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Über Berlin zu den Roten Teufeln?"Drei Mal ist Bremer Recht"

Berlin. Der Ort war der gleiche. Damals, vor 19 Jahren und elf Tagen: DFB-Pokalfinale in Berlin, 1. FC Kaiserlautern gegen Werder Bremen. 3:2 gewann der Außenseiter aus der Pfalz. Der Pokal hat eben seine eigenen Gesetze. FCK-Tore seinerzeit: ein Mal Stefan Kuntz, zwei Mal Brundo Labbadia. Fast zwei Jahrzehnte später ist Labbadia wieder so eine Art Außenseiter in Berlin Von SZ-Mitarbeiter Mark Diening

Berlin. Der Ort war der gleiche. Damals, vor 19 Jahren und elf Tagen: DFB-Pokalfinale in Berlin, 1. FC Kaiserlautern gegen Werder Bremen. 3:2 gewann der Außenseiter aus der Pfalz. Der Pokal hat eben seine eigenen Gesetze. FCK-Tore seinerzeit: ein Mal Stefan Kuntz, zwei Mal Brundo Labbadia. Fast zwei Jahrzehnte später ist Labbadia wieder so eine Art Außenseiter in Berlin. Der Trainer von Bayer Leverkusen steht an diesem Samstag vor dem Pokalfinale gegen Werder Bremen (20 Uhr/ARD) unter Druck. Sportlich gilt Bayer Werder als ebenbürdig. Aber nach nur 17 Rückrunden-Punkten und nur einem gewonnenen Heimspiel in der Bundesliga rumort es.



Vielleicht erschien Labbadia deswegen zur Pressekonferenz im Gegensatz zu seinem Sakko tragendem Werder-Kollegen Thomas Schaaf in einer Trainingsjacke. Signal: Ärmel hochkrempeln, arbeiten. "Wir reden jetzt nicht über Personal", sagte er: "Das wird an anderer Stelle geschehen." Am Montag. Zwei Tage nach dem Finale wird bei Bayer abgerechnet, dann trifft sich die Führungsspitze um Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser ("Es gibt keinen Treueschwur") und Sport-Chef Rudi Völler. Der sagte am Freitag über Labbadia, dass "er tolle Arbeit macht" und wollte das als klares Bekenntnis zum Trainer verstanden wissen: "Absolut!"

Aber es geht ja auch um Geld in diesem Finale. Und da hört bekanntlich die Freundschaft auf. 3,25 Millionen Euro haben beide Finalisten sicher, dem Gewinner winken noch mal 2,5 Millionen plus weitere Millionen-Einnahmen aus der Teilnahme an der Europa-Liga. Holzhäuser, der den Absturz auf Platz neun in der Liga ("Nicht akzeptabel") und damit Einnahmeverlust "in siebenstelliger Höhe" zu verdauen hatte, wird sich wohl nur schwer mit dem Aus im internationalen Geschäft anfreunden können. Und so wird Labbadia bereits munter bei anderen Clubs gehandelt. Das Hamburger Abendblatt sieht ihn als Nachfolger von Martin Jol beim HSV, angeblich ist auch Eintracht Frankfurt interessiert - und dass Labbadia zum FCK und damit zu seinem alten Weggefährten Kuntz zurückkehrt, wird auch bereits heftig kolportiert.

Immerhin: Während Kuntz derlei Gerüchte bis vor kurzem heftig dementierte, schweigt der FCK-Chef mittlerweile nur noch auf Fragen in die Richtung. Labbadia selbst sagte am Freitag: "Wir müssen das beiseiteschieben." Die Betonung lag auf "wir". Das Credo des 43-Jährigen lautet: "Keiner macht sein Einzelding, nur das Team ist wichtig." Das wiederum soll sich bei einer internen Abstimmung mit 20:4 Stimmen gegen eine weitere Zusammenarbeit ausgesprochen haben. Holzhäuser nennt solche Meldungen "obskur", weiß aber auch "wie schnelllebig Fußball ist". Und so könnte Labbadia selbst fliegen, wenn Bayer siegen sollte. Der Pokal hat eben seine eigenen Gesetze.Berlin. Werder Bremen ist für andere Clubs so was wie die Glückspille in dieser Saison. Vor zehn Tagen machte Werder Schachtjor Donezk zum Uefa-Cup-Sieger (1:2). Und vor einer Woche durfte der VfL Wolfsburg zu Hause gegen Bremen die deutsche Meisterschaft einfahren (5:1). Bremen hat nach Platz zehn in der Liga und der Niederlage gegen Donezk zwei Chancen auf das internationale Geschäft verspielt. Doch "drei Mal ist Bremer Recht", heißt es an der Weser vor dem DFB-Pokalfinale. Das sieht auch Trainer Thomas Schaaf so: "Es war eine Enttäuschung, den Uefa-Pokal nicht hochheben zu können, aber die positive Stimmung ist zurückgekehrt."

Und mit ihr Diego. Oder umgekehrt. So genau weiß man das in dieser Spielzeit bei Bremen nicht. Der brasilianische Spielmacher, gegen Donezk gesperrt und in Bremen noch ohne Titel, wird im Finale sein letztes Spiel für Werder machen. "Das bisher wichtigste meines Lebens", sagt der 24-Jährige, der "für die Zuneigung, die mir hier entgegengebracht wurde, etwas zurückgeben möchte". Bevor er für 24,5 Millionen zu Juventus Turin geht. Geld, das die Bremer in den Umbau der Mannschaft investieren wollen. Marko Marin soll von Borussia Mönchengladbach kommen. Angeblich ist Werder auch an Rafael van der Vaart von Real Madrid interessiert. Derlei Transfers werden künftig auch das Berufsleben von Frank Baumann (Foto: ddp) bestimmen. Der 33-jährige Kapitän beendet mit dem Finale seine Karriere, wechselt nach einer sechsmonatigen Auszeit als Assistent von Clubchef Klaus Allofs in die Geschäftsführung. Das "Vorbild für alle Berufskollegen" (Schaaf) hat zehn Jahre in Bremen gespielt , 2004 mit Werder das Meisterschaft und Pokal geholt. Baumann will sich zum Abschied eine persönliche Glückspille verpassen: Als Kapitän den Pott in die Höhe stemmen. mod



Auf einen Blick

Zum letzten Mal findet das DFB-Pokal-Finale der Frauen im Berliner Olympia-Stadion statt. Turbine Potsdam, Cup-Sieger 2004, 2005 und 2006, trifft auf Uefa-Cup-Sieger FCR Duisburg, der den Pokal 1998 gewann. Über den kommenden Austragungsort entscheidet der Deutsche Fußball-Bund am 12. Juni. Der Ortswechsel dient auch der besseren Vermarktung. Derzeit kostet der teuerste 30-Sekunden-TV-Spot rund um das Frauen-Finale etwa 22 000 Euro. Ausgestrahlt wird er nach dem Endspiel. Zum Vergleich: Das Schalten eines Spots direkt vor dem Männer-Finale kostet gut 60 000 Euro. mod