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Kolumne zum LSVS-Skandal
Unmenschliche Drohkulisse

FOTO: SZ / Roby Lorenz
Konsolidierungsberater Michael Blank hat den Fachverbänden des Landessportverbandes für das Saarland sein Sanierungskonzept endlich zugestellt. Eine Woche bevor der Gesamtvorstand mit Vertretern aller Verbände darüber entscheiden soll. Von Kai Klankert
Kai Klankert

Man könnte dies als positives Zeichen werten. Doch dem ist nicht so. Was sich in den zurückliegenden Tagen hinter den Kulissen abgespielt hat und wohl bis zur Sitzung am kommenden Donnerstag noch abspielen wird, schlägt dem Fass den Boden aus.


Aus der Finanzaffäre im Dezember 2017 ist längst ein Skandal geworden, der das gesamte Land in Atem hält – vom kleinen Mann im Sportverein auf dem Dorf bis in die Parteispitzen der großen Koalition. Und mit jedem Tag, jeder neuen Nachricht, jeder Recherche wächst die Erkenntnis, dass noch lange nicht alles auf dem Tisch ist.

Aktuell soll der Gesamtvorstand über die Pläne des Sanierers Blank entscheiden – also unter anderem auch über die geplanten Kündigungen beim LSVS-Personal. Eine wichtige Frist hierfür läuft am 30. Juni ab. Die Drohkulisse, die aufgebaut wird, ist unglaublich, fast schon unmenschlich. Der Staatskommissar, den das Innenministerium einsetzen müsste für den Fall, dass Blanks Konzept scheitert, wird bereits jetzt als das personifizierte Böse tituliert, der schwarze Mann, vor dem alle Angst haben müssen. Der auf einen Schlag alle entlassen würde und die Sportschule sofort dicht macht.



Hinter vorgehaltener Hand ist seit Tagen von Drohungen die Rede, von Erpressung, teils betrügerischen Absichten. Das Präsidium des LSVS hat den Plänen schon zugestimmt – „einstimmig schweren Herzens“. Eine Wahl hatte das Gremium, das nach dem Rücktritt von Klaus Meiser von Franz-Josef Schumann und Franz Josef Kiefer angeführt wird, nicht. Gegen das Präsidium wird staatsanwaltschaftlich ermittelt, es trägt eine Mitschuld an der Entwicklung – aber bis auf den ebenfalls zurückgetretenen Eugen Roth, der Fehler eingestanden hat, kleben alle an ihren Stühlen, weisen jegliche Verantwortung für den LSVS-Skandal immer noch von sich, dass einem nur fassungsloses Kopfschütteln bleibt. Die Rücktritte sind eigentlich überfällig, der Machterhalt aber offenbar wichtiger. Vielleicht auch die Angst vor persönlichen Konsequenzen.

Und so geht der Druck nun ungefiltert an den Gesamtvorstand über. Aufgebaut vom Sanierer, der – wenn er es mit der Transparenz ernst meinen würde – auch die Kosten offen legen müsste, die seine Arbeit verursacht, die der unzähligen Rechtsanwälte und Wirtschaftsprüfer, die der LSVS seit Dezember engagiert hat. Das ist bislang aber nicht passiert.

Dass der Konsolidierungsberater mit dem Land, also dem zuständigen Innenministerium, in Kontakt steht, in regem stehen muss, dürfte jedem klar sein. Der von Ministeriums-Seite beauftragte Berater Günter Staab, der als Staatskommissar gehandelt wird, weiß um jedes Detail. Welche Interessen verfolgen er und die Auftraggeber?

Seit Tagen hört man von allen Seiten, der LSVS sei in der Lage, mit harten Einschnitten sich selbst zu retten. Und wenn nicht? Ist die Alternative, den Laden zuzusperren? Der LSVS ist keine Firma. Er ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Und das Land hat eine Patronatserklärung für die Darlehen des LSVS bei der Landesbank Saar abgegeben. Es muss dafür einstehen, muss für den LSVS aufkommen, wenn dieser nicht mehr kann. Vielleicht will das aber keiner. Vielleicht will die Politik, die eine große Mitschuld trägt, das nicht übernehmen. Immerhin geht es um eine Darlehenssumme von etwa 18 bis 19 Millionen Euro.