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Dopingkontrollen bei den Winterspielen
Mal wieder ein Labor mit Sicherheitslücken

Was außer ihrem Gesicht hat Nadeschda Sergejewa zu verbergen? Die russische Bobfahrerin wurde bei Olympia positiv getestet.
Was außer ihrem Gesicht hat Nadeschda Sergejewa zu verbergen? Die russische Bobfahrerin wurde bei Olympia positiv getestet. FOTO: AP / Natacha Pisarenko
Köln. Recherchen der ARD-Dopingredaktion belegen Unregelmäßigkeiten bei den Olympischen Winterspielen in Südkorea. sid

Bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang soll es zu Sicherheitslücken und Unachtsamkeiten bei Dopingkontrollen gekommen sein. Das ergaben Recherchen der ARD-Dopingredaktion, der belastende Filmaufnahmen zugespielt worden waren. Sollten die Zustände bei Olympia in Südkorea tatsächlich derart unsicher gewesen sein, könnte dies weitreichende Folgen haben. Unter anderem könnten Testergebnisse angefochten werden.


Die Videos zeigen, wie sich ein namentlich nicht genannter Betreuer der Dopingkontrollstation über einen längeren Zeitraum alleine und unbeobachtet in einem Raum befindet, in dem sensible Unterlagen und Behälter mit Dopingproben gelagert sind. Die Person blättert dabei in den Dokumenten und öffnet einen Kühlschrank, in dem sich Urinproben befinden sollen.

Die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) hatte in ihrem unabhängigen Prüfbericht eingeräumt, dass es nicht verschlossene Kühlschränke und unbewachte Zugänge gegeben habe. Dies sei jedoch nur in Einzelfällen vorgekommen. Die ARD-Dopingredaktion berichtete jedoch, dass dies „keineswegs nur vereinzelt“ vorgekommen sei. Ihr lägen „zahlreiche Videos“ vor, die Gegenteiliges beweisen. Der deutsche Sportrechtsexperte Michael Lehner kommt daher zu der Schlussfolgerung, dass das „Labor nicht funktioniert hat. Die minimalen Standards, wie auch von der Wada vorgegeben, sind nicht eingehalten“, sagte er und fügte mit Blick auf mögliche juristische Konsequenzen an: „Da ist eine große Chance auf Freispruch. Einfacher geht es eigentlich nicht zu sagen: Jede Probe, die dort im Dopinglabor war, ist nicht verwertbar.“



In Pyeongchang hatte es vier Dopingfälle gegeben. Der japanische Shorttracker Kei Saito, der slowenische Eishockeyspieler Ziga Jeglic, der russische Curler Alexander Kruschelnizki und die russische Bobfahrerin Nadeschda Sergejewa lieferten alle positive Dopingproben ab und wurden von den Wettbewerben ausgeschlossen. Die provisorische Sperre gegen Sergejewa ist mittlerweile aufgehoben worden. Das entschied die Anti-Doping-Division des Internationalen Sportgerichtshofes CAS. Nach jetzigem Stand ist die 31-Jährige daher in der im Dezember startenden Weltcup-Saison startberechtigt. Möglich sei die Aufhebung der provisorischen Sperre, weil Sergejewa glaubhaft habe machen können, dass das Dopingvergehen „wahrscheinlich“ auf ein „kontaminiertes Produkt zurückzuführen“ sei.

Sergejewa war bei den Spielen positiv auf das Stimulanzium Trimetazidin getestet worden. Ihr zwölfter Platz im Frauenrennen wurde annulliert. Der Bob-Weltverband IBSF wollte Sergejewa zunächst für vier Jahre sperren, die Russin beharrte aber auf dem Standpunkt, sie habe das Mittel versehentlich zu sich genommen. Im August akzeptierte die IBSF dies, wollte aber eine neunmonatige Sperre erwirken.