„Unser Team ist stark genug dafür“

„Unser Team ist stark genug dafür“

Der 1. FC Saarbrücken empfängt in den Playoffs der Tischtennis-Bundesliga den Rekordmeister aus Düsseldorf. Es geht ums Finale.

Wie die Woche von Patrick Franziska war? Das entscheidet sich an diesem Donnerstagabend ab 19 Uhr in der Joachim-Deckarm-Halle. Für den Tischtennis-Nationalspieler und seinen 1. FC Saarbrücken geht es im Heimspiel gegen Borussia Düsseldorf um den Einzug ins Finale der deutschen Meisterschaft. Die Saison könnte nach dieser Partie zu Ende sein. Oder noch spannender weitergehen. Das passt zu den Tagen, die hinter Franziska liegen. Sie waren ziemlich wechselhaft.

Die sportliche Ausgangslage: Am Sonntag verlor der FCS in Düsseldorf mit 1:3. Gewinnen die Blau-Schwarzen vor eigenem Publikum, egal wie hoch, kommt es am 30. April zu einem Entscheidungsspiel beim deutschen Rekordmeister. Das besagen die neuen Regeln für die Playoffs. Nicht nur wegen des freundlichen Reglements sagt Franziska: "Ich denke, dass wir ein drittes Spiel erzwingen können."

Der 24-Jährige konnte in der ersten Begegnung als einziger Saarbrücker punkten. Er besiegte Stefan Fegerl klar in drei Sätzen (11:7, 11:6, 11:5). Dabei belegt der Österreicher derzeit Platz 21 der Weltrangliste, während Franziska nach längerer Pause auf Rang 69 zurückgefallen ist. "Ich war selbst überrascht, dass ich mich so schnell bewegt habe", erklärt Franziska: "Das war auf jeden Fall mein bestes Spiel nach der Verletzung, aber auch eines der besseren in meiner Karriere."

Vor ziemlich genau einem Monat stand Franziska erstmals wieder an der Platte, nachdem er seit November gefehlt hatte. Im Halbfinal-Hinspiel der Champions League gegen den russischen Topfavoriten Fakel Orenburg (1:3) überraschte der Deutsche, verlangte dem weißrussischen Altmeister Vladimir Samsonov einiges ab. Danach steigerte sich Franziska kontinuierlich. Er trug dazu bei, dass der 1. FC Saarbrücken sich in der Bundesliga einen Platz in den Playoffs sicherte.

Dann kam das Rückspiel in Orenburg, heute vor einer Woche. Als Franziska sich aufwärmte, fuhr ihm plötzlich ein Schmerz ins linke Knie. "Ich konnte nicht mehr auftreten, hatte Schmerzen ohne Ende", erzählt er. Ein russischer Arzt warf einen Blick auf das Gelenk, vermutete einen Schaden am Meniskus. Als die Spieler sich aufstellten, die Nationalhymnen erklangen, saß Franziska in der zweiten Reihe. Er konnte nicht mitspielen. Am nächsten Tag lag Franziska in Frankfurt in der Röhre eines MRT-Geräts, um das Knie untersuchen zu lassen.

Das überraschende Ergebnis: alles in Ordnung. "Ich war den Tränen nahe, als der Arzt gesagt hat, dass nichts kaputt ist", sagt Franziska. Er konnte also mitfahren, nach Düsseldorf, zu seinem Ex-Verein. Und überzeugen.

Mit der Borussia holte Franziska zwei Mal die deutsche Meisterschaft und den Pokalsieg, ehe er 2016 nach Saarbrücken wechselte. Auch in Düsseldorf hatten den Rechtshänder wiederholt Verletzungen zurückgeworfen. Doch im Saarland begann für Franziska ein ungekanntes Leiden: Nach einer Muskelverletzung entdeckten Ärzte bei ihm Hüftprobleme. Sie verursachten keine Schmerzen, hätten Franziska aber langfristig geschadet, seine Karriere bedroht. Deshalb musste er pausieren, über Monate. Lange durfte Franziska nicht an der Platte stehen, nur anders trainieren. "Körperlich fühle ich mich inzwischen echt gut, bis auf den kleinen Rückfall mit dem Knie", sagt er heute; "Ich habe viel an meiner Athletik gearbeitet, als ich verletzt war. Und ich merke, dass sich das jetzt ein bisschen auszahlt."

Obwohl Franziska als Königstransfer so lange zuschauen musste, erreichte Saarbrücken das Pokalfinale und das Halbfinale der Champions League. "Mit so vielen Ausfällen haben wir das Maximale rausgeholt", findet Franziska: "Aber wir wollen ins Finale der Bundesliga, und unser Team ist stark genug dafür."