Über das Lebenswerk des Formel-1-"Diktators"

Ohne ihn läuft nichts. Alle Grand-Prix-Räder stehen still, wenn Bernie Ecclestone es will. Der schmächtige Mann mit zerzauster Frisur dirigiert seit vier Jahrzehnten ein Milliarden-Imperium, genannt Formel 1. Dabei agiert er als skrupelloser "Diktator" mit eiserner Hand, als gerissener Taktiker mit unglaublichem Geschäftssinn und als charmanter Diplomat mit viel Geschick

Ohne ihn läuft nichts. Alle Grand-Prix-Räder stehen still, wenn Bernie Ecclestone es will. Der schmächtige Mann mit zerzauster Frisur dirigiert seit vier Jahrzehnten ein Milliarden-Imperium, genannt Formel 1. Dabei agiert er als skrupelloser "Diktator" mit eiserner Hand, als gerissener Taktiker mit unglaublichem Geschäftssinn und als charmanter Diplomat mit viel Geschick. Bernhard Charles Ecclestone ist Drahtzieher, Promoter, Dompteur und "Zirkusdirektor". Der kurzsichtige Bernie mit dem großen Durch- und Weitblick hat ein System der Geldvermehrung etabliert, das ihn zum mehrfachen Euro-Milliardär machte. Kurz: Die ganze Formel 1 ist eine Einmann-Show, zugeschnitten auf den heute 81-Jährigen. Der "Gottvater der Formel 1", wie er vom Magazin "Stern" bezeichnet worden ist, beherrscht dabei alle und alles.Dementsprechend lautet der Titel einer neuen Biografie "Bernie Ecclestone - Die Formel 1 bin ich". Die britische Originalausgabe erschien 2010 unter dem Titel "No Angel. The Secret Life of Bernie Ecclestone" (Kein Engel. Das geheime Leben des Bernie Ecclestone). Autor Tom Bower, der in England den Ruf eines angesehenen Journalisten und investigativen Historikers genießt, hat den Aufstieg Ecclestones akribisch nachgezeichnet. Deutlich wird dabei vor allem die Härte, mit der Ecclestone seine Geschäfte ausbaute. Bower deckt aber auch pikante Details aus dem Privatleben des Formel-1-Bosses auf. So berichtet er, dass Ecclestones Ex-Freundin Tuana Tan "dem Kauz die Kleider rauslegte und ihm die Zahnpasta auf die Bürste drückte". Der Übergang zu Frau Slavica verlief fließend: Das Armani-Modell erwartete 1984 das erste Kind von ihm. Glaubt man Bower, muss sich Ecclestone in dieser Ehe kleiner gefühlt haben, als er mit seinen 1,58 Metern ist. Die exaltierte Schönheit, die ihren Mann um satte 20 Zentimeter überragte, nannte ihn öffentlich "Zwerg", beklagte seine sexuelle Unlust, keifte und warf Teller nach ihm. Ecclestone verriet dem Autor: "Sie liebte es, mich zu terrorisieren." Der Rosenkrieg endete mit der wahrscheinlich teuersten Scheidung Großbritanniens. Slavicas Vermögen wird nun auf fast drei Milliarden Dollar geschätzt. "Heiraten", sagte Ecclestone danach, "ist so ähnlich wie ins Kittchen zu gehen. Nicht besonders aufregend."

Bower, der durchaus im Sumpf wühlte, gibt dem Leser in 14 Kapiteln tiefe Einblicke in das private Leben und berufliche Streben des Machtmenschen und ausgebufften Geschäftemachers Ecclestone, der gerne mit den Attributen gerissen, skrupellos, zwielichtig bedacht wird. Dabei kommen auch Skandale, Revolten, Korruption, Sex, Lug und Betrug zur Sprache.

Für die nicht autorisierte Lebensbeschreibung Ecclestones hat der Autor unzählige Wegbegleiter (Freunde wie Gegenspieler), Teamchefs, Fahrer und Journalisten interviewt, um zu ergründen, wie es hinter der kühlen Fassade des gefürchteten "Diktators" und Großbritanniens erfolgreichstem Tycoon aussieht.

Tom Bower: Bernie Ecclestone - Die Formel 1 bin ich, VGS, Köln 2011, 408 Seiten, ISBN 978-3-8025-3751-6, 19,99 Euro.

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