere Jahre die Regionalliga halten konnte. „Es ist mit Sicherheit schwieriger, in der nächsten Saison in der Oberliga den Aufstieg zu schaffen als in der Regionalliga die Klasse zu halten“, sagt Erhardt mit Blick auf die starken Regionalliga-Absteiger FC Homburg, 1. FC Kaiserslautern II, FK Pirmasens und Eintracht Trier, die in der nächsten Saison als Favoriten in die Oberliga gehen. Dazu könnte aus der 3. Liga nur der SV Wehen Wiesbaden in die Regionalliga Südwest absteigen, was die Zahl der Abstiegsplätze in der eigenen Liga reduziert. „Es werden noch andere Mannschaften mit uns hinten auf Augenhöhe spielen. Unsere Chance ist das Versagen anderer“, sagt Erhardt.

Der Röchling-Trainer hofft auch auf die mannschaftliche Geschlossenheit. „Wir waren auch in der Aufstiegsrunde spielerisch nicht die beste Mannschaft. Aber wir haben als Team am besten funktioniert“, sagt der frühere Trainer des SC Halberg Brebach und der SV Elversberg. Die Korsettstangen der Völklinger Aufstiegsmannschaft werden in der Regionalliga mehr denn je ihrer Führungsrolle gerecht werden müssen. „Wir haben eine klar strukturierte Mannschaft mit einer guten Hierarchie“, ist Erhardt sicher, dass das Spielergefüge stimmt.

An der Spitze der Hierarchie stehen Innenverteidiger Rouven Weber und Mittelfeld-Regisseur Nico Zimmermann. „Da ist Respekt vor der Leistung da. Die anderen hören zu, wenn sie den Mund aufmachen“, sagt der Trainer über seine Führungsspieler. Vor allem Weber nötigt ihm Respekt ab: „Rouven ist mit seinen fast 35 Jahren noch topfit. Bei ihm kannst du dir immer sicher sein, dass er im Training und auch für sich alleine alles tut, um auf dem Platz die bestmögliche Leistung zu bringen.“ Mit Milan Ivana hofft Erhardt einen weiteren Leistungsträger verpflichtet zu haben. Der 33-Jährige, der mit Darmstadt 98 in der 2. Liga gespielt hat, war zuletzt bei der SV Elversberg, spielte dort aber kaum eine Rolle. Gesucht wird noch ein Torwart, der mit der bisherigen Nummer eins Sebastian Buhl um den Stammplatz konkurrieren soll. „Dazu suche ich noch einen großen wuchtigen Stürmer und eventuell einen zentralen Spieler auf der Sechs“, ergänzt Erhardt.



Dass sein Sohn Julien (20) als Außenverteidiger die Hinrunde wegen eines Kreuzbandrisses verpassen wird, bedauert Erhardt sehr. Dennoch befreit es ihn vorübergehend aus einer zuweilen misslichen Situation. „Ich wusste, dass er soweit ist. Darum habe ich ihn vor einem Jahr aus der Saarbrücker U19 in die Mannschaft geholt. Das war am Anfang nicht leicht“, berichtet der Vater, der um die für beide nicht ganz einfache Situation weiß und sich in der Kabine mit Bewertungen Juliens versucht zurückzuhalten. Dazu kommt, dass die junge Spieler-Generation selbstbewusster auftritt, als Vater Erhardt aus früheren Zeiten gewohnt ist. „Manchmal ist das nicht so entspannt. Meist ist es ja so, dass er mich berät“, sagt der Trainer mit einem Lachen.

Für Erhardt ist es dabei wichtig, dass sich seine Söhne eine berufliche Perspektive aufbauen. „Julien studiert Wirtschaft und Recht. Und das ist auch gut so. Ich habe ihm immer gesagt, dass das vorgeht“, stellt Erhardt klar. Und auch Zwillingsbruder Justin-Maurice studiert und trainiert auch kommende Saison wie schon seit vergangenem Winter die zweite Mannschaft des SV Röchling in der Bezirksliga.